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Wiedergutmachung als Tageslosung

Artikel vom 27.03.2009 - 10.07 Uhr

Wiedergutmachung als Tageslosung

(mv) Viel Zeit zum Nachdenken gibt es derzeit nicht für die LTi Gießen 46ers. Bereits morgen Abend (20 Uhr, Osthalle), und damit nur drei Tage nach der herben 71:93-Niederlage bei MEG Göttingen, muss das Basketball-Bundesliga-Team von Headcoach Vladimir Bogojevic im Heimspiel gegen EnBW Ludwigsburg antreten. Nicht nur der Ausfall von Powerforward Corey Rouse, der sich am Mittwoch in Göttingen am Knöchel verletzte, sondern auch mehr als 300 mitreisende Fans aus der Barockstadt werden die Aufgabe für die akut abstiegsbedrohten Gießener nicht einfacher machen.
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DA GEHT ES LANG: Gießens Headcoach Vladimir Bogojevic gibt für den Samstagabend die Richtung vor - gegen EnBW Ludwigsburg muss für die abstiegsbedrohten 46ers unbedingt ein Heimsieg in der Osthalle her. Auf seinen Powerforward Corey Rouse (l.) kann er dabei nicht zurückgreifen, der 25-Jährige fällt mit einer Sprunggelenksverletzung aus. (Foto: Mediashots)
Die hohe Zahl der Auswärtsanhänger ist eine der Spätfolgen des Nichtantritts der Gießener im Hinspiel. Im Oktober waren die 46ers von einer Autobahnvollsperrung kalt erwischt worden und kamen nicht rechtzeitig zum Spielbeginn in der Ludwigsburger Rundsporthalle an. Neben der Sternchenwertung, die den Gießenern derzeit im Abstiegskampf als hohe Bürde aufliegt, mussten sich die finanziell klammen Mittelhessen und die Schwaben noch auf eine Entschädigung für die Fans der Ludwigsburger einigen. Als Wiedergutmachung wurde den Dauerkartenbesitzern angeboten, auf Kosten der Gießener ihr Team in der Osthalle unterstützen zu dürfen.

Als Reaktion darauf rufen die 46ers auch am Samstag ihre Fans wieder dazu auf, in roter oder weißer Kleidung zu erscheinen. »Je näher das Saisonende rückt, umso wichtiger werden die Fans für uns«, hofft Bogojevic auf den Heimfaktor. Auch die Knicklichter, die beim letzten Heimspiel verteilt worden waren, sollen wieder zum Einsatz kommen. Nach einer Nacht im Gefrierfach sollen die Leuchtstäbe wieder benutzbar sein. »Ich weiß, dass das Gießener Publikum darunter leidet, immer wieder um seine Unterstützung gebeten zu werden, aber wir brauchen die Hilfe unserer Fans mehr denn je«, macht Bogojevic eindringlich klar, dass der sechste Mann für ihn eine wichtige Ergänzung seiner Startingfive darstellt.

Die Möglichkeiten, diese zu befüllen, schwinden allerdings ebenfalls dramatisch. Nachdem Flügelspieler Maurice Jeffers mit einem Handbruch bereits bis Saisonende ausfallen wird, droht Powerforward Corey Rouse dasselbe Schicksal zu ereilen. Sieben Sekunden vor Schluss, als die Partie am Mittwoch in Göttingen bereits entschieden war, landete der sprunggewaltige Amerikaner beim Rebound auf dem Fuß seines Gegenspielers und musste mit Tränen in den Augen vom Feld geführt werden. Ein Arzttermin am gestrigen Donnerstag brachte jedoch auch noch keinen endgültigen Aufschluss über die Schwere der Verletzung. Dies teilte Geschäftsführer Christoph Syring mit. »Am Samstag wird er aber definitiv nicht spielen«, erklärte Syring weiter. Bei Rouse wird sich also erst in den nächsten Tagen zeigen, wie schwerwiegend die Verletzung tatsächlich ist.

Damit verlieren die 46ers bereits ihren zweiten Spieler aus der ersten Fünf binnen nur zweieinhalb Wochen, vor allem aber verlieren sie ihren besten Spieler unter dem Korb - ohnehin die Achillesferse des Gießener Spiels.

Keine guten Aussichten für den Traditionsverein von der Lahn, der bereits in Göttingen zeitweise vorgeführt wurde und weiterhin gegen den ersten Abstieg aus der Bundesliga kämpft. Denn die auf Playoff-Kurs steuernden Schwaben treten vor allem unter dem Korb mit viel Qualität an: Bogojevic spricht von einer »tief besetzten Mannschaft«, die mit viel »Physis unter dem Korb« agiert. Unter der Ägide von Rick Stafford, von 2000 bis 2002 als Spieler in Diensten des Gießener Erstligisten, konzentrieren sich die Ludwigsburger auf die Verteidigung: Knapp 73 Punkte gesteht die EnBW ihren Gegnern im Schnitt zu. »Es wird ein hartes Stück Arbeit für uns, so wie jedes Spiel«, weiß der 32-Jährige. »Es ist wichtig für uns, unsere Sache gut zu machen.«

Wiedergutmachung ist allerdings nicht nur bei den Ludwigburgern angesagt, auch bei den Gießener Fans müssen sich die Spieler nach zuletzt drei Niederlagen wieder neuen Kredit erspielen.

Zwar spricht Bogojevic auch vor dem morgigen Spiel davon, »vorbereitet« zu sein, ob seine Spieler das im Spiel umsetzen können, steht noch in den Sternen. Gegen die aggressive Pressverteidigung der Göttinger, in der Bundesliga bekannt und gefürchtet, ließen sich die Aufbauspieler Heiko Schaffartzik und Ricky Hickman immer wieder von zwei Gegenspielern in die Ecke drängen und zu Ballverlusten zwingen. Auch das Defensivverhalten der Youngster Johannes Lischka und Jannik Freese ließ oftmals noch zu wünschen übrig. Nach den Ausfällen von Jeffers und Rouse müssen aber genau diese beiden in den kommenden Wochen, welche die vielleicht wichtigsten Wochen in der Gießener Bundesligageschichte darstellen, mehr Verantwortung übernehmen. Der Raum für Fehler ist dabei allerdings eng. Besonders Lischka, der von Bundestrainer Dirk Bauermann immer wieder als Kandidat für die Nationalmannschaft genannt wird, muss zeigen, dass er nicht nur offensiv glänzen kann, sondern ein kompletter Spieler ist.

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Artikel vom 27.03.2009 - 10.07 Uhr
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