(lad) Die ersten 20 Minuten roch es beim Licher Premium Cup in der Osthalle Gießen nach einer Sensation: Gegen den favorisierten FC Barcelona lagen die LTi Gießen 46ers nur 43:48 hinten und führten zeitweise sogar. Doch danach drehten die Katalanen um ihren Star Juan Carlos Navarro auf und gewannen letzten Endes verdient mit 91:69. Im heutigen Finale (16 Uhr) trifft Barça nun auf Cibona Zagreb, das mit 87:80 (45:41) gegen Banvit BC aus der Türkei gewann.
Der Rückkehrer Heiko Schaffartzik führte sein Team von den großen Namen der Gegner unbeeindruckt an. (Sinkel)
Die Premiere des 1. Licher Premium Cups war trotz der klaren Niederlage der LTi Gießen 46ers äußerst gelungen. Hatte zunächst die bis kurz vor Schluss spannende Begegnung Cibona Zagreb gegen Banvit BC bereits gut unterhalten, sorgten die 46ers gegen das spanische Topteam für Begeisterung unter den 3200 Basketball-Freunden - zumindest bis zum dritten Viertel. Vor dem Finale Zagreb gegen Barcelona trifft Gießen im Spiel um Platz drei (13.30 Uhr) auf den türkischen Club.
Cibona Zagreb - Banvit BC 87:80 (45:41): Zwei Mannschaften auf Augenhöhe bescherten dem Premium Cup ein gutklassiges und würdiges Debütspiel. Dabei hatten beide Teams sehr gegensätzliche Strategien: So spielten die Türken aus der Stadt Bandirma beinahe das komplette erste Viertel mit der Starting Five durch und konzentrierten sich auf Distanzwürfe, während der kroatische Rekordmeister bereits hier neun Spieler einsetzte und sein Glück in Fastbreaks suchte. Das Resultat war ein 23:21 für Cibona. Auch die folgenden beiden Viertel waren ein Kopf-an-Kopf-Rennen, auch wenn die zweiten zehn Minuten durch 17 Fouls und die daraus resultierenden 24 Freiwürfe zum Nervenspiel wurden. Mit 45:41 ging es in die zweite Halbzeit, die mit einer Dreierorgie begann: Gleich vier der ersten fünf Körbe waren Dreier, insgesamt trafen die Türken 13 Dreier. Das 41:49 (21., Prkacin) und 59:66 (30., Zubcic) holte Banvit durch einen Dreier von Joe Crispin zum 65:66 auf. Im letzten Viertel eilte Zagreb mit einem 9:0-Lauf auf 78:67 (36.) davon und hatte ab hier den Sieg in der Tasche. »Wir haben eine junge Mannschaft. Am Ende waren wir zu unerfahren«, resümierte Banvits Trainer Selcuk Ernak vor dem Spiel gegen Gießen.
Bandirma: Crispin (20), Veyseloglu (2), Williams (21), Johnson (15/5 Dreier), Cankaya (8), Topaloglu (4), Turna, Agudio (2), Yenice (6), Demir (2).
FC Barcelona - LTi Gießen 46ers 91:69 (48:43): Was Gießen in der ersten Halbzeit zeigte, hätten wohl nur unverbesserliche Optimisten erwartet: Die Universitätsstädter waren dem Starensemble um Olympia-Silbermedaillengewinner Juan Carlos Navarro absolut ebenbürtig. Barça zeigte gleich zu Beginn seine Weltklasse in der Verteidigung, doch nach einigen Minuten fanden die von Rückkehrer Heiko Schaffartzik gut dirigierten 46ers ihr Mittel dagegen. Schaffartzik selbst war es, der mit einem Dreier die erste Führung zum 9:8 (6.) erzielte. Das Gleiche gelang Neuzugang Maurice Jeffers mit einem Mittelditanztreffer zum 18:17, welcher trotz seiner zwölf Punkte aber wenig auffiel. Der andere neuverpflichtete Amerikaner, Mensah Taylor, wurde noch nicht eingesetzt. Zum Topscorer des ersten Viertels avancierte überraschend der stets am richtigen Fleck stehende Florian Hartenstein, der allerdings wegen einer Verletzung in der zweiten Halbzeit fehlte. Hier brach auch das Spiel der 46ers. Hatte Johannes Lischka Gießen noch mit seinem tollem Korb zum 37:35 (16.) zum letzten Mal in Führung gebracht, erfolgte nach Hartensteins 43:46 (20.) der Einbruch: Barcelona zog mit einem 18:0-Lauf auf 64:43 davon, erst nach 6:22 Minuten erzielte Robert Maras den ersten Gießener Korb in diesem Viertel, der bis zur letzten Minute auch der einzige blieb. Und hier durchquerte der Ball nicht einmal das Netz, denn die Punkte wurden den 46ers wegen Goal Tending des Gegners zugesprochen. Erst am Schluss konnte Gießen geringfügig auf 51:69 (30., Maras) verkürzen, aber die 17 (!) zu fünf Rebounds für Barcelona in diesem Viertel zeigen die deutliche Überlegenheit und vor allem auch die bessere Bank Barcelonas, das von Gießens Müdigkeit profitierte und den Sieg sicher nach Hause spielte. Den höchsten Vorsprung hatten die Katalanen mit dem 91:64 durch den australischen Olympiateilnehmer David Andersen verbuchen können. »Unser Ziel war, als Team zu spielen, und das haben wir geschafft. Im dritten Viertel hat Barcelona einfach zu gut für uns gespielt«, war Gießens Trainer Simon Cote trotz der Machtdemostration Barcelonas in der zweiten Halbzeit mit der gezeigten Leistung seiner Mannschaft zufrieden. Auch Barças Trainer Xavi Pascual attestierte Gießen dieses mannschaftliche Auftreten und lobte, dass die 46ers nie zu kämpfen aufhörten. Diese Kampfbereitschaft versprach Cote auch für das Bronze-Spiel.