Heute Abend (19.30 Uhr) beginnt für die Roten Teufel Bad Nauheim mit dem Playoff-Spiel gegen die Starbulls Rosenheim die schönste Jahreszeit für jeden Eishockey-Spieler. »Playoffs sind das, wofür wir leben«, sagt der RT-Coach, der mit Rang vier zum Abschluss der regulären Runde das sportlich wie wirtschaftlich lukrative Heimrecht als Etappenziel hatte erreichen können und nun als einer von acht Klubs um den Aufstieg in die 2. Bundesliga spielt.
Freudentänze auf dem Eis: Die Roten Teufel freuen sich über das Heimrecht im ersten Playoff-Spiel: Heute kommen die Starbulls Rosenheim zum Viertelfinal-Auftakt ins Colonel-Knight-Stadion. (Foto: Storch)
»50:50« beurteilt Fred Carroll die Chance auf ein Weiterkommen gegen die Oberbayern. Drei der vier Saisonduelle haben die Roten Teufel gewonnen, nach vier direkten Vergleichen trennt beide Mannschaften aber nur ein Treffer (19:18 Tore für Bad Nauheim). Auffallend: die Statistik der Über- und Unterzahl-Formationen. Rosenheim hat sieben seiner Tore mit einem Spieler mehr auf dem Eis erzielt, Bad Nauheim lediglich deren vier, was im Spiel Fünf-gegen-Fünf für die Hessen spricht. »Ich bin vom Halbfinal-Einzug absolut überzeugt«, sagt Andreas Ortwein. Von den Einzelspielern sei man vielleicht gleichwertig besetzt, aber »das bessere Team haben wir«, glaubt der RT-Geschäftsführer.
Rosenheim kommt doch erheblich »angeknockt« in die Kurstadt. Trotz prominentem Kader hat Franz Steer den selbst formulierten Anspruch bislang nicht erfüllen können und ist in die Kritik geraten - gerade, nachdem zum Ende der Transferperiode mit Ex-DEL-Spieler Konstantin Firsanov, dem letztjährigen Starbulls-Top-Scorer Dylan Stanley sowie Rückkehrer Matthias Bergmann (Hannover Indians) drei Spieler nachverpflichtet wurden, die allesamt ein Match entscheiden können. Zum Vergleich: Mit Semen Glusanok, Manuel Weibler und Marius Pöpel haben die Roten Teufel in diesem Zeitraum drei Spieler aus den Regionalligen verpflichtet - hinzu kommt Markus Keller von der Ersatzbank der Eisbären Berlin. Bei rund einer Million, so munkelt man, liege der Etat der Oberbayern. Das ist rund ein Drittel mehr, als in Bad Nauheim umgesetzt wird.
Insbesondere der Erfolg in Rosenheim vor zehn Tagen stärkt das Selbstvertrauen der Badestädter. »Wir sind Favorit«, glaubt Heiko Vogler, der RT-Verteidiger. »Und wenn wir uns ans System halten, werden wir uns durchsetzen. Ich glaube, dass wir Rosenheim mit 4:1-Siegen weghauen«, kündigt Vogler an.
Passau war beim 11:1-Schützenfest am Freitag gewiss kein Maßstab für die Roten Teufel, doch habe man auch beim 1:3 am Sonntag in Herne gut gestanden und sich gut verkauft, so Vogler weiter. In Rosenheim, bei den Starbulls, hat man - das suggeriert zumindest das nackte Resultat - nach drei Niederlagen in Folge durch einen 5:2-Erfolg gegen Dortmund den Schalter umlegen können. Was der Erfolg letztlich wert ist, weiß niemand. Die Roten Teufel werden heute voraussichtlich in Bestbesetzung antreten können. Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Mathias Baldys, der in Herne nach 20 Minuten wegen Rückenbeschwerden aus dem Spiel genommen worden war. Stimmung und Moral seien bestens, ließ Fred Carroll wissen. Ob dies der zwischenzeitlichen disziplinarischen Maßnahme gegen Kevin Richardson geschuldet sei, ließ der Coach offen; ebenso die Frage, ob der Top-Torjäger wieder auf seine vertraute Position neben Lanny Gare und Tobias Schwab zurückkehrt.
Eine Entscheidung ist derweil auf der Torhüter-Position gefallen. Markus Keller hat dank seiner konstant guten Leistungen gegenüber Boris Ackers die Nase vorne. »Wir haben das vielleicht beste Duo aller acht Mannschaften«, sagt Carroll. Interessant: Claus Dalpiaz, Ex-Teufel im Tor der Starbulls Rosenheim, ist mit 38 Jahren sage und schreibe 18 Jahre und damit mehr als eine Torhüter-Generation älter als der Keeper der Badestädter.
Drei Teams sind noch in den Abstiegskampf der Handball-Bundesliga verstrickt: HSG Wetzlar, TV 05/07 Hüttenberg, Bergischer HC. Wer schafft den Klassenerhalt?