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Internationale Instanz des kulturellen Lebens

Artikel vom 01.11.2010 - 20.00 Uhr

Internationale Instanz des kulturellen Lebens

»Film ab« - diese Ansage war am Samstag Programm, als im Atelierhaus Trafo in der Ederstraße das zweite Gießen Videoart Festival giguk stattfand. Zahlreiche Besucher waren gekommen. Den ganzen Abend lang gab es hochwertige experimentelle Filme zu sehen, von denen am Ende die Besten mit Jury- und Publikumspreisen ausgezeichnet wurden.
»Typischer« Gießener
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»Typischer« Gießener
Was das Festival als Ganzes angeht, ist soviel sicher: Man muss sich nur die Bilanz anschauen - eingereicht wurden 215 Videos aus 36 Ländern -, um zu erkennen, dass hier eine weitere wichtige und internationale Instanz des kulturellen Lebens der Stadt heranwächst. Ohne Zweifel ist sie für Gießen eine Bereicherung, was auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz in ihrem Grußwort betonte.

Sie freue sich sehr darüber, dass der erste Versuch mit dem neuen Festival im letzten Jahr so gut gelungen sei, dass es in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal durchgeführt werden konnte, sagte Grabe-Bolz. Sie hoffe sehr, dass die Veranstaltung, die auf großes Interesse stoße, fortgeführt werden könne, betonte die OB, die sich auch über die zahlreichen Gießener Beiträge freute. Wolf D. Schreiber vom giguk-Team bedankte sich bei der Stadt und weiteren Sponsoren wie der Kümmerei für ihre Unterstützung, bevor die erste Wettbewerbsrunde des Festivals, bei dem »One Minutes«-Kurzfilme und bis zu sieben Minuten lange Clips gezeigt wurden, begann. Jeweils orientiert an einem der Schwerpunkte »visuelle Erfahrung«, »politisch-gesellschaftliche Aussage«, »narrativer Prozess«, »Kohärenz zwischen visueller und auditiver Ebene« und »konzeptionelle Ebene« wurden die eingereichten Arbeiten von Bernhard Greif und Christian Fleißner bewertet. Den ersten Preis bei den One Minutes konnte der Engländer Stuart Pound mit seinem Werk »Green Water Dragon« gewinnen. Die Plätze zwei und drei gingen bei den Einminütern an den Heidelberger Eckhard Kruse und seinen Film »How to use time flexibly« und den US-Amerikaner Henry Gwiadza mit »About my fate««. In der Kategorie Clips gewann die Amerikanerin Karen Ostrom mit ihrem Streifen »The End«, gefolgt vom Kanadier David Clark mit »For the Time Being« und dem Film »Spin« des Engländers Max Hattler. Den Publikumspreis für ihr einminütiges Video »What do you think I think about you?« bekamen der Brasilianer P. Azevedo und der Engländer C. Charnley, und bei den Clips zeichneten die Gäste »Homecoming artist« des Israeli Marcus Shahar aus.

Insgesamt war es ein gelungener Abend mit durchweg sehenswerten Filmen, bei dem der Frankfurter Künstler Raul Gschrey außer Konkurrenz antrat. Im Eingangsbereich hatte er ein Ensemble aus drei Monitoren, einer Überwachungskamera und einem Foto installiert, mit dem Gschrey die zunehmend an der Biometrie orientierte Videoüberwachung reflektiert. Besonders interessant: Die ausgestellte Fotografie, denn mit ihr hat der Frankfurter den »Typischen Gießener« abgelichtet. Entstanden ist das Bild, bei dem mithilfe der Mehrfachbelichtung Fotos von 20 Personen zu einem Menschen vereint wurden, im erst kürzlich veranstalteten rauschhaus. Genutzt worden sei dieses Verfahren der Kompositfotografie etwa seit 1850, sagte Gschrey. Damals sei es das Ziel gewesen, durch die Überlagerung beispielsweise der Fotos von Verbrechern ein Porträt des typischen Kriminellen zu erstellen. Bei der modernen, an biometrischen Parametern orientierten Videoüberwachung könne diese Methode jetzt dazu dienen, den Kameras zu entgehen, denn wer ganz gewöhnlich aussehe, falle nicht auf, so der Künstler, der am Samstag auch Masken des typischen Gießeners im Publikum verteilte, augenzwinkernd. olz / Foto: olz

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Artikel vom 01.11.2010 - 20.00 Uhr
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