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Weg zum Einkauf belastet das Klima mehr als vermutet

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Artikel vom 11.10.2012 - 20.18 Uhr

Weg zum Einkauf belastet das Klima mehr als vermutet

Gießen (pm). Mal schnell mit dem Auto die Sonntagsbrötchen holen? Die Einkaufswege der Endverbraucher belasten das Klima erheblich mehr als bisher angenommen, hat eine Studie der Justus-Liebig-Universität ergeben.

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Klimafreundlich: Der Einkauf mit dem Fahrrad. (Foto: pv)
Dazu sah sich eine Arbeitsgruppe von Prof. Elmar Schlich den so genannten »Consumer Carbon Footprint« (CFF) näher an, also den Anteil der Endverbraucher an der Klimabilanz von Produktions- und Prozessketten. Die Auswertung aktueller statistischer Daten durch die Professur für Prozesstechnik ergibt für Deutschland einen mittleren CCF-Wert für die Einkaufswege von 280 Gramm Kohlendioxid pro Kilogramm Einkauf, erheblich mehr als bisher angenommen. Laut Statistik nutzen 83 Prozent aller Endverbraucher den privaten Pkw für den Einkauf und legen dabei im Schnitt 2600 Kilometer pro Jahr zurück. Die Studie ist in der aktuellen »ErnährungsUmschau« veröffentlicht.

Bisherige Mitteilungen des Verbraucherministeriums sprechen laut Schlich nur von einem Endverbraucher-CO2-Fußabdruck von 107 Gramm pro Kilogramm Einkauf, gestützt auf veraltete Daten der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestags (»Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre«) aus dem Jahr 1994. Eine jüngere Studie des Heidelberger Instituts für Energie und Umweltforschung schätzte 2009 auf der Basis von offenbar zu optimistischen Annahmen den CCF für den Einkauf auf 140 Gramm, halb so viel wie aktuell ermittelt. Von der Arbeitsgruppe zusätzlich ausgewertete Einkaufstagebücher, die bundesweit in 20 Haushalten über vier Wochen geführt wurden, zeigen einen mittleren CCF-Wert von 293 Gramm. Dabei schwanken die Einzelwerte aufgrund der Wahl des Verkehrsmittels, der zurückgelegten Strecke und der eingekauften Menge zwischen 0 und 8830 Gramm, jeweils bezogen auf ein Kilogramm Einkauf.

Zudem kann der untersuchte »Fußabdruck« individuell und regional sehr unterschiedlich sein: So zeigte eine weitere Erhebung bei 401 Endverbrauchern an Gießener Ladenkassen deutlich den Einfluss der Bevölkerungsstruktur und des gewählten Verkehrsmittels. Für die Stadt Gießen ergibt die Auswertung einen mittleren CCF von lediglich 124 Gramm pro Kilogramm Einkauf, weil hier nur 46 Prozent der befragten Personen die Einkaufswege mit dem Auto zurücklegten. Gießen weist deutschlandweit den höchsten Anteil an Studierenden in der Einwohnerschaft auf. Der aktuellen Erhebung zufolge benutzen die Gießener Studierenden klimafreundlich das Fahrrad, ihr Semesterticket oder gehen zu Fuß zum Einkaufen.

Verkehrsmittel, Einkaufsstrecke und -menge haben wie erwartet einen erheblichen Einfluss. Spontane Einkäufe oder das sonntägliche Brötchenholen per Auto schlagen mit hohem CCF zu Buche. Im Idealfall sollte die Einkaufsstrecke möglichst kurz und die Einkaufsmenge möglichst hoch sein. Vorratseinkäufe in Verbindung mit anderen Wegen wie zum Beispiel der Fahrt zur Arbeit sind grundsätzlich von Vorteil. Die Untersuchungen deuten zudem auf einen positiven Effekt durch ein städtisches Umfeld mit guter Infrastruktur, während Bewohner ländlicher Räume längere Einkaufsstrecken zurücklegen müssen und daher höhere CO2-Emissionen aufweisen.

In diesem Forschungsfeld gibt es viele offene Fragen, die repräsentativ beantwortet werden sollen. Dazu zählen der Einfluss der Haushaltsgröße ebenso wie die angesprochenen Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Aktuell wird zudem der spannenden Frage nachgegangen, ob die Kundschaft von Bioläden auch bei der Wahl der Verkehrsmittel und der Entfernung dorthin ein signifikant höheres Umweltbewusstsein aufweist.

Publikation: Sima A, Möhrmann I, Thomae D, Schlich E: Einkaufswege als Teil des Consumer Carbon Footprints (CCF) – Zum Anteil des Endverbrauchers an der Klimarelevanz von Prozessketten im Lebensmittelbereich. ErnährungsUmschau 59 (2012) 9, 524-530.

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Artikel vom 11.10.2012 - 20.18 Uhr
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Leserkommentare
(12.10.2012 14:16)
Frettchen
man man man....
so ein Schwachsinn interesiert doch kein Mensch...kein wunder das aus unserem Land nix mehr wird!
(11.10.2012 23:29)
Leser
Auto- oder fahrradfreundlich?
Wenn man in andere Städte schaut, kann man feststellen, dass sich durchaus etwas verändern lässt. So hat beispielsweise Frankfurt seinen Radverkehrsanteil in 10 Jahren verdoppelt. Auch Rostock hat das geschafft. Ich bin daher sehr gespannt, wie die Gießen beim Fahrradklimatest abschneidet. Bis 31. Oktober kann man noch abstimmen: www.fahrradklima-test.de
(11.10.2012 22:04)
Bernhard
Überschrift
Leider kann man den herkömmlichen Autofetischisten nicht ändern - er wird bis in alle Ewigkeit die sinnfreisten Fahrten unternehmen und die engsten Winkel der Stadt befahren.
Ginge es nach den Vorstellungen einiger Autofanatiker, so gäbe es demnächst befahrbare Kaufhäuser und Supermärkte, wie ich erst kürzlich las - Einkaufen ohne auszusteigen.
Schade, dass das vorbildliche Verhalten der Studenten da wenig bewirken wird in der überaus autofreundlichen Stadt Gießen.
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