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»Harold und Maude« sorgt bei »Crime Time« für Lacher

Artikel vom 22.07.2010 - 18.00 Uhr

»Harold und Maude« sorgt bei »Crime Time« für Lacher

Wenn Birgit Hohmann von der Buchhandlung Miss Marple’s und Carsten Rummer vom Bettenhaus Röhr zur Lesereihe »Crime Time« mit dem Journalisten Rainer Scheer laden, dann ist Lesevergnügen garantiert. So auch am Dienstag, als Scheer seine 20 Zuhörer im Bettenhaus bereits zum 25. Mal in die Welt der spannenden Literatur entführte.
Gekonnt liest Rainer Scheer aus  »Harold und Maude«. 	(Foto: olz)
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Gekonnt liest Rainer Scheer aus »Harold und Maude«. (Foto: olz)
Auf der Tagesordnung diesmal: Harry Kemelmans »Ein Fußmarsch von neun Meilen« aus »Quiz mit Kemelman«, die Texte »Durst« und »Buchhandhabung« von Flann O’Brien und Auszüge aus »Harold und Maude« von Colin Higgins. Eine gelungene Textauswahl, die zwar, anders als von der Lesereihe gewohnt, den Krimi nicht in den Mittelpunkt stellte. Doch das Publikum war begeistert - besonders bei seiner gekonnten und gut betonten Lesung aus dem skurrilen Text um den jungen Harold und die 80-jährige Maude hatte Scheer die Lacher der Gäste auf seiner Seite.

Verwundern kann das nicht, denn »Harold und Maude« ist an subtiler Groteske kaum zu überbieten. Harold, der bei seiner Mutter lebt, hat seinen Spaß daran, sie zu erschrecken und so auf sich aufmerksam zu machen. Sein Mittel: fingierte Selbstmorde. Ob nun der Tod durch Ertrinken, Erhängen oder einen gestellten Autounfall - alles hat der junge Mann schon ausprobiert. Sehr zur Erschütterung seines Psychiaters, den auch die weiteren Hobbys des Patienten nur wenig begeistern. Denn neben dem Besuch von Müllkippen vertreibt sich Harold die Zeit damit, zu Beerdigungen fremder Leute zu gehen und dabei die Atmosphäre des Augenblicks zu genießen. Bei einem Begräbnis lernt er schließlich Maude kennen. Sie scheint seine Interessen zu teilen, und eine groteske Geschichte, die unter anderem um das Thema Todessehnsucht kreist und 1971 mit Ruth Gordon als Maude und Bud Cort als Harold verfilmt wurde, nimmt ihren Lauf.

Unaufgeregte Sachlichkeit

Ihr besonderer Reiz: Im Ton unaufgeregter Sachlichkeit lässt Higgins in seinem Roman die absonderlichsten Momente passieren und erzeugt dadurch einen angenehm tiefgründigen und rabenschwarzen Humor. Scheer, dem man die fundierte Textkenntnis deutlich anmerkte, wusste ihn gekonnt umzusetzen. Mit dem notwendigen Schuss Nüchternheit, sicher und mit feinem Gespür für die Pointen hauchte er dem Klassiker, der - so der Journalist - mit großer Werktreue verfilmt wurde, echtes Leben ein. Ein großer Spaß für das Publikum, das sich bei Scheer immer wieder mit Beifall bedankte. Insgesamt ein spannendes und unterhaltsames Lesevergnügen mit einem kompetenten Leser, der die Lust am Text gekonnt zu wecken wusste.

Am 11. August wird die Reihe mit einem Spezial fortgesetzt. Dann liest der Bad Endbacher Autor Sascha Ehlert aus seinem »Milchshake für Blasius«. Allerdings an neuem Ort, denn die Lesereihe zieht ins Café Zeitlos um, das sich als weiterer Partner an der Reihe beteiligt. olz

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Artikel vom 22.07.2010 - 18.00 Uhr
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