Drei Minuten vor der Halbzeitpause verlor Vladimir Bogojevic die Beherrschung. Er riss sein Jackett vom Leib und warf es wutentbrannt auf den Boden. Dem Trainer der LTi Gießen 46ers riss der Geduldsfaden. Sein Team brachte sich zum wiederholten Male in die Bredouille, produzierte erneut einen Ballverlust und fing sich einen Fastbreak ein. Bogojevic schrie seinen Frust hinaus. Das hätten die 2620 Zuschauer in der nur spärlich gefüllten Osthalle zu diesem Zeitpunkt auch gerne getan.
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Die Vorstellung der Mittelhessen gegen die abgebrüht wirkenden Eisbären Bremerhaven war - milde gesagt - grauenhaft. Es passte nichts zusammen. Alles blieb Stückwerk. Die Nordseestädter wurden ihrer Favoritenstellung gerecht und bauten ihre Führung bis zur 30. Minute auf 17 Punkte (67:50) aus. Doch die 46ers schlugen im finalen Viertel zurück. Allen voran David Teague und Maurice Jeffers, die eine furiose Aufholjagd starteten, die die Fans teilweise von den Sitzen riss. Letztlich setzten sich aber die Norddeutschen mit 87:81 (44:28) durch.
Fakt ist, dass sich die Gießener ihre sechste Niederlage im sechsten Saisonspiel einfingen und damit als einzige Mannschaft in der Basketball-Bundesliga noch keinen Sieg vorweisen können. Der derzeitige Tabellenstand (Rang 13) ist Augenwischerei, da das neue Punktesystem (ein Punkt für eine Niederlage, zwei für einen Sieg, null für Nichtantreten) zum Tragen kommt und die wahren Verhältnisse nicht widerspiegelt.
Erneut gerieten die 46ers frühzeitig in Rückstand. Sie waren gegen die individuell besseren Bremerhavener in der ersten Halbzeit überfordert. Der Ex-Gießener Louis Campbell führte bei den Eisbären auf der Eins glänzend Regie, diktierte das Tempo und übernahm Verantwortung, als sie gefordert war. Der mit viel Applaus bedachte »Lou« avancierte zum effektivsten Spieler (17 Punkte, acht Rebounds, neun Assists) und deckte deutlich den gravierendsten Unterschied zu den Gießenern auf. Denn ihnen fehlte so ein genialer Denker und Lenker. Der in dieser Woche für den verletzten Lorenzo Williams nachverpflichtete Austen Rowland wirkte (noch) wie ein Fremdkörper. Ihm unterliefen gleich zu Beginn zwei haarsträubende Fehler, die die Unsicherheit der Mannschaft noch verstärkten. Backup Chuck Reed hatte ebenfalls mächtige Probleme, den Ball ins Spiel und an den Mann zu bringen. Gute Ansätze dagegen zeigte Youngster Falko Theilig, der bei seinem ersten Heimauftritt viel Beifall erhielt und sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen ließ, aber in der Verteidigung gegen Campbell fast chancenlos war.
Es dauerte zweieinhalb Minuten, bis Teague die 46ers-Fans mit einem Zweier erlöste und sie sich nach dem 2:7 endlich hinsetzen durften. Viele Gründe zum Aufstehen erhielten sie danach nicht mehr. Einziger Lichtblick war in den ersten zehn Minuten der aufopferungsvoll kämpfende Jannik Freese, der geschickt seinen Körper einsetzte und am Brett punktete. Die Bremerhavener ließen sich aber nicht aus dem Konzept bringen, waren körperlich und geistig immer einen Tick schneller und legten bis zum Ende des ersten Viertels ein beruhigendes 25:11 vor.
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