»Wir hatten vor Raivios Dreier noch ein Mannschaftsfoul übrig. In der Auszeit zuvor habe ich das Team noch daran erinnert«, ärgerte sich Vladimir Bogojevic noch lange nach Spielende darüber, dass seine Spieler den Trierer Derek Raivio vor seinem vielleicht spielentscheidenden Distanzwurf kurz vor dem Ende nicht gefoult hatten. Überhaupt waren es am vergangenen Samstagabend nach der 83:87 (42:45)-Niederlage der LTi Gießen 46ers bei TBB Trier in erster Linie Kleinigkeiten, über die sich der Headcoach der Mittelhessen ärgerte.
ANGEFLOGEN kommt Gießens Topscorer David Teague, der bei der 83:87-Niederlage der 46ers in Trier gegen Christopher Copeland ablegt, seine Teamkollegen Martin Kohlmaier (l.) und Kevin Johnson beobachten die Aktion. (Foto: Schwarz)
Denn im Großen und Ganzen hatten seine Akteure vor allem offensiv eine gute Leistung gezeigt, die aber am Ende nicht zum ersten Auswärtssieg in der laufenden Saison der Basketball-Bundesliga reichte.
Zum einen waren da die neun Ballverluste, die sich die Bogojevic-Truppe nach dem Seitenwechsel leistete, nachdem in den ersten 20 Spielminuten nur ein einziges Mal der Ball nach einem Fehler aus den Gießener in die Trierer Reihen gewechselt war. »Wenn man sich die Spielzeiten der Jungs ansieht, gab es nicht die Verschnaufpausen, die ich mir gewünscht hätte. Vor allem unsere Guardrotation war dünn«, so Bogojevic, der einmal mehr den jungen serbischen Aufbauspieler Viktor Jacovic aus dem Kader strich, damit die 46ers nicht über die erlaubte Anzahl von Ausländern auf dem Spielberichtsbogen kamen. »Dazu kam dann am Ende vielleicht auch von einigen ein zu großer Wunsch, dem Spiel die entscheidende Wendung zu geben, als es noch nicht so weit war.« Die Gießener Fans werden sich an einen Pass von Lorenzo Williams im Fastbreak 18 Sekunden vor Schluss erinnern, bei dem der US-Amerikaner mit einem langen Ball versuchte, Center Jannik Freese in Szene zu setzen, am Ende das Leder aber ins Aus segelte und die Chance zunichte machte, den Rückstand wieder auf zwei Punkte zu verkürzen.
Zum anderen war da Triers Christopher Copeland. Der Powerforward war der dominierende Mann aufseiten der Gastgeber, erzielte 28 Punkte bei einer hervorragenden Wurfquote von 75 Prozent aus dem Feld (zwölf der 16 Würfe fanden das Ziel) und war darüber hinaus mit fünf Assists noch bester Vorlagengeber seines Teams. »Wir haben Copeland nicht unter Kontrolle bekommen«, gibt auch Bogojevic freimütig zu. Vor allem im zweiten Viertel war der 25-Jährige nicht zu stoppen, als er 14 Zähler - in Folge! - markierte und die Trierer so im Spiel hielt. Vielleicht der schmerzhafteste Wurf des Abends kam aber mit 81 Sekunden Restspielzeit, als der 2,03-Meter-Mann einen Dreier über den ausgestreckten Arm von 46ers-Powerforward Kevin Johnson segeln ließ, der den Hausherren einen Fünf-Punkte-Vorsprung verschaffte und der mit Raivios Distanztreffer um den Titel der »Spielentscheidenden Aktion« kämpft.
Ebenfalls nicht gutgetan haben den 46ers die schnellen Fouls, die Martin Kohlmaier und Joe Werner angehängt bekommen haben. In zusammengenommen etwas mehr als 18 Minuten Spielzeit wurden zehnmal Aktionen der beiden Innenspieler von den Referees als nicht regelgerecht abgepfiffen. Wenngleich auch mit Sicherheit einige Fouls dabei waren, so stellte sich bei beiden Akteuren auch jeweils zwei- oder dreimal die Frage, welche Regelüberschreitung die Schiedsrichter bei ihren Pfiffen gesehen haben wollten. Ärgerlich vor allem das vierte Foul von Werner kurz vor der Halbzeit: Kurz zuvor eingewechselt, um den heißgelaufenen Copeland zu stören, pfiffen die Unparteiischen dem Gießener Powerforward, der anstelle des 2,17 m großen Österreichers Kohlmaier in der Startaufstellung stand, einen leichten Körperkontakt ab und verwiesen ihn so umgehend wieder auf die Bank.
Zu den positiven Aspekten, die Bogojevic in der Partie gesehen hatte, gehörte wohl auch das Spiel von Kevin Johnson: Der Zwei-Meter-Hüne trug sich mit 19 Punkten in die Statistik ein und fischte darüber hinaus noch 13 Abpraller von den Brettern. Einzig die Verteidigung gegen Copeland trübte zeitweise das Gesamtbild, war aber insgesamt noch ordentlich. Auch Lorenzo Williams, der in der vergangenen Woche gegen Paderborn sein Comeback nach einigen Wochen verletzungsbedingter Pause gab, stellte unter Beweis, dass er schon fast wieder auf seinem alten Niveau agieren konnte. 15 Punkte und vier direkte Korbvorlagen gingen auf das Konto des Spielmachers, der mehrfach unter Beweis stellte, dass er der schnellste Spieler auf dem Parkett der Arena Trier war. Vor allem im zweiten Viertel konnte er immer wieder Schwächen in der Pick-and-Roll-Verteidigung der Trierer ausnutzen und kam zu leichten Punkten durch Korbleger.
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