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»Freischütz« im Stadttheater spaltet die Gemüter

Artikel vom 16.09.2012 - 21.16 Uhr

»Freischütz« im Stadttheater spaltet die Gemüter

Am Schluss geht’s in die Gummizelle: Muntere Stadttheaterpremiere mit Carl Maria von Webers »Freischütz«. Am Ende gibt es Buhs für die Regie und tosenden Applaus für Sänger und Orchester.

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Ab geht’s in die Gummizelle: Max wird von freundlichen »Freischütz«-Schwestern in sein neues Domizil geführt. (Foto: Wegst)
Nigel Lowery ist Engländer. Das erklärt viel. Etwa seinen Hang zum schwarzen Humor. Oder seinen Sinn für Debiles. Und Makabres. Für seine Sicht der Dinge hagelte es am Samstagabend im Stadttheater nach der Premiere von Carl Maria von Webers »Freischütz« zum Spielzeitauftakt im Musiktheater lautstarke Buhs. Ein Unmutsbekenntnis, das früher durchaus üblich war in Gießen, aber in den vergangenen Jahren aus der Mode gekommen schien. Dafür gilt es,
Lowery in seiner Doppelfunktion als Regisseur und Ausstatter zu danken. Wenn Oper nicht mehr polarisiert, setzt sie Fett an.

Die Buhs gab es, weil der Brite der »deutschen Nationaloper«, wie der 1821 uraufgeführte »Freischütz«, der das Tor zur Romantik aufstieß, bis heute gern genannt wird, in seiner modernen Lesart eine ketzerische Krone aufsetzt. Für Sänger und Orchester ertönte donnernder Beifall.

Der Engländer hat das beschauliche Finale des Stücks – Max und Martha erhalten ein Jahr Bedenkzeit für ihre gemeinsame Zukunft – umgedeutet und es in ein Fanal geführt. Die Novelle, der Johann Friedrich Kind für sein Libretto den Inhalt entlehnte, endet bekanntlich auch nicht so rosig wie die Oper.

Im Rausch der Wolfsschlucht



Lowerys Bühnenbild kann sich sehen lassen. Von Haus aus Theaterdesigner, stattet er die Szenen mit Prospekten aus, die zwar überwiegend düster gehalten sind, aber immer ein Stück Leichtigkeit beinhalten – das Licht am Ende des Tunnels sozusagen, auch wenn es im Nirwana verlöscht.

Die Wolfsschluchtszene beginnt mit einer bühnengroßen Leinwandfahrt (Videos: Martin Przybilla) durch ein spärlich von Autoscheinwerfern beleuchtetes nächtliches Waldstück der Marke gemeiner Krofdorfer Forst. Weil Max im Wahn den teuflischen Mächten verfallen ist, macht er als maskierter Terrorist und bewaffneter Attentäter in Video Nummer zwei allen jungen Damen einer Mädchenschule den Garaus. Was dieser Einfall im »Freischütz« zu suchen hat, weiß nur der Regisseur. Die Mädchen tragen Schuluniformen – Lowery, wie gesagt, ist Engländer.



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Artikel vom 16.09.2012 - 21.16 Uhr
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