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Studie rät: Gießen braucht mehr Mut zur Selbstironie

Artikel vom 03.08.2012 - 14.00 Uhr

Studie rät: Gießen braucht mehr Mut zur Selbstironie

Gießen (fd). Die Stadt ist hässlich, konservativ und langweilig. Zu diesem Schluss jedenfalls kann kommen, wer eine Studie überfliegt, die im Bereich der Wirtschaftswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität durchgeführt wurde. Verglichen wurde das Selbstbild Gießens mit seiner Außenwahrnehmung.

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Eine der fiktiven Plakatkampagnen setzt auf Selbstironie. (Fotos: pv)
Heraus kamen teils gravierende Diskrepanzen. Als Gegenmaßnahme fordern die Studenten sogar mehr Mut zur Selbstironie. Bei genauerer Betrachtung werden jedoch auch Potenziale sichtbar, die Gießen durchaus nutzen kann.

Schön war es nicht: Als »Aschenputtel unter Deutschlands Städten« musste sich Gießen beschimpfen lassen. In einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen war vor vier Jahren mit Blick auf das Stadtmarketing von einer »Lehrstunde, wie man es nicht macht«, die Rede. Vor diesem Hintergrund lässt die Studie, die unter Federführung von Nancy Wünderlich und Olga Spomer entstand, aufatmen: Ganz so wild ist es in Wahrheit nicht.

»Zur Erfassung des Selbstbildes der Stadt wurden unter anderem Experteninterviews mit Vertretern der Gießen Marketing GmbH und der BIDs geführt«, erklärt Spomer von den Wirtschaftswissenschaften. Heraus kamen unter anderem eine Reihe von Attributen, mit denen sich Gießen verbunden wissen möchte: Die Stadt will innovativ, lebendig, dynamisch und anders sein. Die entsprechenden Ergebnisse wurden der Außenwirkung gegenübergestellt, die sich aus qualitativen Interviews mit Studenten der Medizin und der Wirtschaftswissenschaften ergab. Deren Bild von der Stadt ist geteilt: Gießen gilt als Fahrradstadt mit schlechten Straßen und wenigen Parkplätzen, dafür aber vielen Radwegen. Gießen gilt als Einkaufsstadt, die kulturell zwar eher langweilig ist, mit dem Seltersweg jedoch ein Pfund zu bieten hat. Gießen gilt als Studentenstadt, in der entsprechende Angebote kaum kommuniziert werden, wobei sie durchaus attraktiv sind.

Obwohl auch Attribute wie uninteressant, fade und unscheinbar genannt wurden, interpretiert Herbert Martin von der Gießen Marketing GmbH die Ergebnisse der Studie eher positiv: »Wir haben großes Potenzial, mit dem wir wuchern können.« So wurden auch etwa die zentrale Lage, die schönen Kneipen oder die Nähe zur Natur gelobt. »Als weiterer wahrgenommener Nutzen der Stadt wurden auch das freundliche Klima, die Möglichkeiten zum Lernen im Freien, die Nähe vieler Einrichtungen und Wohnungen, die vielen schönen Ecken, auch wenn sie nicht sofort gefunden werden, und die Vorteile des Semestertickets genannt«, erläutert Olga Spomer die Ergebnisse der Studie. »Insbesondere die Studierenden der Medizin betonen, hier auf ein herausragendes Fächerangebot zu treffen, das nur an sehr wenigen deutschen Hochschulen vertreten sei.«

Mit diesen Reizen, so die Schlussfolgerung der an der Studie beteiligten Studenten, dürfe man nicht geizen. In fiktiven Plakatkampagnen spielten sie auch mit den vermeintlich negativen Seiten Gießens. Die Idee: Gießen hässlich, konservativ und langweilig? Wir beweisen das Gegenteil. Dem möchte sich auch Martin nicht verschließen: »Selbstironie gehört auch dazu, um Vorurteile, die viele noch mit sich herumtragen, zu entkräften.« Weiter heißt es bei der Gießen Marketing GmbH: »Die Ideen können nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Aber es sind gute Denkansätze dabei.« Interessant seien vor allem die Ansätze, sich vermehrt auf Facebook und Twitter zu präsentieren.

Musste sich die Stadt zwischenzeitlich als »Aschenputtel unter Deutschlands Städten« betiteln lassen, so darf die Frage aufgeworfen werden: Wem passte bei den Gebrüdern Grimm am Ende nochmal der Schuh?

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Artikel vom 03.08.2012 - 14.00 Uhr
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Leserkommentare
(08.08.2012 12:02)
Optimist
Peinlich überzogen
Also, ich weiss ja nicht so richtig was barthel so unter "Hasstiraden" versteht. Ein bisschen peinlich überzogen so ein Begriff, nur für eine Gegenmeinung - aber vielleicht sind klare Worte nur beliebt, wenn sie zur eigenen Meinung passen.
Ich weiss auch nicht so genau, was die Kommentare von Klickerklacker "entlarven" sollen - ausser Genervtsein über die Neverending Story Stadtplanung und Gartenschau und die Tatsache, dass scheinbar zwanghaft wirklich jedes Thema damit in Verbindung gebracht wird. Im Artikel ging es ja eigentlich erstmal um was anderes.
(08.08.2012 10:05)
barthel
Weiter so
Ganz schön entlarvend, so eine Hasstirade! Machen Sie nur weiter so!
(07.08.2012 20:10)
Klickerklacker
Und wieder die gleiche Leier
Ja, Frau Barthel, diese wiederkehrende Phrase wird auch langsam alt. Es gibt genug Argumente, aber da es ja offenbar hauptsächlich darum geht - und da Dankeschön für Ihr Eingeständnis - immer und überall das gleiche Genöle Marke "alles doof, böse Stadt" in redundanter Form wieder und wieder zu platzieren, wird die Gegenperspektive jetzt einfach mal nicht mehr ausgebreitet. Irgendwann ist auch mal Schluß.
(07.08.2012 10:21)
barthel
Eingeständnis
Wer keine Argumente hat, muß persönlich werden,. Danke für Ihr Eingeständnis.
(06.08.2012 15:43)
Klickerklacker
Wer hätte es gedacht!
Es wäre ja auch ein Riesenwunder gewesen, wenn hier nicht SOFORT die Gelegenheit genutzt worden wäre, das fortgeschrittene Stänkern gegen Stadtplanung im Allgemeinen und die LaGa im Besonderen zu praktizieren! Wie gut, dass es immer wieder Giessener Gertrauden gibt, die sich in allem auskennen und mit der Meinung auch nicht hinterm Berg halten. Unpraktizierte Selbstironie ist nicht das Problem dieser Stadt - es ist das praktizierte Nörgeln und unproduktive Beschweren. Hier KANN nichts passieren, weil Veränderung viel zu weh tut und der eigene Geschmack immer zur ultimativen Weisheit erklärt wird. So wird Aschenputtel nie einen Schuh finden, der passt.
(04.08.2012 17:42)
barthel
Selbstironie
Viele der Gießener, die es z. B durch ein Studium oder eine Stelle an der Uni nach Gießen verschlagen hatte,ging es ähnlich: Was für eine häßliche,reizlose Stadt, dachte man zuerst, um am Ende die Stadt doch zu mögen, ja geradezu liebzugewinnen, weil sie viele verborgene Qualitäten hat, die man erst kennenlernt, wenn man schon länger hier lebt. Das Schöne führt in Gießen ein Nischendasein, und diese Nischen muß man erst einmal finden.
Wenn man sich Gießen genau ansieht, bemerkt man, daß sich wie die
Jahresringe eines Baumes Phasen einer guten Stadtplanung und solche
einer schlechten Stadtplanung im Stadtbild abzeichnen.
Generell kann man sagen, daß Gießen, und vor allem das offizielle Gießen wie Menschen mit einem Minderwertigkeitskomplex unter einer gestörten
Selbstwahrnehmung leidet. Und deshalb neigt man dazu,was andere haben, unbedingt auch haben wollen, ohne sich zu fragen, ob das sinnvoll ist und zu unserer Stadt paßt- sei es eine viel zu große Mall oder eine
Landesgartenschau. Auch das protzige Rathaus ist typisch als Ausdruck eines überkompensierten Minderwertigkeitskomplexes.
Und was unseren Marktplatz angeht-schweigen wir lieber davon!
Immerhin, unser Wahrzeichen und seine Benennung zeugt schon von einem gewissen Maß an Selbstironie.
Und gerade durchleben wir eine besonders destruktive Phase der Stadtplanung , die den nächsten Generationen eine ganze Menge Selbst-
ironie abverlangen wird, wenn sie damit klarkommen wollen.
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