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Hatzius und seine freche Echse in der Kongresshalle

Artikel vom 14.02.2012 - 17.15 Uhr

Hatzius und seine freche Echse in der Kongresshalle

Mehr als nur Kasperletheater: Berliner Puppenspieler bringt mit allerlei coolen Sprüchen und komischen Betrachtungen das Publikum zum Lachen.

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Michael Hatzius und seine freche Echse. (Foto: pv)
Vergesst Mario Barth, Oliver Pocher, Stefan Raab und andere Comedians, gewöhnt euch an Michael Hatzius und seine unglaubliche Echse. Denn der Berliner Puppenspieler ist die Entdeckung der letzten Zeit. Er zelebriert die Kunst der Improvisation und bringt die Bühne zum Leben. Im kleinen Saal der Kongresshalle wurde am Sonntagabend bei »Die Echse und Freunde – das volle Programm« wahrhaft geniales Puppenspiel geboten und gelacht, was das Zeug hielt.

Die hereingetragene Echse (geboren am 24. März 379 v. Chr., Geburtsort: Athen) mit dem kleinen Kopf, den bösen Augen, dem gedrungenen Körper im grünen Gummimantel kommentierte mit zynischen bisweilen bitterbösen bis derben Sprüchen die Welt, die Menschheitsgeschichte seit dem Urknall und die Gesellschaft als Ganzes. Vor nichts scheute das kauzige, ironische, bissige, schlagfertige Vieh mit den kleinen spitzen Zähnchen und der Lieblingsbeschäftigungen »Rauchen, Sinnieren, Frauen« zurück. Stolz zeigte es seine amputiere linke Hand (»Zu viel onaniert!«) und auch die abgeschnittenen Füße, räkelte sich auf dem Schoß seines Herrchens, zog genüsslich an einer langen Zigarre, gab coole Sprüche en masse von sich, erzählte schwadronierend, geheimnisvoll und kumpelhaft aus seinen Leben, in dem früher alles besser gewesen sei, deutete immer wieder mit dem Finger ins feixende Publikum oder in die Luft und fixierte die Leute mit seiner Schnauze. Das amphibische Wesen, das so alt ist wie der griechische Philosoph Aristoteles, das obendrein den Sozialismus überlebt hat, wusste alles, kannte alles, schwelgte in Weisheit und Bosheit, gab mit seiner Erfahrung an, war mal großmäulig, mal derb, mal geil, mal witzig und mal feinsinnig und immer besserwissend. Kein Wort des Zweifels entströmte seinem Maul.

Irgendwie freute sich die Echse, endlich mal in Gießen zu sein, jener Stadt, die den ehemaligen Landsleuten aus dem Osten besonders ans Herz gewachsen sei, nicht nur wegen der schlauen Universität. Die Echse wurde mit höchster Präzision in Körpersprache, Stimme und Charakteristik von Hatzius an der kurzen Leine geführt. Fast hätte man meinen können, in der Handpuppe stecke ein zwergenhafter Darsteller. Das war mehr als nur Kasperletheater. Der Blick aufs Publikum reizte die Lachmuskeln der Zuschauer an, die sich von dem strammen, fast schon unfreundlich militärische Ton (»Gibt’s noch Fragen?«) zu solchen animieren ließ.

»Wer wird nächster Fußballmeister?«, wollte jemand wissen. »Werden Sie Nachfolger von Thomas Gottschalk?« »Haben Sie überhaupt eine Frau?« Die Echse antwortete bissig, frech, auch etwas anmaßend, aber immer kurz und bündig. Um dann wieder abzuschweifen, etwa ins biblische Fach, um Geschichten von Christi Geburt und Jesus Abstammung zum Besten zu geben, die nichts für empfindsame Religionsästheten waren. Auch als Rauschgiftsüchtiger outete sich die Echse, in der Zigarre stecke Myrrhe, gestand sie, das so schön rauschig mache.

Der Puppenspieler ließ die Echse allerhand tun, beispielsweise leicht anzüglich nach jungen hübschen Frauen schauen, vor allem wenn es sich um eine Deutsch- und Biologie-Studentin im siebten Semester (»Kannst du das nicht auch in Berlin belegen?«) handelte. Hatzius improvisierte, wandte sich an viele Zuschauer. Irgendwann lag er hinter seiner Puppe, sah kaum auf, egal wie laut gelacht wurde über die lakonischen, ätzenden Sprüche über menschliche Verhaltensweisen.



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Artikel vom 14.02.2012 - 17.15 Uhr
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