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Staatssekretär bei Teilchenbeschleunigern

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Artikel vom 03.08.2012 - 17.00 Uhr

Staatssekretär bei Teilchenbeschleunigern

Gießen (kw). Die Sektkorken haben zwar nicht geknallt bei den Physikern der Justus-Liebig-Universität. »Ich hatte gerade Vorlesung«, berichtet Prof. Michael Düren über den Moment Anfang Juli, in dem er erfuhr, dass am Forschungszentrum CERN in Genf wahrscheinlich das Higgs-Boson nachgewiesen wurde.

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Die Physiker Prof. Michael Düren (2. v. r.) und Thomas Geßler (l.) erläuterten Staatssekretär Dr. Helge Braun (r.) und JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukerjee eines der Geräte für Teilchenbeschleuniger, an denen in Gießen gearbeitet wird. (Foto: Schepp)
Doch »alle waren hocherfreut«, berichteten er und seine Kollegen vom II. Physikalischen Institut am Donnerstagnachmittag. Sie können besonders gut nachvollziehen, welche Bedeutung der noch fehlende Baustein im Standardmodell der Teilchenphysik hat, denn Gießener Physiker sind an mehreren internationalen Großprojekten beteiligt, unter anderem am CERN. Was dort erforscht wird, erklärten sie nun Dr. Helge Braun, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, sowie JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee.

Nachdem das Ministerium kürzlich fünf Millionen Euro Fördermittel für die nächsten drei Jahre bewilligt hatte, wollte Braun sich die Hintergründe von den Experten vor Ort erklären lassen. Immer wieder werde er gefragt, was Grundlagenforschung »bringt«, berichtete der CDU-Politiker. Er sei überzeugt: »Wenn man die Gesamtzusammenhänge kennt, ergibt das ungeahnte Möglichkeiten.« Beispielsweise – so Prof. Kai-Thomas Brinkmann in der Begrüßung – gingen die Geräte, mit denen man Gelenkverletzungen dreidimensional darstellen kann, auf Technik zurück, die Physiker für Hochenergie-Experimente entwickelt haben. Prof. Wolfgang Kühn ergänzte: Auch ganz unabhängig von möglichen künftigen Anwendungen habe der Drang, »den Dingen auf den Grund zu gehen«, seine Berechtigung.

Lob für Fördersystem



Mukherjee sagte, dass im »kurzatmigen Drittmittelgeschäft« die Physik mit ihrem sehr langfristig angelegten Projekten »eine ganz andere Perspektive« einbringe. Die JLU sei gerade in so kostenintensiven Bereichen auf Förderung von außen angewiesen. Die funktioniere in Deutschland sehr viel besser als in vielen anderen europäischen Staaten, unterstrichen die Gastgeber.

An zwei Beispielen brachten sie den Gästen nahe, wie sie am Ursprung des Universums und dem Aufbau der Materie forschen. Am CERN werden mit Beschleunigern höchster Energie neue Teilchen erzeugt – darunter nun wohl auch das Boson, das der britische Physiker Peter Higgs vor fast 50 Jahren als mathematische Theorie erfunden habe, so Prof. Düren. Dies sei eine Meisterleistung des menschlichen Gehirns gewesen. Tausende von Physikern und Ingenieuren hätten nun ebenfalls Meisterliches erreicht mit Experimenten und gutem Forschungsmanagement. Die Gießener Wissenschaftler sind beteiligt am Teilprojekt ATLAS; ein Schwerpunkt ist die Bestimmung der Luminosität für die jetzt ausgewerteten Daten, die ein Maß für die Intensität der Proton-Proton-Kollisionen darstellt.

Auf hohe Intensität und die Erzeugung möglichst vieler gleichartiger Teilchen setzt dagegen ein Beschleuniger in Japan, den Dr. Sören Lange vorstellte. Mit dem Vorhaben BELLE II wollen Forscher aus 19 Ländern unter anderem herausfinden, warum es im Universum kaum noch Antimaterie gibt. Die Gießen arbeiten mit an der Entwicklung eines Silizium-Pixel-Detektors, der die Datenmassen nicht nur erfasst, sondern auch filtert. Einige Details zu den Geräten erklärte schließlich Thomas Geßler den Gästen.

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Artikel vom 03.08.2012 - 17.00 Uhr
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