Am Donnerstagvormittag hat die Führung der HSG Wetzlar entschieden, sich bis zur bedeutsamen Bundesliga-Partie am Samstag gegen Schlusslicht GWD Minden (20.15 Uhr / Rittal-Arena) nicht mehr zu den personellen und schlagzeilenträchtigen Vorgängen der letzten Wochen zu äußern. Erst am kommenden Dienstag wollen Aufsichtsrat und Geschäftsführung offiziell Stellung zur Personalie Michael Allendorf, zur aktuellen finanziellen Situation, zu Umstrukturierungen auf der Führungsebene und zum erstellten wirtschaftlichen Konsolidierungsplan nehmen.
WENN NICHT JETZT, WANN DANN? Avishay Smoler und die HSG Wetzlar haben gleich zum Bundesliga-Heimauftakt im neuen Jahr das wegweisende Duell gegen Schlusslicht GWD Minden vor der Brust. (Foto: Vogler)
»Wenn Minden verliert, werden sie absteigen«, bringt der Sportliche Leiter Rainer Dotzauer bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seinem im November erlittenen Schlaganfall die Bedeutung der 60 Minuten gleich auf den Punkt, »wir wissen, was für Minden, aber auch für uns auf dem Spiel steht.«
Trotz nur 5:35 Punkten haben die Ostwestfalen, die in dieser Woche den schwedischen Trainer Ulf Schefvert als Nachfolger von Richard Ratka unter Vertrag genommen haben, noch immer die Hoffnung, zumindest Relegationsplatz 16 zu erreichen. Dort verfügt TSV Dormagen aktuell über 10:30 Zähler. Ein keineswegs aussichtsloses Unterfangen bei 14 noch ausstehenden Partien. Mit einem Erfolg im Mittelhessischen könnte der Traditionsklub, der in den 70er Jahren zweimal Deutscher Meister und dreimal DHB-Pokalsieger war, ein ähnliches Zeichen im Abstiegskampf setzen wie zum Jahresende 2009 der TSV Dormagen mit seinem 26:25-Erfolg bei der HSG.
Die Gründe für die sportlichen Probleme der Mindener im Oberhaus sieht Wetzlars Trainer Michael Roth, der in dieser Woche seinen 48. Geburtstag feieerte, in der eklatanten Abschlussschwäche mit nur 24 Treffern pro Partie. Zugleich hat das Team von der individuellen Besetzung für Roth aber »das Zeug, die Liga zu halten«. Der Wetzlarer Trainer ergänzt: »Minden ist kein typischer Tabellenletzter. Die haben vier Spiele nur mit einem Tor verloren.«
Zusammengefasst, haben die Dankerser erstens die Abgänge von gleich vier Aktivposten (Malik Besirevic, Jan Fiete Buschmann, Michael Haaß, Michael Hegemann) nicht kompensieren können und müssen zweitens nun auch noch das Handicap der verletzungsbedingten Ausfälle von Damian Wleklak und Evars Klesniks verkraften. Gerade auf den polnischen und lettischen Rückraumschützen ruhten große Hoffnungen.
Bei der HSG Wetzlar, die im vergangenen November noch weit vom Abstiegskampf entfernt schien, sind laut Aussage von Trainer Michael Roth alle Akteure topfit. »Wir haben uns in der EM-Pause, die für uns bitter notwendig war, wieder jene Selbstverständlichkeit erarbeitet, die uns nach dem November abhanden gekommen war.« Auch der HSG-Trainer bringt die Bedeutung der Partie ins Spiel: »Am Samstag wird sich zeigen, wohin die Reise für uns in den nächsten Wochen geht.« Primärziel ist es nun wieder, punktemäßig den Abstand zu Rang 16 zu vergrößern, nicht mehr Platz zwölf.
Drei Teams sind noch in den Abstiegskampf der Handball-Bundesliga verstrickt: HSG Wetzlar, TV 05/07 Hüttenberg, Bergischer HC. Wer schafft den Klassenerhalt?