Die Basketballer der LTi Gießen 46ers hüpften Arm in Arm über das Parkett der Stadthalle Bremerhaven, Geschäftsführer Christoph Syring ballte die Faust, und die wenigen mitgereisten Fans der Mittelhessen bejubelten auf der Tribüne den kaum für möglich gehaltenen Erfolg ihres Teams: Mit 84:81 (41:46) setzten sich die Gießener am Freitagabend beim Tabellenzweiten durch und haben damit ihre sieben Begegnungen andauernde Niederlagenserie beendet. Verdientermaßen, denn ungeachtet der unruhigen Woche nach der Pleite gegen Düsseldorf zeigten die Gießener bei den Eisbären einen couragierten Auftritt und glänzten vor allem in der Offensive.
Überzeugende Vorstellung: Osvaldo Jeanty (vorne), der hier von Torrell Martin attackiert wird, und Elvir Ovcina (hinten/r. Bryan Lucas) feiern mit den LTi Gießen 46ers einen 84:81-Coup in Bremerhaven. (Foto: Scheer)
(kus) Bester Mann auf dem Feld war Center Elvir Ovcina, der mit 18 Punkten, neun Rebounds, acht Assists und fünf Blocks trotz seiner sieben Ballverluste eine traumhafte Statistik ablieferte.
In der nervenaufreibendem Schlussphase mussten die 46ers allerdings bis zur letzten Sekunde um den Sieg zittern, da sie an der Freiwurflinie Nerven zeigten. Zunächst vergab Lorenzo Williams bei einer Gießener 83:81-Führung 17 Sekunden vor dem Ende seine beiden Freiwürfe. Und sechs Sekunden vor Schluss war es Kevin Johnson, der nach einem vergebenen Dreier von Bremerhavens Andrew Drevo und dem eigenen Rebound sofort gefoult wurde und an die Linie ging. Den ersten Versuch vergab Johnson, den zweiten Freiwurf verwandelte er aber eiskalt zum 84:81. Dennoch bot sich den Eisbären, die zuvor siebenmal in Folge gewonnen hatte, zumindest noch die Chance, mit einem Dreier eine Verlängerung zu erzwingen. Doch die letzte Möglichkeit vergab der Ex-Gießener Louis Campbell, dessen Distanzversuch mit der Schlusssirene sein Ziel verfehlte - die Gießener durften den immens wichtigen Auswärtssieg im Kampf um den Klassenerhalt bejubeln. »Es fällt mir ganz schwer, sachlich zu bleiben, nach einer schweren Phase, die wir hoffentlich jetzt beendet haben«, gestand hinterher 46ers-Coach Vladi Bogojevic ein, der während der gesamten Pressekonferenz selig lächelte. »Es ist phantastisch, gegen die Bremerhavener, die eine so tolle Serie hingelegt haben, als Sieger vom Platz zu gehen. Ich bin stolz, dass wir dem Druck standgehalten haben und uns mit einigen Ausnahmen an unseren Plan gehalten haben«, sagte der Trainer.
Die Partie war von Beginn an umkämpft. Zwar lagen die 46ers schnell mit 0:5 hinten (3.), doch vor allem dank des enorm treffsicheren Maurice Jeffers und dank Ovcina kamen die Gießener heran. Erst glichen sie durch Jeffers zum 11:11 aus, wenig später hieß es nach einem weiteren erfolgreichen Schnellangriff von Lorenzo Williams gar 21:15 (8.) für die Gäste. Allerdings kassierten die Mittelhessen bis zum Viertelende noch einen 0:6-Lauf zum 21:22. Bis Mitte des zweiten Abschnitts hielten sie bis zum 28:25 durch Johannes Lischka einen knappen Vorsprung, ehe die 46ers Drevo eine unglaubliche Dreier-Serie gestatteten. Der Bremerhavener Neuzugang erzielte innerhalb von zwei Minuten seine Dreier Nummer zwei bis fünf (bei fünf Versuchen) und brachte die Eisbären damit mit 37:30 nach vorn. Drevo profitierte in dieser Phase von den Unzulänglichkeiten in der Gießener Defensive, die vor allem gegen die Distanzschützen der Eisbären schlecht aussah und so das Gesamtbild der insgesamt guten ersten Hälfte etwas trübte. Aber der Kampf der 46ers stimmte, die beim 41:46 zur Pause aussichtsreich im Rennen lagen.
In der zweiten Hälfte knüpften die 46ers nahtlos an ihre starke Offensivleistung an. Ob aus der Distanz (wie Jeffers zur 53:52-Führung), per Korbleger nach Fastbreak (Williams zum 59:58) oder von der Freiwurflinie (Weber zum 68:64) - durch ihren starken Angriff und einer glänzenden Trefferquote von insgesamt 64 Prozent aus dem Feld machten die Gießener ihre Defizite, die vielen Ballverluste und die vielen Offensivrebounds der Eisbären, wett. Ärgerlich war nur, dass die Norddeutschen durch ein zweifelhaftes unsportliches Foul gegen Joe Werner bis zum Viertelende auf 66:68 verkürzten. Im Schlussabschnitt war es Ovcina, der zunächst die Akzente setzte und die 46ers mit 75:70 in Führung brachte. Zwar glich Bremerhaven durch Philipp Schwethelm noch einmal per Dreier zum 77:77 aus, doch postwendend antwortete Jeffers mit einem Distanztreffer zum 80:77. Drevos 79:80 konterte Williams 49 Sekunden vor Schluss mit dem siebten Gießener Dreier an diesem Abend zum 83:79. Der Rest ist bekannt.
»Gießen hat gut verteidigt und uns gezwungen, schlechte Entscheidungen zu treffen«, musste Eisbären-Coach Doug Spradley die Leistung der abstiegsbedrohten 46ers anerkennen, die nun mit einem weiteren Sieg am Faschingssamstag (20 Uhr) im Heimspiel gegen die BG Göttingen den nächsten großen Schritt auf dem Weg zum Ligaerhalt machen können.
Drei Teams sind noch in den Abstiegskampf der Handball-Bundesliga verstrickt: HSG Wetzlar, TV 05/07 Hüttenberg, Bergischer HC. Wer schafft den Klassenerhalt?