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TVM leistet sich ein Fehlerfestival

Artikel vom 16.11.2009 - 10.00 Uhr

TVM leistet sich ein Fehlerfestival

Als Dr. Jürgen Gerlach im vollgepackten VIP-Raum für sein Fehlen entschuldigt wurde, machten laute »Buh-Rufe« die Runde. »Feigling«, schrie sogar ein Fan, der nur allzu gerne ein Statement des »Frauenhandball-Gurus«, wie der »Doc« in der Bad-Wildunger Sporthalle der Enseschule angekündigt wurde, gehört hätte. Doch das Fernbleiben des Trainers des Zweitligsten TV 05 Mainzlar hatte nichts mit der ernüchternden 30:36 (10:14)-Niederlage bei einer starken HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim zu tun.
Nein, nachdem Linksaußenspielerin Sophia Bepler in der Anfangsphase einer durchweg einseitigen Begegnung mit dem Kopf auf den harten Hallenboden geknallt war, musste sie später aufgrund von Sehstörungen möglichst schnell zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Beplers Unfall war nicht das einzige Missgeschick am Samstagabend, der den mitgereisten TVM-Fans einmal mehr vor Augen hielt, wie weit die Spitzengruppe der 2. Liga tatsächlich entfernt ist. Die Staufenbergerinnen übertrumpften sich selbst mit Flüchtigkeitsfehlern und spielerischen Unzulänglichkeiten, die in dieser Fülle eher Seltenheitswert haben. In der vorentscheidenden Anfangsphase taumelte Mainzlar nervös in die Niederlage. Nach sechs Minuten warf Nina Hess einen Siebenmeter ohne Kraft und Präzision aufs Tor der bärenstarken Danja Lersch, die kaum Mühe hatte, das »Würfchen« zu entschärfen. 3:0 führte die HSG zu diesem Zeitpunkt vor 800 Fans, ohne geglänzt zu haben. Denn nicht nur Hess versagte vom Siebenmeterpunkt. Zuvor ließ Ruta Latakaite (Teammanager Mario Schrödel: »Bei ihr muss mehr kommen«) eine gute Chance aus, und Desiree Euler brachte gar das Kunststück fertig, die Kugel neben das Tor zu setzen.

»Wir waren langsam und nervös. So kann man hier nicht gewinnen. Das war ganz schwach. Zudem haben wir ständig unsere Taktik geändert. Die Idee von Jürgen war gut, doch wir haben es schlecht umgesetzt«, kritisierte Mainzlars Außenspielerin Andrijana Atanasoska, die selbst gehemmt wirkte. Wie viele ihrer Mitstreiterinnen plagte sich die Mazedonierin in der vergangenen Trainingswoche mit einem grippalen Infekt herum. Die Nachwirkungen waren deutlich spürbar - sofern die Konzentrationsmängel im Aufbauspiel mit gesundheitlichen Aspekten begründbar sind. Mainzlar versuchte der individuellen Klasse der Gastgeberinnen, die mit Christina Mihai und Vilte Duknauskaite eine enorme Schlagkraft im Rückraum besitzen, beizukommen. Doch Bad Wildungen schaffte es, die Deckung häufig zu narren, und den TVM durch ein cleveres und schnelles Rückzugsverhalten in den Positionsangriff zu zwingen. Gegen die groß gewachsenen Nordhessinnen hatten die kleinen Mainzlarerinnen kaum eine Chance.

»Wir haben sehr gut gearbeitet. Es war härter als es aussah, denn Mainzlar hat nicht aufgesteckt und alles versucht«, meinte Miranda Robben. Die Großcousine von Bayern Münchens Fußballer Arijen Robben brachte es mit dieser Aussage auf den Punkt: Viel probiert und nichts erreicht. Nur als Hess in der zwölften Minute mit einem präzisen Wurf auf 4:5 verkürzte, waren die Gerlach-Schützlinge dran. Ein Doppelpack von Sabine Kirmse kurz vor der Pause sorgte für die Bad Wildunger 14:9-Führung. »In der ersten Halbzeit war es sehr dünn von uns. Vor allem hat sich wieder einmal bemerkbar gemacht, dass wir ein Problem im Tor haben«, sagte Schrödel später. Denn während Lersch bei der HSG 20 Paraden glückten, war Gainskyte mit sechs gehaltenen Bällen schwach. Andrijana Atanasoska gelang drei Minuten nach dem Wechsel zwar das 13:15 - doch die HSG fand schnell die passende Antwort und zog durch Mihai und Horn auf 15:10 (39.) davon. Das Spiel war gelaufen. Schrödel machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: »Wir haben bei einer Mannschaft verloren, die nicht überragend war. Das hat mit dem Kopf zu tun. Auch wir als Sportliche Leitung müssen uns hinterfragen. Vielleicht erwarten wir zu viel. Jedenfalls wirkt das Team überfordert.« Nach dem Ende stand Mainzlars Torhüterin Ann-Cathrin Giegerich, die schuldlos an der Niederlage war, weinend in der Halle. Drei Niederlagen in Serie haben Spuren hinterlassen. Nur gut, dass sich Bepler »nur« eine Gehirnerschütterung zugezogen hat. »Unsere Befürchtungen haben sich zum Glück nicht bestätig«, hatte Schrödel am späten Samstagabend wenigstens einen Grund zur Freude.

HSG Bad Wildungen/F./B.: Lersch, Keim; Kleimann (3), Heusdens (6), Kirmse (7), Pollmer (1), Mühlhausen, Lorenz, Horn (4), Duknauskaite (3), Mayfath, Josefiak (2), Mihai (6/2), Robben (4).

TV 05 Mainzlar: Gainskyte, Giegerich; Latakaite (4), Müller (1), Andrijana Atanasoska (6/2), Matilda Atanasoka (1/1), Hess (5), Bepler (7), Budecevic, Wagner, Euler (2), Schmitt (4).

Im Stenogramm: SR: Daßler/Günther (Zwönitz). - Zuschauer: 800. - Zeitstrafen: 2:0 Minuten. - Siebenmeter: 2/2:7/3. Jan M. Strasheim

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Artikel vom 16.11.2009 - 10.00 Uhr
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