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Das Geduldspiel zahlt sich nicht aus

Artikel vom 10.10.2009 - 14.48 Uhr

Das Geduldspiel zahlt sich nicht aus

Basketball-Bundesligist LTi Gießen 46ers startet mit einer 77:83-Niederlage gegen Phoenix Hagen in die Saison. Mitte des zweiten Viertels drehte sich Trainer Vladimir Bogojevic zu den aufgewühlten Fans hinüber, beruhigte sie per Handzeichen und bat sie um Geduld; um Geduld mit den jungen Spielern, mit der neu formierten Mannschaft.
SAISONSTART VERGEIGT: Die LTi Gießen 46ers um Aufbauspieler Lorenzo Williams (mit Ball) scheitern mit 77:83 an Aufsteiger Phoeni
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SAISONSTART VERGEIGT: Die LTi Gießen 46ers um Aufbauspieler Lorenzo Williams (mit Ball) scheitern mit 77:83 an Aufsteiger Phoenix Hagen mit Bernd Kruel. (Foto: ras)
Mitte des zweiten Viertels drehte sich Vladimir Bogojevic, Trainer des Basketball-Bundesligisten LTi Gießen 46ers, zu den aufgewühlten Fans hinüber, beruhigte sie per Handzeichen und bat sie um Geduld; um Geduld mit den jungen Spielern, mit der neu formierten Mannschaft. Und Geduld mussten die Anhänger des mittelhessischen Traditionsvereins im ersten Saisonspiel gegen Phoenix Hagen auch beweisen, denn gegen den Aufsteiger taten sich die 46ers in den ersten beiden Vierteln sehr schwer, wurden teilweise von den hochmotivierten »Feuervögeln« vorgeführt und lagen zeitweise gar mit 17 Punkten hinten. Doch der unerschütterliche Glaube von Bogojevic an seine Spieler sollte sich auszahlen - auch wenn es am Ende nicht mehr ganz für eine Wende reichte. Mit 77:83 (12:24, 25:23, 23:26, 17:20) unterlagen die 46ers, überzeugten aber 20 Minuten lang mit Kampf und Einsatz.

»Ich bin Gießener, ich liebe das Gießener Publikum, aber ich brauche Unterstützung«, klagte Bogojevic nach der Partie und fügte an: »Ich brauche eine volle Halle, keine Lippenbekenntnisse und keine 2000 Leute, die bei jedem Ballverlust buhen. Heute hatte ich 3700 Trainer und Kritiker in der Halle.« Und die sahen in den ersten 18 Minuten eine stark verunsicherte Gießener Mannschaft, die selbst die elementaren Dinge des Basketballspielens außer Acht ließ: In der Offensive verstrickten sich die Akteure in Einzelaktionen, anstatt den besser positionierten Mitspieler zu suchen, der Ball wurde zudem nicht ans Brett gebracht. In der Defensive taten sich die Gastgeber im Eins-gegen-Eins-Spiel schwer, ihre Gegenspieler zu stoppen, die entweder munter zum Korb zogen oder den Ball zu ihren Mitspielern durchsteckten. Zudem packten die Bogojevic-Schützlinge nur selten unter dem Korb richtig zu, überließen den Gästen die Dominanz unter den Brettern und vor allem die Rebounds. Hagen hingegen glänzte mit einem schnellen Offensivfeuerwerk, bei dem Pointguard Andre McGee geschickt die Fäden zog und die Bälle gut verteilte. So war es auch nicht verwunderlich, dass der Aufsteiger, von dem sich am Donnerstagabend überraschenderweise Center Sean Finn verabschiedet hatte, bereits nach fünf Minuten mit 14:6 in Führung lag. Während Gießen sich weiterhin nicht als Team präsentierte, zogen die Hagener gar auf 24:8 (7.) davon. Im zweiten Viertel sah es erst nicht viel anders aus, das blanke Entsetzen in den Gesichtern der 3648 Zuschauer, darunter allerdings auch einige freudige Hagen-Fans, war überall zu erkennen. In der Defense waren die Mittelhessen weiterhin meist einen Schritt zu langsam, im Angriff fehlten Ideen und Konzept (25:42, 18.). Doch Ende des zweiten Viertels fasste sich Lorenzo Williams ein Herz: Der Aufbauspieler zog mit Elan zum Korb, streute noch einen Dreier ein und markierte so zehn Punkte in Folge. Beim 36:46 (19.) schöpften die 46ers-Anhänger wieder Hoffnung - und sollten dies nicht bereuen.

Denn in der zweiten Halbzeit deuteten die Gießener ihr Potential an, das sie zuvor lediglich hatten kurz aufblitzten lassen, und erarbeiteten sich klammheimlich Punkt für Punkt. Der in der ersten Hälfte gar nicht in Erscheinung getretene Martin Kohlmaier forderte Anfang des dritten Viertels vermehrt den Ball und traf mit zwei Korblegern in Folge zum 41:49 (22.), Williams brachte sein Team mit einem Drei-Punkte-Wurf gar auf vier Punkte heran (51:55, 27.). Bogojevic vertraute nun einer kleinen Formation, bei der Kevin Johnson und Johannes Lischka unter dem Korb agierten. Und die machte ihre Sache gut: Die 46ers spielten nun ruhiger, hielten den Ball geduldig in ihren Reihen und setzen auch im Rebound nach. Kurz vor Ende des dritten Durchgangs traf Johnson einen Dreier zum 60:63 (30.); und auch als Hagen Anfang des vierten Viertels wieder auf acht Punkte davonzog (60:68, 33.), ließen sich die Gießener nicht davon abbringen, weiter an den Sieg zu glauben. Jetzt drehte David Teague auf, der ein ums andere Mal mit Leichtigkeit die Defense umkurvte und so zwölf Punkte in den letzten zehn Minuten markierte, zudem sicherten sich Johnson und Lischka wichtige Rebounds. Beim 70:71 (36.) und 75:76 (39.) war der Erfolg greifbar nahe, doch die Führung sollten die 46ers in dieser Partie nicht mehr erlangen. Hagen hielt sich mit zwei einfachen Schnellangriffen im Spiel, zudem kostete die eigene schwache Freiwurfquote (1/6 im 4. Viertel) die Gießener letztlich den Sieg. Doch bereits am Sonntag steht in Frankfurt ein neues Geduldspiel für das Bogojevic-Team an - das sich dann vielleicht auszahlt. Nora Brökers

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Artikel vom 10.10.2009 - 14.48 Uhr
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