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»Crime Time«-Reihe: Rainer Scheer präsentiert »Dracula«

Artikel vom 10.02.2010 - 18.25 Uhr

»Crime Time«-Reihe: Rainer Scheer präsentiert »Dracula«

Lesung nicht nur für Vampirfreunde: Rainer Scheer stellte am Dienstagabend in der »Crime Time«-Reihe den neuen (und alten) »Dracula« vor. Sein Fazit: Der Fürst der Finsternis hat noch immer Biss.
Lässt Stimmenvielfalt lebendig werden: Rainer Scheer liest aus »Dracula«.	(Foto: olz)
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Lässt Stimmenvielfalt lebendig werden: Rainer Scheer liest aus »Dracula«. (Foto: olz)
Es war im Jahr 1897, als sich ein irischer Autor aufmachte, die Welt zu erobern. Alles andere als dieser Superlativ wäre unangemessen, denn es gibt keinen anderen Roman, der das Horrorgenre so stark geprägt hat wie Bram Stokers »Dracula«. Allein die unüberschaubare Anzahl an Verfilmungen belegt, dass er seine »Konkurrenten« - Mary Shelleys »Frankenstein« aus dem Jahr 1818 und Robert Louis Stevensons »Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde« von 1886 - weit hinter sich gelassen hat. Ob Stoker, der zur Zeit der Entstehung seines Romans am Londoner Lyceum Theatre arbeitete und Agent des damals berühmten Theaterschauspielers Sir Henry Irving war, diesen gigantischen Erfolg vorhersehen konnte? Wir wissen es nicht, doch eines steht fest: Der Fürst der Finsternis ist im wahrsten Sinne des Wortes unsterblich geworden. Seit über einem Jahrhundert lehrt Dracula die Menschen das Fürchten. Am Dienstag machte der düstere Graf Station in Gießen.

Genauer gesagt im Bettenhaus Röhr in der Bahnhofstraße, wo ihm Rainer Scheer auf Einladung der Buchhandlung »Miss Marple’s« in einer anregenden und informativen Lesung im Rahmen der Reihe »Crime Time« seine Stimme lieh. Gut zwei Stunden lang entführte der Journalist seine rund 40 Zuhörer in die Welt der Blutsauger. Schnell wurde dabei deutlich, dass Dracula, auch angesichts des gigantischen Erfolgs der fast schon kanonischen »Bis(s)«-Romane der Amerikanerin Stephenie Meyer, noch immer nicht zum alten Eisen gehört. Im Gegenteil.

Und was wäre wohl angesichts des aktuellen Vampirbooms auf dem Buchmarkt passender, als eine Fortsetzung zu schreiben und gegen Edward und Bella in den Ring zu steigen? Gesagt, getan und seit letztem Jahr ist »Dracula - Die Wiederkehr« im Handel erhältlich. Verfasst wurde der Text, dem sich Scheer am Dienstag hauptsächlich widmete, von keinem Geringeren als Stokers Urgroßneffen Dacre. Nicht nur beim Motiv, auch in der Form ist er dem Vorbild seines großen Verwandten gefolgt, denn auch der neue Roman zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er sich dem Geschehen aus der jeweils individuellen Perspektive zahlreicher Protagonisten nähert. Neben dem allein schon durch die Hauptfigur programmierten »Gänsehautgefühl« garantiert das Spannung - für einen Vorleser hält gerade diese Erzählstruktur große Herausforderungen bereit. Er muss eine wahre Stimmenvielfalt lebendig werden lassen, und genau das gelang Scheer, der seine Zuhörer zudem mit vielen Hintergrundinfos versorgte, so eindrucksvoll, dass es keine Alternative gibt: Draculas Wiederkehr will unbedingt gelesen werden. olz

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Artikel vom 10.02.2010 - 18.25 Uhr
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