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Zermürbungstaktik der 46ers geht auf

Artikel vom 15.03.2010 - 02.00 Uhr

Zermürbungstaktik der 46ers geht auf

»Das erste Viertel war grausam, das letzte super«! Die Analyse von Gießens Powerforward Joe Werner war treffend. Hatten die LTi Gießen 46ers in einem weiteren Abstiegskampf-»Schlüsselspiel« gegen die TBB Trier in den ersten zehn Minuten noch massive Schwierigkeiten, ihren Rhythmus im Angriff und Abwehr zu finden, steigerten sie sich mit zunehmender Spielzeit und erhöhten vor allem im finalen Duchgang die Intensität. Und letztlich ging die Zermürbungstaktik auf.
GEFÜHLSAUSBRUCH: Gießens Trainer Vladimir Bogojevic moniert eine Entscheidung und zeigt auf die Uhr, als seinem Empfinden nach C
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GEFÜHLSAUSBRUCH: Gießens Trainer Vladimir Bogojevic moniert eine Entscheidung und zeigt auf die Uhr, als seinem Empfinden nach Copelands Dreier bereits nach dem Ablauf der 24-Sekunden-Angriffsuhr vollzogen war. (Foto: Friedrich)
Die Moselstädter, die zu Beginn ein Höllentempo vorlegten und den Mittelhessen den Schneid abkauften, wirkten am Ende saft- und kraftlos gegen wie im Rausch agierende 46ers, die den Gegner in alle Einzelteile zerlegten und ihn mit einer 84:67-Klatsche nach Hause schickten. Ein sogenannter Big-Point für die Mannschaft von Vladimir Bogojevic, die sich damit erstmals Luft im Kampf um den Verbleib in der Basketball-Bundesliga verschaffte und mit 35 Punkten den 14. Platz einnimmt.

»Vladi« freute sich riesig über den Sieg. »Wir haben trotz schwieriger Phasen immer an das geglaubt, was wir vor dem Spiel verabredet hatten. Mit dem vierten Viertel sind wir dafür belohnt worden«, sprudelte es aus ihm nach der Adrenalin-Achterbahnfahrt vor 3420 Zuschauer in der Osthalle heraus. Dass der Umschwung nach dem ersten Kastastrophen-Viertel noch eingeläutet wurde, war für Bogojevic auch das Verdienst der Anhänger. »Unsere Fans haben uns auch in den allerschwierigsten Phasen hervorragend unterstützt«, bedankte sich der 33-Jährige für den Support, den er sich für diese wichtige Partie sehnlichst gewünscht hatte. Das abschließende Bad in der Menge, das seinen Höhepunkt mit dem schon eine Ewigkeit nicht mehr zelebrierten »Humba Täterä« hatte, genoss er nicht. »Das gehört denen, die auf dem Feld waren und das Trikot tragen«, nannte er einen Grund, warum er sich nach dem Triumph schnurstracks in Richtung Kabine verabschiedete. Eigentlich schade, denn damit hatte Bogojevic eine Chance vertan, in der Stunde des Sieges zusätzliche Nähe bei den Anhängern aufzubauen.

Die hatte er kurz vor dem Ende des dritten Durchgangs so richtig wachgerüttelt, als er sich nach einem Dreier von Christoph Copeland an der Seite fürchterlich aufregte und wie das legendäre HB-Männchen in die Luft ging. Nach seiner Ansicht war der Wurf des Trierers nach dem Ablauf der 24-Sekunden-Uhr vollzogen worden. Die Beschwerde fand aber beim Technischen Kommissar kein Gehör, sodass die Gäste 1:24 Minute vor dem Viertelende mit 54:50 in Führung lagen. Der Gefühlsausbruch von Bogojevic hatte seine Wirkung aber nicht verfehlt. Ab diesem Zeitpunkt standen die Fans wie eine Wand hinter der Mannschaft und pushten sie gnadenlos nach vorne.

Dagegenhalten, physisches Spiel und Kampf hatte Gießens Headcoach von seiner Mannschaft gefordert. Der Gegner sollte von Anfang an spüren, wer Herr in der »Osthölle« ist. Doch der Schuss ging gewaltig nach hinten los. Verunsichert, nicht aggressiv genug, viel zu weit weg in der Mann-Mann-Verteidigung und im Angriff harmlos - so präsentierten sich die 46ers, die den Trieren mit diesem stimmungstötenden Beginn in die Karten spielten. Die legten so vehement los, als ging es für sie um die Weltmeisterschaft. Nach dem 10:0-Lauf der Rheinland-Pfälzer hatte Bogojevic die Nase voll und haute mit einer Auszeit auf den Tisch. Der erneut kämpferische starke Werner beendete die 46ers-Korbflaute nach 3:13 Minuten, und der in diesem Abschnitt in der Offensive Akzente setzende Lorenzo Williams hielt mit seinen erfolgreichen Ziehern die Mittelhessen beim 10:22 im Spiel.

Mit Maurice Jeffers, Werner, Kevin Johnson, Williams und Osvaldo Jeanty wurde im zweiten Durchgang die Aufholjagd gestartet. Die kurzzeitig eingestreute 2-3-Zone der Gießener fruchtete. Der Gastgeber kämpfte sich Punkt für Punkt heran und legte Mitte des Abschnitts innerhalb von knapp drei Minuten einen 11:0-Lauf zur ersten Führung (33:31, Johnson im Nachsetzen) aufs Parkett. Trier konterte (Dreier Gillingham) aber und ging mit dem 37:34 in die Pause.



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