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Graffiti-Künstler von 3Steps planen Projekt an der Lahn

Artikel vom 06.08.2011 - 18.43 Uhr

Graffiti-Künstler von 3Steps planen Projekt an der Lahn

Die »River Tales« sollen im Herbst die Lahnstädte Gießen und Wetzlar optisch miteinander verbinden. Die Werke der drei jungen Männer sind überall in der Stadt anzutreffen. Dabei ist ihre Kunst längst über Mittelhessen hinaus anerkannt.

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Bei der Arbeit: Kai Krieger, Uwe Krieger und Joachim Pitt (v. l.) sprühen ihr neuestes Werk auf einen Brückenpfeiler in Kleinlinden. (Fotos: Geck (2)/kan)
Überall liegen leere Flaschen herum – und so riecht es auch. Ab und zu rauscht ein Zug vorbei. Wenn auf den Gleisen Ruhe herrscht, hört man den Lärm der B 49. Die drei jungen Männer, die sich unter der Brücke getroffen haben, sind müde. Einer hat vor ein paar Tagen seine Dissertation abgegeben, der andere stand die ganze Nacht am OP-Tisch. Doch als sie ihre Spraydosen aus dem vollgepackten Kofferraum holen, ist das alles vergessen. Es ist einer der wenigen Tage, an denen die drei Zeit haben für ihr Hobby, das eigentlich viel mehr ist, nämlich ihre »größte Leidenschaft«. Sie arbeiten an einem großen Bild an einem Brückenpfeiler unter der Bundesstraße in Kleinlinden. Ihre Werke kennt jeder, der mit offenen Augen durch Gießen geht. Die Rede ist von 3Steps, den drei Graffiti-Künstlern aus Gießen und Linden.

Eine von zwei Händen aufgezogene Jeansjacke ist auf dem Pfeiler erkennbar, darunter kommt ein gelbes T-Shirt zum Vorschein, auf dem ein amerikanischer Truck und die Golden Gate Bridge zu sehen sind. Uwe Krieger alias »Doc Nova« sprüht der berühmten Brücke gerade die senkrechten Träger an, während Joachim »Mr. Flash« Pitt der linken Hand den letzten Schliff gibt. Das Werk solle Elemente von amerikanischer Ost- und Westküste kombinieren, erklärt Kai »SiveOne« Krieger. Die Idee sei bei einer Kalifornien-Reise in Anlehnung an die »Backpieces« entstanden, die es sowohl in der Rocker- als auch in der Graffiti-Szene gebe. Ein solches Backpiece, ein Bild auf dem Rücken einer Jeansjacke, soll am Brückenpfeiler nebenan entstehen, sodass nachher Vorder- und Rückseite nebeneinander stehen. Unter dieser Brücke sind viele Werke von 3Steps zu entdecken, seit 2005 kommen die Künstler immer wieder hier vorbei.

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Gesicht zeigen: Meist blicken dem Betrachter Menschen aus 3Steps-Werken entgegen, hier ebenfalls unter der B 49.
Viele Leute trifft man hier nicht. Und doch bleibt einer stehen, dem wohl gefällt, was er sieht. Er steigt aus seinem Wagen und fragt nach, was es wohl kosten würde, wenn die drei seine Wand gestalten. Die jungen Männer nehmen viele solcher Auftragsarbeiten an, um sich Wunschprojekte wie dieses hier erlauben zu können. Eine solche Herzensangelegenheit ist auch das Projekt »River Tales«, das noch im September über die Bühne gehen soll. In Gießen und Wetzlar wollen 3Steps mit internationalen Künstlern über Motive am Fluss eine optische Verbindung zwischen den Lahnstädten schaffen. Damit haben sie eine Idee aufgegriffen, die sie schon mit »B 49 refine« ins Auge gefasst hatten. Dieses bereits für Herbst 2010 geplante Projekt liegt derzeit aber wegen Unklarheiten in der Zuständigkeit auf Eis.

Sowohl die Lahn als auch die B 49 verbinden die Menschen in der Region, erklärt Kai Krieger die Intention. Und dieser Region fühlen sie sich selbst eng verbunden. Für das Projekt »River Tales« würden Sie sich noch über weitere Flächen in Gießen freuen. »Ideen haben wir genug.« Und große Pläne auch. Im Moment sind 3Steps auf der Suche nach einem Atelier. Dort wollen sie auch ihre Leinwand-Werke ausstellen. Bisher haben sie auf dem elterlichen Hof der Zwillinge Kai und Uwe gearbeitet, doch da wird es inzwischen zu eng. Jetzt, wo alle ihren Abschluss in der Tasche haben, herrsche Umbruchstimmung, erzählen sie. Sie seien bereit für »the next step«.

Joachim Pitt, Kai und Uwe Krieger kennen sich schon aus ihrer Schulzeit. Während Pitt sich hauptsächlich für Breakdance interessierte, war es bei den Zwillingen die Malerei. Gemeinsam haben sie beides geübt und dann gemerkt, »dass wir uns mit den Händen besser erklären können, als mit den Füßen«, sagt Uwe Krieger. Aus dieser Zeit stammt auch ihr Name, 3Steps – ursprünglich Three Steps Ahead, in Anlehnung an einen Breakdance-Schritt. »Drei Jungs – drei Schritte voraus«, erklärt Kai Krieger. Seitdem hat sich auch ihr Stil weiterentwickelt. Heute zählen sie sich zur »Mural Art«, für die großflächige Wandgestaltungen typisch sind. Während am Anfang die Schriften im Vordergrund standen, konzentrieren sie sich inzwischen auf die Figuren. Das habe aber viel Übung erfordert, sagt Krieger. »Es hat ein paar Jahre gedauert – und jetzt hat es geklappt.« Inzwischen sind ihre Werke international anerkannt und zieren sogar Wände in Griechenland und Italien.



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Artikel vom 06.08.2011 - 18.43 Uhr
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