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Elke Heidenreich liest zum Sinfoniekonzert im Theater

Artikel vom 15.02.2012 - 17.18 Uhr

Elke Heidenreich liest zum Sinfoniekonzert im Theater

Ein Musikstück mit gesprochenem Text stand am Dienstag im Stadttheater im Zentrum des Interesses. Gast des sechsten Sinfoniekonzertes war Elke Heidenreich.

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Elke Heidenreich sprach im Sinfoniekonzert zur Komposition »ZwischenTräume« von Marc-Aurel Floros ihre Texte von Liebe und Sehnsucht, Hoffnung und Tod. (dpa/Archiv)
Die Autorin und begabte Rednerin sprach im zweiten Teil des Konzerts zur Komposition »ZwischenTräume« von Marc-Aurel Floros ihre Texte von Liebe und Sehnsucht, von Hoffnung und Tod – offene Fragen um den Verlust von Sicherheiten, die bei Moses anfangen und mit dem hoffnungsvollen Satz enden: »Das Schöne besiegt das Ungeheure – Götterdämmerung, immer und immer wieder.«

Doch gehen wir vom »Auftakt« aus. Die Frankfurter Geigerin Noémi Zipperling (geboren 1991) ist in ihrem vielfältigen musikalischen Wirken bereits arriviert: Sie spielte in der traditionellen Überraschungsreihe den
ersten Satz aus Prokofjews Violinkonzert
Nr. 1 D-Dur. Ihr geradliniger, energievoller Ton imponierte in souveränem Strich und durchdachtem Aufbau. Der lyrische Rahmen um den herb-rhythmischen Mittelteil hätte dabei noch ein wenig mehr Silber vertragen können.

Am Dirigentenpult des Philharmonischen Orchesters stand als Gast der junge Clemens Schuldt. Er gab anschließend den vier Sätzen von Maurice Ravels »Le Tombeau de Couperin« präzise Konturen und ließ im Prélude schöne Details herausarbeiten. Schwingend über exaktem Rhythmus-Grundgerüst die Forlane und das Menuett mit homogenem Pianissimo-Ausklang. Ein lebhaft konturierter Rigaudon beschloss die Suite, die Ravel aus einer sechssätzigen Klavier-Hommage (1919) an gefallene Kameraden für Orchester umgearbeitet hat. Schuldt setzte auf Klarheit und Eleganz. Solistische Glanzlichter hielten Oboe, Englischhorn, Klarinette und Flöte bereit.

Einen brillanten Gitarristen braucht das »Concierto de Aranjuez« (1939) von Joaquín Rodrigo. Der gebürtige Kubaner Joaquín Clerch, Professor an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, entsprach den Anforderungen an Technik und Gestaltung in jedem Sinne. Deutlich artikulierend und mit facettenreichem Anschlag, dynamisch-plastischer Gestaltung und Sinn für spezifische Stimmungen, so verlieh er zusammen mit dem konzentriert mitgehenden Ensemble den drei Sätzen lebendige Farben. Die rahmenden Allegri betont iberisch-rhythmisch und in bester Abstimmung mit dem Orchester, dabei nie folkloristisch; das Adagio mit seinen herrlichen Bläsersoli zur Gitarre gelang atmosphärestark, aber niemals seicht wie die populäre Mon-Amour-Verarbeitung der Melodie (da war wohl jemand der Meinung, das sei das Stück gewesen, denn Bravoruf und Beifall zerstörten die Stimmung nach dem verträumten Ausklang des mittleren Satzes). Clerch beeindruckte nach dem reichen Beifall mit einem wunderschön perlend gespielten Tremolo, den »Recuerdos de la Alhambra« von Francisco Tarrega.

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Die Frankfurter Geigerin und Auftaktsolistin Noémi Zipperling. (pv)
»Zwischenträume« – Elke Heidenreichs Text zu den ewigen Fragen des Lebens, auf die es keine sicheren Antworten gibt, endet mit der Hoffnung auf Neuanfang, ganz global anknüpfend an Wagners »Götterdämmerung«. So hieß das Motto der Tage der Filmmusik in Halle 2010, zu dem Heidenreichs Lebensgefährte Marc-Aurel Floros ein Werk für Orchester und Sprecher geschrieben hat. Ein groß bestücktes Orchester, im Schlagzeug bis hin zu Xylophon und Glocken, sorgte für mächtige Ausbrüche schon zu Beginn. Düstere Bläser-Einschübe verkünden Schwerwiegendes. Floros’ Stil (wir erinnern uns an seine »Gala Gala«, die 2008 unter Cathérine Mivilles Regie in Gießen aufgeführte Kurzoper über Dalís Muse) ist geladen mit reibungsvollen Tutti, bleibt dabei jedoch meist im Rahmen herkömmlicher Harmonik. Neben überwiegendem Fortissimosturm gibt es kosmisch schwebende Passagen und ein zartes Konzertmeistersolo. Clemens Schuldt hatte den Klangkörper stets engagiert im Griff. »Die Schönheit ist aus Sehnsucht gemacht« – die kurzen Texte sprach am Pult vorn rechts gut verständlich Elke Heidenreich in Musikpausen oder vor zurückgenommenem Klangfond. Erst zum Schluss lösen sich die dissonanten Spannungen in harmonischstem Dur auf. Zu dem durchaus hintergründigen Wort hätte man sich Kammermusik gewünscht; das wäre dem Nachdenken bekömmlicher gewesen. War da etwa ein Buh im herzlichen Beifall zu hören? Olga Lappo-Danilewski

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