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Bruno Jonas bot in der Kongresshalle Zeitkritik

Artikel vom 07.02.2010 - 15.58 Uhr

Bruno Jonas bot in der Kongresshalle Zeitkritik

Bruno Jonas mit scharfer Zeitkritik: Am Freitag gastierte der Kabarettist mit seinem Programm »Bis hierher und nicht weiter« in der Kongresshalle.
Bot Zeitkritik: Bruno Jonas.	(Foto: olz)
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Bot Zeitkritik: Bruno Jonas. (Foto: olz)
Stellen Sie sich Ihren Zahnarzt vor. So, wenn Sie ihn jetzt vorm geistigen Auge haben, dann assoziieren Sie den Begriff »Wurzelbehandlung«. Zugegebenermaßen ist das eine Vorstellung, die auf viele nicht nur uncharmant, sondern geradezu abschreckend wirken dürfte, doch seien Sie beruhigt. Es wird in der Folge nicht um die definitiv schmerzhaften Seiten der modernen Zahnmedizin gehen - nebenbei, auch Zahnärzte tun nur ihre Arbeit -, sondern um den Kabarettisten Bruno Jonas. Am Freitag gastierte der mit seinem Programm »Bis hierher und nicht weiter« in der Kongresshalle.

Rund 300 Zuschauer waren gekommen, um die angenehm anspruchvolle und erstklassige Gesellschaftssatire des gebürtigen Oberbayern live zu erleben. Sie wurden aufs Allerbeste und wahrhaft königlich unterhalten, nicht zuletzt auch ablesbar am häufigen Szenenapplaus. Wird nun im Folgenden die Zahnarzt-Wurzelbehandlungs-Metaphorik wieder aufgegriffen, um den Charakter der Satire zu beschreiben, dann geht es absolut nicht darum, dem Künstler selbst Schmerzpotenzial zu attestieren oder ihn in der Vorstellungswelt des Lesers mit den unangenehmen Seiten des Lebens zu verbinden. Im Gegenteil, doch gibt es kaum ein besseres sprachliches Bild, um die hellsichtige Zeitkritik, die mit chirurgischer Präzision so manchen Gesellschaftseuphemismus entlarvt und seziert, zu beschreiben.

Eingebaut ist Jonas’ feine Ironie in die Rahmenerzählung um den Unternehmensberater Hubert Unwirsch, der zu einer längeren Wartezeit am Flughafen gezwungen ist, weil sein Flieger Verspätung hat. Unwirsch nutzt die Gelegenheit und nimmt seine Zuhörer mit auf einen Streifzug durchs Weltgeschehen, mit Halt unter anderem am deutschen Afghanistaneinsatz, an der Wirtschaftskrise oder der Kompetenz deutscher Politiker. Was den Kabarettisten dabei symbolhaft in die Nähe des Dentisten rückt: Mit gespielter Naivität und beißendem Sarkasmus spitzt er die verdeckende oder beschönigende Rhetorik zu, wie sie oftmals in der Politik oder im Wirtschaftleben vorkommt. Das ermöglicht es ihm, systematisch von der künstlich geschaffenen, glatten Scheinidylle bis in tiefste Tiefen zu bohren und dabei die bislang verhüllte und schmerzende Wahrheit humoristisch freizulegen. Und es hat schon ein ganz ordentliches Schmerzpotenzial, wenn Unwirsch beispielsweise der verzweifelten Frau eines Arbeitslosen bei einem gespielten Telefonat erzählt, sie solle Hartz IV doch einfach als Chance begreifen. Schwarzer Humor vom Allerfeinsten, zu dem eigentlich - und damit auch in die Bresche gesprungen für die deutschen Zahnärzte - nur noch eines zu sagen ist: Nicht die Behandlung der erkrankten Wurzel macht den eigentlichen Schmerz aus. olz

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Artikel vom 07.02.2010 - 15.58 Uhr
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