Sie sind hier: Startseite » Stadt » Stadtkultur »

Konzert zum 100-Jährigen der Bonifatius-Chororgel

Artikel vom 04.07.2012 - 17.07 Uhr

Konzert zum 100-Jährigen der Bonifatius-Chororgel

Am 3. Juli 1912 war die Hopkins-of-York-Chororgel eingeweiht worden, und zu ihrem 100. Geburtstag gaben der Gemeindepfarrer von St. Bonifatius zusammen mit Regionalkantor Ralf Stiewe und Pfarrer Hans-Joachim Wahl ein Konzert in dem Gotteshaus, für das vor sechs Jahren das historische Instrument angekauft und restauriert wurde.

rworgel2_050712_4c_2
Lupe - Artikelbild vergrössern
Pfarrer Hans-Joachim Wahl an der historischen Chororgel, assistiert von Regionalkantor Ralf Stiewe. (Foto: rw)
In den neugotischen Sakralraum fügt sich sowohl die Optik als auch der Klang der englischen Orgel stilvoll ein. Das kam auch am Dienstagabend aufs Beste zur Geltung.

Da das Prunkstück für alle sichtbar an der Seitenschiffwand und nicht auf der Empore steht, konnten die Besucher die faszinierende Arbeit der Organisten beobachten, die mittels reich bestückter Mechanik facettenreiche Klanggebilde über die Pfeifen in den Raum schickten. Ohne Assistent – mindestens für das Notenblättern – wäre es schwierig geworden beim komplizierten Hand- und Fußspiel an den zwei Manualen, der Pedalerie und den zahlreichen Registerzügen. Das wurde am Dienstag schon bei dem ruhig fließenden Einleitungsstück deutlich, als Wahl die Elegie von George Thomas Thalben-Ball (1896–1987) intonierte. Für den Pfarrer war der Abend übrigens eine besondere Premiere, denn der Geistliche bediente erstmals öffentlich die Orgel in seiner Gemeindekirche, und das beeindruckend souverän.

Im englischbetonten Musikprogramm – fast alle Komponisten könnten zeitlich gesehen auf der Chororgel gespielt haben – wechselten sich die beiden Solisten ab. Hohen Anspruch an Registrierkunst und Fingerfertigkeit barg Felix Mendelssohn Bartholdys Sonata 1 f-Moll op. 65, die Stiewe sehr farbig gestaltete. Zwischen strahlenden Höhen und gedämpften Tönen kam der besondere Charakter des Instruments plastisch zum Tragen. Das Adagio vermittelte »himmlische« Schlichtheit, der zarte Beginn des letzten Satzes wurde mit Tutti kontrastiert und endete in Fortissimo-Jubel. Chromatik und Facettenreichtum imponierten. Drei Stücke op. 27 von Percy Eastman Fletcher (1879-1932) vergegenwärtigten inselspezifische spätromantische Stimmung bis hin zu effektvoll fernen Himmelschören. Auch freies Musizieren kam nicht zu kurz, denn Kantor Stiewe stellte sich eine Reihe von Zetteln aufs Notenpult und kombinierte Publikumswünsche zu einer Improvisationsreihe, die vom Choral bis zum Jazz reichte, vom »Big Ben«-Motiv bis zu Gershwins »Amerikaner in Paris«. Drei Preludes von Ralph Vaughan Williams (1872–1958) gewannen unter Wahls Händen nuanciertes musikalisches Leben, und mit Edward Elgars »Pomp and Circumstance«-Military March No. 1. Op 39 zeigte Stiewe seine virtuose Seite im raschen Wechsel von hüpfendem Hauptthema, Choral und Marsch. Sogar ein Stereo-Erlebnis entstand, als die Besucher in den Bankreihen »Land of hope and glory« mitsangen.

Ein Musikabend, der sowohl den Organisten als auch dem interessanten, ausdrucksstarken Instrument alle Ehre machte. rw

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 04.07.2012 - 17.07 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang