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Gioconda Belli und Grupo Sal in der Petruskirche

Artikel vom 06.07.2012 - 17.10 Uhr

Gioconda Belli und Grupo Sal in der Petruskirche

Schwülwarme Luft liegt über der Stadt, als die nicaraguanische Poetin Gioconda Belli und die Grupo Sal ein akustisches Feuerwerk lateinamerikanischer Poesie und Rhythmen in der Petruskirche entfachen.

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Gioconda Belli
Die Vorschläge der Männer, die Welt zu retten, seien bekanntlich sehr langweilig, verkündet Belli, die nicht in Berlin oder Hamburg, sondern allein in Gießen, bundesweit einmalig, ihren neuen Roman »Die Republik der Frauen« vorstellt. Hier regieren – natürlich – die Frauen. Für sechs Monate schicken sie die Männer in einen langen Urlaub und übernehmen die Macht.

Der Gedanke, dass die Welt ein besserer Ort wäre, würden die Frauen das Sagen haben, ist nicht neu, Frauen als Präsidentin oder Staatschefin keine Utopien mehr. In Bellis fiktivem Land Faguas liegt das Potenzial der Veränderung in der »Erfahrung der Fürsorge« der Frauen und in der »weiblichen Art zu handeln und zu denken«. So lässt Belli, selbst in jungen Jahren Mitglied der sandinistischen Befreiungsbewegung ihres Heimatlandes, die Protagonistin ihres Buches den, wenn auch zeitweilig begrenzten, Putsch der Frauen begründen. In ihrem Gedankenspiel geht es nicht darum, eine Welt zu entwickeln, in der die Frauen alles genauso machen wie die Männer. »Die Wahrheit ist, die Welt wurde von Männern für Männer gemacht.« Also gründen die Frauen in Faguas die Partei der »Erotischen Linken«. Nicht die Steigerung des Bruttosozialprodukts ist das Ziel, sondern »das Glück aller Bürgerinnen und Bürger«.

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Bringt lateinamerikanisches Flair in die Betonoptik der Petruskirche: die Grupo Sal. (Fotos: dw)
Belli liest auf Spanisch und die ausgewählten Texte ziehen auch jene sofort in den Bann, die skeptisch waren. Bellis Geschichten seien fremd und doch vertraut, meint Stadträtin Astrid Eibelshäuser, die in Vertretung der Stadt, die neben vielen anderen den Abend ermöglichte, die Faszination für die lateinamerikanische Autorin zusammenfasst.

Bellis Frauenfiguren sind geprägt von Widersprüchen, Träumen, Sehnsüchten und politischen Identitäten. Sie leisten Widerstand, Streben nach Gleichberechtigung und wissen, dass es diese nicht ohne Kampf gibt. Diesen Kampf führen sie – ganz und gar lateinamerikanisch – nicht im Verleugnen des Weiblichen. Eine Revolutionärin in roten High Heels, wie auf dem Cover des Buches, ist in deutschen Augen undenkbar. Selbst auf jenen roten High Heels stehend, macht Belli mit den ausgesuchten Textstellen transparent, warum das in ihren Augen kein Widerspruch ist. Nicht nüchterne feministische Gesellschaftsanalyse steht im Mittelpunkt, sondern »die Philosophie des Glücklichseins«. Nicht verkniffener, blinder Hass auf alles Männliche prägt die Texte, sondern die Lust und der Stolz eine Frau zu sein und der Kampf darum, dies in Würde leben zu können. So haben auch Humor und Ironie ihren Platz. Die Frauen in Bellis Roman entwickeln viele Ideen, um die Welt zu einem Ort zu machen, in dem Frauen gleichberechtigt leben können.

Frau mit sanften Hügeln



Während die Bilder des Kampfes noch in der Luft hängen, liest Belli ihre erotischen Gedichte, träumt von den Verlockungen männlicher Körper und schwelgt im Zauber weiblicher Rundungen: »Gott machte mich zu einer Frau mit sanften Hügeln.«



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Artikel vom 06.07.2012 - 17.10 Uhr
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