(gae/nob) »Es fühlt sich großartig an!« Headcoach Vladimir Bogojevic kann stolz auf den ersten Auswärtserfolg in der laufenden BBL-Saison sein. Die LTi Gießen 46ers setzten sich am Mittwoch bei den favorisierten New Yorker Phantoms Braunschweig durch. Aber zurücklehnen ist für den mittelhessischen Basketball-Erstligisten nicht drin. Schon am Samstag (20 Uhr, Osthalle) wartet mit ratiopharm Ulm der nächste Brocken auf die Bogojevic-Truppe - zudem sorgt die Personalie Austen Rowland weiterhin für Unruhe.
FESTGEDRIBBELT: Der Fall Rowland sorgt vor der Partie der LTi Gießen 46ers gegen ratiopharm Ulm für enormen Zündstoff. (Mediashots)
(gae/nob) »Es fühlt sich großartig an!« Headcoach Vladimir Bogojevic kann - und ist es auch sicher (ohne dass er es zugeben würde) - ein wenig stolz auf den ersten Auswärtserfolg in der laufenden BBL-Saison sein. Nach einem ständigen Auf und Ab behielten die LTi Gießen 46ers am Mittwochabend in der hektischen Schlussphase kühlen Kopf und setzten sich bei den favorisierten New Yorker Phantoms Braunschweig nach Verlängerung mit 96:93 durch. Aber zurücklehnen ist für den mittelhessischen Basketball-Erstligisten nicht drin. Schon am Samstag (20 Uhr, Osthalle) wartet mit ratiopharm Ulm der nächste Brocken auf die Bogojevic-Truppe - zudem sorgt die Personalie Austen Rowland weiterhin für Unruhe.
Der 1,86 m große Guard, der nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Spielmacher Lorenzo Williams bei den 46ers erst einen Sechs-Wochen-Vertrag erhielt und später eine Verlängerung um einen weiteren Monat, machte Anfang der Woche von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch und schloss sich überraschend den Ulmern an. Allerdings wird Rowland am Samstag in der Osthalle in Zivil auf der Bank Platz nehmen müssen. Denn für den Spielmacher liegt bislang keine Freigabe von den Mittelhessen vor - eine Tatsache, die Ulms Manager Thomas Stoll über ein »unsportliches Verhalten« klagen lässt. 46ers-Geschäftsführer Christoph Syring reagiert darauf mit Unverständnis: »Es ist schon verwunderlich, dass uns das von denjenigen vorgeworfen wird, die die Unfairness an den Tag gelegt haben, einen unserer Schlüsselspieler nachts um 1.30 Uhr vor einem für uns richtungweisenden Spiel und acht Tage vor dem Abstiegsduell gegen Ulm anzusprechen und zu einem möglichen Klubwechsel zu animieren«, sagte er. Zudem monierte der Geschäftsführer, dass der Spieler, der zwar einen Vertrag mit Ausstiegsklausel besessen hatte, welcher aber mit einem sogenannten »Matching Right« versehen war, durch das die 46ers das Recht hatten, ein von der Konkurrenz abgegebenes Angebot ausgleichen zu können, von Ulm direkt angesprochen und nicht erst der Kontakt zum Verein gesucht worden war. Auch Bogojevic bezeichnete den Vorgang als »nicht die feine englische Art.« Eine Woche Zeit bleibt einem Verein laut BBL-Statuten, um eine Freigabe zu erteilen. Da der Vertrag laut Syring erst am Montag eingegangen ist, ist das Vorgehen der 46ers nicht regelwidrig. Ein Versuch Ulms, in einem beschleunigten Verfahren eine einstweilige Verfügung zu beantragen, war gestern bereits vom BBL-Schiedsgericht zurückgewiesen worden.
Trotz der Unruhe hinter den Kulissen: Die 46ers können mit breiter Brust in die Begegnung gehen, immerhin haben sie in den letzten sechs Partien viermal als Sieger das Feld verlassen. Johannes Lischka brachte die momentane Verfassung des Teams am späten Mittwochabend auf den Punkt: »Der Sieg wird uns weiteres Selbstvertrauen geben.« Und das ist nicht nur im Basketball von enormer Bedeutung. Zudem zeigt die Formkurve der Gießener deutlich nach oben. »Wir präsentieren uns ordentlich«, sagte Bogojevic, fügte aber an: »Wir sind noch weit davon entfernt, dass wir aus dem Vollen schöpfen können.« Soll heißen: Da ist noch eine Menge Potenzial vorhanden. Davon sollten die David Teague und Co. gegen die Donaustädter einiges abrufen.
Bogojevics Gegenüber, Mike Taylor, ist ein Verfechter von harter, intensiver Defense gepaart mit schnellem Umschalten auf Angriff. Nach diesen Parametern hat er auch seine Mannschaft zusammengestellt. Der flinke Per Günther, den die 46ers im Vorfeld der Saison im Visier hatten, ist zusammen mit Kevin Kanaskie für den Aufbau verantwortlich. Neben Günther hat Taylor mit Robin Benzing einen weiteren deutschen talentierten Nationalspieler in seiner Startformation. Der Ex-Langener hat sich großartig entwickelt und steht seit Neuestem unter permanenter Beobachtung einiger NBA-Scouts. Für viel Power auf dem Feld sorgt zudem Christian Burns, der sich für einen 2,03-m-Mann glänzend bewegen kann. An seiner Seite stand zuletzt im Frontcourt John Bryant. Etatmäßiger Center ist aber der 2,06-m-Hüne Colemann Collins. Auf der Position des Shootingguards wechseln sich Roderick Trice und Lee Humphrey ab - zwei athletische Spieler, die von außen werfen können, aber auch den nötigen Zug zum Korb haben.
»Wir müssen sehr aggressiv sein, einfache Punkte und den Fastbreak verhindern sowie physisch dagegenhalten«, gibt Bogojevic vor. Inwieweit Stevan Tapuskovic nach seiner abklingenden Grippe im Vollbesitz seiner Kräfte sein wird, ist noch fraglich. Bogojevic glaubt aber, ihn einsetzen zu können. Ansonsten hat der 33-Jährige keine personellen Probleme, würde sich aber über eine volle Halle freuen: »Wir haben dreimal in Folge zu Hause gewonnen, kommen mit einem Auswärtssieg zurück. Die 46ers kann man sich wirklich ansehen. Mein Wunsch ist es immer, dass die Zuschauer so zu uns stehen wie gegen Artland und Oldenburg, damit wir gemeinsam das Ziel erreichen.«
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