(fjd) Mit dem 7:1 über Schlusslicht Turm Bad Hersfeld wurde Vorjahresvizemeister SC Bad Nauheim seiner Favoritenstellung eindrucksvoll gerecht und setzte sich am zweiten Spieltag an die Spitze der Schach-Verbandsliga Nord. Weiterhin verlustpunktfrei ist auch Caissa Kassel, das gegen die stark ersatzgeschwächte zweite Mannschaft des SK 1858 Gießen knapp mit 4,5:3,5 die Oberhand behielt. Für Gießen II deutet sich bei aktuell 1:3 Punkten eine schwierige Saison an, steht man doch am nächsten Spieltag gegen Bad Nauheim vor einer vermutlich unlösbaren Aufgabe.
Peter Rudolph holte gegen Kassels Wintefeld zwar einen vollen Punkt, aber unter dem Strich hatten seine Gießener knapp das Nachsehen. (Friedrich)
Caissa Kassel - SK 1858 Gießen II 4,5:3,5: Wie sich die Bilder gleichen: In der Vorsaison fuhren die Gießener mit einem Ersatzspieler aus der vierten Mannschaft zu Caissa Kassel, verlor ebenso unglücklich wie überflüssig 3,5:4,5. Wieder null Punkte also gegen einen Kontrahenten, den man in Bestbesetzung vermutlich problemlos bezwungen hätte.
Einziger Unterschied: Anstelle von Norman Ulbrich wurde diesmal Udo Schwierkott am achten Brett »verheizt«. Gegen den 504 DWZ-Punkte stärkeren Steffen Reichmann stand der Gießener Bezirksklassen-Spitzenbrettspieler bereits nach dem 18. Zug im a3-Sizilianer (1. e4 c5 2. a3 usw.) vor der Alternative Matt oder Damenverlust.
Eine weitere Parallele zur Vorsaison war, dass der an jedem anderen Ort stets zuverlässig punktende Thomas Sunder erneut zur tragischen Figur wurde. Hatte er im Frühjahr gegen Davor Maric eine Remisstellung mit aller Gewalt überzogen, stand er diesmal mit Schwarz gegen Karl-Heinz Schnegelsberg angesichts von Mehrqualität und starkem Freibauer sogar glatt auf Gewinn. Kurz vor dem 40. Zug entschied sich Gießens Routinier bei gegnerischer Zeitnot für ein Rückopfer der Qualität in der irrigen Annahme, der bereits auf die zweite Reihe vorgeschobene Freibauer käme dadurch zur Umwandlung. Fatalerweise konnte Schnegelsberg durch einen Zwischenzug neben der Qualität auch noch den schwarzen Freibauern einkassieren, wodurch das entstandene Endspiel für Sunder nicht mehr zu halten war.
Das Gießener Malheur mit den schwarzen Steinen komplettierten Klaus Henzelmann und Walter Heil. Erstgenannter verlor in der Englischen Partie (1. c4 e5 usw.) bereits nach 15 Zügen einen Offizier, als der Freibauer von Widerpart Markus Kurth mit dem feuchtfröhlichen Vormarsch d4-d5-d6-d7 nacheinander alle schwarzen Leichtfiguren aufspießte. Walter Heil erreichte aus der königsindischen Verteidigung heraus ein annähernd ausgeglichenes Endspiel mit beiderseits Dame und Läufer, ehe der Verlust des rückständigen e6-Bauern alle Remishoffnungen zunichte machte.
Neben viel Schatten gab es aber auch Licht im Tunnel, insbesondere am Spitzenbrett. Der elfjährige Alexander Donchenko spielte einen soliden Katalanen (Sf3 nebst g3 und d2-d4), was Kassels Markus Eckard dazu animierte, seinen ohnehin schon skurrilen »Nilpferd-Aufbau« (Doppelfianchetto mit Springerstellung auf d7 und e7) zusätzlich noch mit einem Figurenopfer zu würzen. Der erhoffte Mattangriff blieb jedoch aus. Nachdem Gießens Jungstar die lange Diagonale b7-g2 mit Td5 verstopft und seinen Monarchen mit Kh1-g1-f1 aus der Gefahrenzone evakuiert hatte, war das mächtige Flusspferd in den Fluten des Nils ertrunken.
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