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»Macbeth« begeistert im Stadttheater als Tanzstück

Artikel vom 12.02.2012 - 20.17 Uhr

»Macbeth« begeistert im Stadttheater als Tanzstück

Der Jazz macht Shakespeare Beine: »Macbeth« begeistert im Stadttheater als Tanzstück in der Choreografie von Tarek Assam und David Williams.

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Im Jenseits ist das fröhliche Treiben mit den Musikern Pflicht. (Fotos: Rolf K. Wegst)
Diese Tanzpremiere hat restlose Begeisterung hervorgerufen. Am Samstag wurde Shakespeares »Macbeth« als Tanzstück von Tarek Assam und David Williams am Stadttheater uraufgeführt. Es ist ein Augen- und Ohrenschmaus, überzeugt durch tänzerische Leichtigkeit und darstellerischen Tiefgang. Es ist das gelungene Ergebnis einer vertrauensvollen Teamarbeit, die auf dem letztjährigen »Sommernachtstraum« aufbaut.

Der Zuschauer kann das Stück einfach genießen: dank seiner mitreißenden, selbst komponierten und live gespielten Musik der Jazz-Formation lines & rhythm, des ansprechenden Bühnenbilds von Fred Pommerehn und der peppigen Kostüme von Gabriele Kortmann (beide aus Berlin). Und natürlich dank der bestens aufgestellten Tanzcompagnie. Man kann das Stück mit genauer Kenntnis der Vorlage auch bis ins Detail analysieren und interpretieren, was Spaß macht und auch Freunde des Schauspiels reizen könnte, sich einmal ein Tanzstück anzusehen.

Bei allen Schrecklichkeiten der Shakespeareschen Vorlage verzichtete das Choreografenduo auf allzu grausame Darstellungen. Zwar gibt es in ihrer Härte überzeugende Kampfszenen, hier besonders zwischen den durchtrainierten Sven Krautwurst (Banquo) und Christopher Basile (Macbeth), doch werden die Morde selbst symbolisch angezeigt: mit dem Schließen der Augen durch eine dritte Person, markiert durch rote Striche. Das reicht als Geste. Auch ein unheimlich kreischender Krähenschwarm kommt zum Einsatz.

Bühnenbildner Pommerehn hat ein Ambiente der zwei Welten geschaffen: Ein aus Hölzern gefertigter, halbrunder Drehbühnenaufbau mit Treppen und Plattformen, der nach außen gewölbt den Musikern (= Götterwelt) ihren Ort zuweist, und im Innenraum den Tänzern (= Menschen) Raum gibt. Anfangs kriechen nur die drei quirligen sexy Hexen (Ekaterine Giorgadze, Hsiao-Ting Liao, Mamiko Sakurai) durch einen Spalt von der einen in die andere Welt, doch mit dem Beginn des Mordens wird dieser Durchgang immer größer, bis er ganz offen bleibt. Und in der »Anderswelt« lebt es sich offenbar leichter und lustiger, hier wird zu Balkan-Jazz gefeiert bis zum Umfallen. Jeglicher Ballast ist abgeworfen, Ehrgeiz und Machtstreben, Ränkespiele und Verrat sind nicht mehr nötig.

Die Bühne ist ganz in Schwarz und Weiß gehalten, in den Kostümen durch Rot akzentuiert. Kortmann hat Alltagskleidung wie Kapuzenjacken und Lederhosen aufgepeppt, hat den Edelleuten Viertelröcke wie Gürtel aus rotem Schottenkaro gegeben und die Gruppenzugehörigkeit mit Hüten oder Frisuren kenntlich gemacht. Die Musiker sind eher clownesk gekleidet, tragen als Naturwesen auch mal Ranken auf ihren Armen und Beinen. Ansonsten verstärken sie akustisch den aktuell-modernen Eindruck der Inszenierung, durch ihre eigens komponierte Jazz-Musik. Deren Variationen reichen von leise und swingend über rockig laut und funky groovend bis zum munteren Balkan-Jazz. Alle fünf kommen aus der »Kulturschiene Gießen-Lich« und sind Szenekennern wohlvertraut.



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