Sie sind hier: Startseite » Stadt » Hochschulen »

Streitgespräch zur Klinikum-Privatisierung

Artikel vom 02.08.2012 - 11.17 Uhr

Streitgespräch zur Klinikum-Privatisierung

Gießen (fd). Die Flitterwochen nach dem Zusammenschluss sind lange vorbei. Droht dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg nun das Scheitern? Diese Frage warf der Deutschlandfunk am Mittwoch in einer Livesendung aus Gießen auf.

oliklinikdisk_020812_4c_2
Lupe - Artikelbild vergrössern
Unter anderem sprachen Rüdiger Strehl, Martin Menger, Moderator Christian Floto, Eva Kühne-Hörmann und Prof. Hans Peter Howaldt (v. l.) über das Universitätsklinikum Gießen und Marburg. (Foto: Schepp)
Eva Kühne-Hörmann als Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst schloss in diesem Rahmen auch einen Rückkauf durch das Land nicht aus: »Wir halten uns alle Optionen offen.« Begleitet wurde die Diskussion von einer Protestaktion des Betriebsrats.

Das »helle, lichte, großzügige« Foyer, sagte Moderator Christian Floto zum Auftakt der Sendung, erinnere mehr an eine Hotellobby als an ein Klinikum. Nur die Stimmung im Haus passe nicht zum freundlichen Ambiente. Grund für die gespannte Situation am Universitätsklinikum sind zum einen die im Raum stehenden 40 Millionen Euro, die jährlich für Zinsen und Abschreibungen erwirtschaftet werden sollen, zum anderen der vermeintliche Gegensatz von Renditeforderung und Patientenwohl.

»Ich kenne auch keinen niedergelassenen Arzt, mit Verlaub, der für die Caritas arbeitet«, erklärte Martin Menger, Vorsitzender der Geschäftsführung des UKGM, dass sich Gewinn und Medizin nicht ausschließen müssten. Er sei der Überzeugung, dass auch Universitätskliniken einen Gewinn erwirtschaften könnten. Zuvor hatte der Deutschlandfunk die Hörer um ein Stimmungsbild rund um das Thema »Privatisierung von Universitätskliniken« gebeten. Der Grundtenor: Gesundheit dürfe nicht zur Ware werden. Kein einziger Hörer der Livesendung, der eine Rückmeldung auf die Umfrage gegeben hatte, befürwortete eine Privatisierung.

Relativierend sagte Rüdiger Strehl als Generalsekretär des Verbandes der Universitätsklinika: »Es gibt gute und schlechte Privatisierungen.« Im Fall des UKGM sei jedoch anzumerken: »Diese ist nicht gut genug.« Auch Prof. Hans Peter Howaldt, Direktor der Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am UKGM, erklärte mit Blick auf die fälligen Abschreibungen und Zinsen: »Wir glauben, dass wir mit einer seriösen Universitätsmedizin diese 40 Millionen Euro pro Jahr nicht erwirtschaften können.«

Kühne-Hörmann verteidigte die Entscheidung, auch wenn »nicht alles positiv« gelaufen sei. Mit Blick auf zuvor drei Universitätskliniken im Land erläuterte sie: »Wir hätten politisch entscheiden müssen, ob wir in Mittelhessen einen Standort schließen. Das wollten wir nicht.« Auch sei nicht alles schlecht am UKGM: So verwies die Wissenschaftsministerin etwa auf den aktuellen Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft, wonach das Haus bundesweit sogar den siebten Platz belegt und besonders viele Drittmittel einwerben kann.



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 02.08.2012 - 11.17 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang