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46ers nehmen den Kampf nicht an

Artikel vom 19.04.2010 - 12.00 Uhr

46ers nehmen den Kampf nicht an

Wenn eine Mannschaft das Reboundduell deutlich verliert, sprechen Basketballtrainer gerne davon, dass der Gegner sie »ausgereboundet« hat. Vladimir Bogojevic, Headcoach der LTi Gießen 46ers, sprach nach der 72:84 (35:36)-Niederlage beim Bundesliga-Konkurrenten ratiopharm Ulm davon, dass die Gastgeber sein Team »ausgekämpft« hätten und traf damit den Nagel, wenn auch etwas ungelenk, auf den Kopf. Dabei war alles für einen guten Auftritt der Mittelhessen bereit.
BESTER GIESSENER IN ULM ist Joe Werner, der bei der 72:84-Niederlage seines Teams 25 Punkte erzielt. Hier wird der Powerforward
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BESTER GIESSENER IN ULM ist Joe Werner, der bei der 72:84-Niederlage seines Teams 25 Punkte erzielt. Hier wird der Powerforward von Kevin Martin (l.) attackiert (rechts Elvir Ovcina, Nr. 12 Coleman Collins). (Foto: Schulz)
Wenn eine Mannschaft das Reboundduell deutlich verliert, sprechen Basketballtrainer gerne davon, dass der Gegner sie »ausgereboundet« hat. Vladimir Bogojevic, Headcoach der LTi Gießen 46ers, sprach nach der 72:84 (35:36)-Niederlage beim Bundesliga-Konkurrenten ratiopharm Ulm davon, dass die Gastgeber sein Team »ausgekämpft« hätten und traf damit den Nagel, wenn auch etwas ungelenk, auf den Kopf. Dabei war alles für einen guten Auftritt der Mittelhessen bereit: Für die Ulmer ging es um nichts mehr, angesichts des Gießener Restprogramms war die Partie wohl das leichteste der noch ausstehenden 46ers-Spiele, und Ulms umtriebiger Manager Thomas Stoll goss vor dem Spiel noch einmal zusätzliches Öl ins Feuer. »Wir wollen Gießen mit einem Sieg nochmal richtig schön tief in den Keller schießen«, sagte Stoll vor dem Spiel der »Südwestpresse«, eine Reaktion auf den von Gießen regelgerecht verzögerten Wechsel von Pointguard Austen Rowland in der Hinrunde.

Doch auch die Kampfansage des oftmals am äußersten Rand der Seriosität agierenden Ulmer Managers schien in den ersten Minuten keine große Wirkung zu zeigen: Zwar gelangen Rowland die ersten fünf Zähler der Hausherren, doch die 46ers brachten den Ball effektiv unter den Korb, wo Joe Werner und Elvir Ovcina zehn der ersten 13 Gießener Punkte markierten. Immer wieder zogen die Akteure in Rot und Weiß bei ihren Korbaktionen auch Fouls, doch eine schwache Freiwurfquote der Mittelhessen verhinderte, dass Gießen weiter davonziehen konnte als auf sechs Punkte (17:11, 5.). »Wir haben am Anfang den Ball unter den Korb bekommen und hatten halbwegs die Kontrolle über das, was wir machen wollten«, meinte auch Bogojevic.

Keine Kontrolle dagegen hatten die 46ers über Ulms Center Kevin Martin: Der US-Amerikaner schraubte mit zehn Zählern seine Punkteausbeute bereits im ersten Viertel über seinen Saisonschnitt (7,4 Punkte) und ließ vor allem Ovcina ein ums andere Mal schlecht aussehen. Dennoch hatten sich die Gießener in den ersten zehn Minuten ordentlich präsentiert und führten verdient mit 24:22. Nach der Viertelpause ließ die Bogojevic-Truppe aber rapide nach: Zu statisch war die Offensive, zu wenig Engagement zeigte die Verteidigung. Erst nach dreieinhalb Minuten fielen die ersten Gießener Punkte im zweiten Abschnitt, doch erst nach der zweiten 46ers-Auszeit binnen vier Minuten schienen die Spieler wieder zu wissen, was sie zu tun haben: Nach dem 28:36 aus Gießener Sicht durch Martin verkürzten Ovcina, Osvaldo Jeanty und Jeffers zur Halbzeitpause auf 35:36. Mit dem Dreier von Jeffers 26 Sekunden vor der Pause war der letzte Distanztreffer der 46ers allerdings bereits gefallen - nur zwei Treffer bei 13 Versuchen verbuchten die Mittelhessen.

Dennoch kamen die Gäste wacher aus der Kabine als die Hausherren. Bis zur Mitte des Viertels hatten sie die Führung zurückerobert, ein Werner-Freiwurf sorgte für das 47:41. Dann aber kehrte das Momentum auf die Seite der Hausherren zurück: Der Ulmer Zeitnehmer hatte es mehrfach bei den Angriffen der Heimmannschaft nicht geschafft, die 24-Sekunden-Uhr rechtzeitig zu starten, was Bogojevic zu einer Diskussion mit dem Kampfgericht verleitete: »Damit habe ich möglicherweise die Halle wieder ins Spiel gebracht: Ich habe es zweimal ruhig gesagt, beim dritten Mal habe ich dann gesagt: ›Entweder konzentrierst du dich oder jemand anders soll es machen‹«, sagte Bogojevic nach der Partie, merkte aber auch an: »Ich glaube nicht, dass der Junge das absichtlich gemacht hat.«

Dennoch wachte das Ulmer Publikum, von dem bis dahin nichts zu hören war, nun plötzlich auf, echauffierte sich über Bogojevic und trieb so die Heimmannschaft zu einem vorentscheidenden 20:4-Lauf, der die 46ers mit einem deutlichen Rückstand ins Schlussviertel gehen ließ (51:61). Auch wechselnde Verteidigungsformen bei den Gießenern brachten nun nicht den gewünschten Erfolg, von der Bank kam darüber hinaus fast keine offensive Entlastung. Johannes Lischka ließ Bogojevic gar die gesamte Spielzeit über auf der Bank schmoren, obwohl der Flügelspieler nicht angeschlagen war. Die Partie verlor nun auch zunehmend an spielerischer Qualität, doch die rot-weißen Spieler konnten den Rückstand nicht mehr verkürzen. Zu leicht wurde es den Ulmern nun gemacht, zu Punkten zu kommen, allein Nationalspieler Robin Benzing markierte zehn Zähler im Schlussabschnitt. Gießen aber spielte nun kopflos, suchte keine guten Chancen mehr, sondern einfach nur noch einen Abschluss und unterlag am Ende deutlich, aber verdient mit 72:84. »Wir haben das Momentum dadurch verloren, dass Ulm uns im Kämpferischen geschlagen hat. Man kann über alles reden, aber dieses Spiel hätte uns mehr bedeuten müssen als den Ulmern. Doch das war nicht der Fall, zumindest nicht Ende des dritten Viertels. Die 59 Prozent von der Freiwurflinie und die zwei Treffer von außen bei 13 Versuchen beschäftigen mich momentan weniger«, ärgerte sich Gießens Trainer nach der Partie. Doch das Ziel ist für Bogojevic klar: »Wir haben noch drei eigene Möglichkeiten, den Klassenerhalt zu schaffen, ohne auf die Gegner gucken zu müssen. Aber da müssen wir uns anders präsentieren, Kampfgeist an den Tag legen.« Martin Vogel

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Artikel vom 19.04.2010 - 12.00 Uhr
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