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WGs sind für Ausländer oft »nicht gerade offen«

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Artikel vom 23.01.2013 - 17.56 Uhr

WGs sind für Ausländer oft »nicht gerade offen«

Gießen (kw). Sie suchte ein Zimmer, in einer Wohngemeinschaft war eines frei – »ich dachte, ich gehe einfach hin und sage: Ich möchte es haben«, erinnert sich Maryanne Oloo. »Schockiert« war sie dann beim ersten WG-Vorstellungstermin.

»Es war wie ein Casting. Die hatten ganz viele Fragen – nach meinen Hobbys oder danach, was ich gerne esse.« Das Zimmer hat die Medizintechnik-Studentin nicht bekommen. Leider seien viele WGs »nicht gerade erfreut und offen« gegenüber ausländischen Bewerbern, weiß Silke Wehmer, Leiterin des Auslandsreferats an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Das will ihr Projekt »WG International Gießen« ändern.

13 Prozent der 7800 am Standort Gießen eingeschriebenen THM-Studierende haben keinen deutschen Pass, erläutert Silke Wehmer beim Pressegespräch. Sie hätten schon immer mehr Probleme bei der Suche nach einer Unterkunft als deutsche Kommilitonen. Die steigenden Studentenzahlen verschärften dieses Problem noch. Vorbehalte gegen Menschen aus »fremden« Ländern hätten keineswegs nur ältere Vermieter, sondern gerade auch zahlreiche WGs, bekräftigt Tutorin Regine Bornemann. »Sie sagen zum Beispiel, sie hätten schlechte Erfahrungen gemacht.« »Oder«, ergänzt Tutor Jonas Rohleder, »sie haben Hemmungen, eine kulturfremde Person aufzunehmen.« Die Projekt-Mitarbeiter seien als Vermittler beim ersten Gespräch dabei, erklärt Tutorin Shila Monasterios. Lokale Studierende profitierten ja ebenfalls von einer Öffnung: Sie sammelten interkulturelle Erfahrungen ganz ohne aufwendige Reisen.

Viele Kommilitonen machten sich einfach keine Gedanken über die Lage internationaler Studierender, sagt Silke Wehmer. Dabei seien diese besonders angewiesen auf eine feste Adresse: Ohne die gebe es weder eine Aufenthaltserlaubnis noch ein Bankkonto oder eine Krankenversicherung. Dass sich die jungen Menschen weitab von ihrer Familie und in einer fremden Sprache selbst um eine kostengünstige Unterkunft kümmern müssen, sei für manche der Stolperstein, der sie ihr Studium ganz aufgeben lässt. In den meisten Ländern sei mit dem Studien- auch ein Wohnheimplatz verbunden.

Mit Hilfe ihres Tutors ergatterte Maryanne Oloo doch noch ein Zimmer. »Er hat mir erklärt, was die WG erwartet und warum die anderen so viel von mir wissen wollen«, berichtet die 24-Jährige aus Kenia. Die BWL-Studentin Vanessa Kenmegne Matche (21) aus Kamerun hat über das Projekt ein Zimmer in Reiskirchen gefunden – bei Heidi Port, die an andere Alleinstehende mit viel Platz im Haus appelliert, sich ebenfalls zu öffnen »für diese jungen Menschen, die es schon so weit gebracht haben und sich hier oft alleine fühlen«. Dass sie nun an Vanessa Kenmegne Matche und eine deutsche Studentin vermietet hat, »bereichert mein Leben. Man bekommt ein bisschen mit, was die Jugend bewegt.«

Das Projekt will laut Wehmer nicht nur im Einzelfall helfen, sondern auch grundsätzlich die Bereitschaft wecken, an Ausländer zu vermieten. Gestartet im Oktober, wird es im ersten Jahr vom hessischen Wissenschaftsministerium gefördert. Auch danach werde es sicherlich weitergeführt. Schließlich passe es ins Gesamtkonzept der THM zur internationalen Öffnung.

Sowohl WGs und andere Vermieter als auch internationale Studierende auf Zimmersuche können sich an das Team von »WG International Gießen« wenden – entweder per E-Mail an wg-international@admin.thm.de oder persönlich dienstags von 10 bis 14 Uhr beim THM-Auslandsreferat (Wiesenstraße 14, Gebäude A13 0.09).

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Artikel vom 23.01.2013 - 17.56 Uhr
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