»Für uns beginnen jetzt die Wochen der Wahrheit«, hatte Dr. Jürgen Gerlach, der Trainer des Frauenhandball-Zweitligisten TV 05 Mainzlar vor dem Kräftemessen beim ungeschlagenen Spitzenreiter TV Nellingen gesagt. Nach der 31:39 (11:20)-Niederlage im Baden-Württembergischen ist der erfahrene Übungsleiter um einige Erfahrungen reicher geworden.
ZU WENIG TORGEFAHR ging von Mainzlars Marina Budecevic (hinten) beim Zweitliga-31:39 beim TV Nellingen aus. Für den Südgruppen-Spitzenreiter verteidigt hier Irina Kolpakova (8). (Foto: Eibner)
(jms) Denn das Ergebnis suggeriert, wo es derzeit noch zwickt bei dem jungen Team aus Mittelhessen. »Es gibt nach diesem Spiel sicher Redebedarf. Bei uns haben die Einstellung und die Leidenschaft gefehlt. Nellingen hat uns das eindrucksvoll vorgemacht«, war Mainzlars Teammanager Mario Schrödel nach der Niederlage sauer. Vor allem die Nationalspielerinnen dürften sich in den kommenden Tagen auf ein intensives Gespräch mit der sportlichen Leitung »freuen«.
Denn die Litauerinnen Vilma Gainskyte und Ruta Latakaite konnten ebenso wenig ihre Klasse unter Beweis stellen wie die österreichische Auswahlspielerin Marina Budecevic. Schrödel: »Da haben wir uns bei allen mehr erhofft. Eine Steigerung - auch in der Einstellung - ist dringend notwendig.« Dem sonst so ruhigen Mannschaftsverantwortlichen platzte am Samstagabend der Kragen. Denn in Nellingen verhielt sich die Mannschaft gedanklich langsam und in der Deckung teilweise anfängerhaft. Zudem musste Co-Trainer Eckhard Weber einige Wahrnehmungsdefizite bei seinen Spielerinnen feststellen: »Es war deutlich zu sehen, dass wir im Tempospiel unsere Chancen gehabt hätten. Doch umsetzen konnten wir das nicht. Zudem haben wir darauf hingewiesen, wie unsere Spielerinnen die Torfrau hätte überwinden können. Leider haben sie dann genau umgekehrt gehandelt.«
Nach einer passablen und offenen Anfangsphase verloren die Staufenbergerinnen ab der 13. Minute den Faden. Nachdem Nina Hess mit einem Doppelpack auf 9:10 verkürzte, witterte der TVM für einen winzig kleinen Moment Morgenluft. »Doch dann haben wir das Spiel verloren. Wir waren dran und haben dann alles falsch gemacht. Das war die entscheidende Phase«, ärgerte sich Weber. Die »Hornets«, deren individuelle Klasse ligaweit gefürchtet ist, nahmen eine Auszeit, schüttelten sich kurz und zeigten auf ihre eigene Schwächephase eine erstklassige Reaktion. Die Truppe von Trainer Dirk Haigis warf den TVM förmlich ab. In der 23. Minute traf Christine Maric zum bereits vorentscheidenden 16:9. Mainzlar blieb elf Minuten (!) ohne eigenen Torerfolg.
»In dieser Phase haben wir alles vermissen lassen, was uns in den bisherigen Heimspielen ausgezeichnet hat. Unsere Leistung hat sehr an die Niederlage in Bietigheim erinnert«, sagte Schrödel enttäuscht. Erst in der 24. Minute gelang der ordentlich spielenden Matilda Antanasoska der zehnte Mainzlarer Treffer. Neben der Mazedonierin konnten sonst nur ihre Schwester Andrijana, mit Abstrichen die angeschlagene Nina Hess und Sophia Bepler überzeugen. Schrödel sieht die gesamte Mannschaftsleistung kritisch: »Sonst loben wir bei Siegen immer das Kollektiv. Jetzt war es gemeinschaftlich schlecht. Auch das muss man klar ansprechen.«
Bereits zur Pause sah sich der TVM beim 11:20 mit einem schier aussichtslosen Rückstand konfrontiert. Gegen die erfolgreiche Achse Kolpakova, Zakauskaite und Radonic konnten die zierlichen Mainzlarer Deckungsspielerinnen nichts ausrichten. Und im Angriff monierte Weber ebenfalls das fehlende Durchsetzungsvermögen sowie Langsamkeit und fehlende Spritzigkeit gegenüber einem erstligareifen Gegner.
Drei Teams sind noch in den Abstiegskampf der Handball-Bundesliga verstrickt: HSG Wetzlar, TV 05/07 Hüttenberg, Bergischer HC. Wer schafft den Klassenerhalt?