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WWF: Regenwürmer sind ein vernachlässigter Bodenschatz

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Artikel vom 03.01.2017 - 13.08 Uhr

WWF: Regenwürmer sind ein vernachlässigter Bodenschatz

Berlin (dpa) - Für die Ernährung der Menschheit sind sie von immenser Bedeutung - beachtet oder gar geschützt werden Regenwürmer dennoch kaum. Auch in Deutschland sei es um die Bodenlebewesen vielerorts schlecht bestellt, warnt die Naturschutzorganisation WWF in einem «Regenwurmreport».
Regenwürmer
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Regenwürmer spielen bei der Bodenbildung eine ganz entscheidende Rolle, ihr Dung ist einer der besten Dünger. Foto: Martin Schutt
© dpa
«Wenn die Regenwürmer leiden, leidet der Boden und damit die Grundlage für unsere Landwirtschaft und Ernährung», erklärte Birgit Wilhelm, Landwirtschaftsreferentin beim WWF Deutschland. Von den bundesweit 46 bekannten Regenwurmarten sind demnach mehr als die Hälfte als «sehr selten» oder «extrem selten» eingestuft.

Regenwürmer zählen wohl zu den unterschätztesten Lebewesen überhaupt, was ihre Bedeutung für den Menschen angeht: Bei der Bodenbildung spielen sie eine ganz entscheidende Rolle, ihr Dung ist einer der besten Dünger - es gibt riesige Wurmfarmen, die die Tiere eigens züchten und den Kot teuer verkaufen.

Gute Böden bringen bessere Ernten, gerade angesichts des weltweiten Bevölkerungswachstums ist dies ein immens wichtiger Faktor. Es gelte, politisch und gesellschaftlich eine humusaufbauende und bodenschonende Landwirtschaft stärker zu fördern, so der WWF.

Schädlich für die Würmer sind demnach etwa Monokulturen, Gülle-Ammoniak und zu viel Bodenbearbeitung. «In den meisten Äckern leben durchschnittlich nur drei bis vier, maximal zehn verschiedene Arten», schreibt der WWF. Auch die absolute Bestandszahl sei gering: Mit eintöniger Fruchtfolge und starkem Maschinen- und Chemieeinsatz sinke sie auf unter 30 Tiere pro Quadratmeter. «Der Durchschnitt in kleinstrukturierten Äckern liegt bei rund 120 Exemplaren, auf wenig gepflügten Öko-Äckern können über 450 Würmer gezählt werden.»

Für die intensiv bewirtschafteten Flächen hat der Wurmmangel Folgen: Kompakte, schlecht durchlüftete Böden nehmen weniger Wasser auf und leiten es weniger gut weiter. Hinzu könnten faulende Erntereste oder eine zu langsame Nährstoffrückgewinnung und Humusbildung kommen, heißt es in dem Report. «Ohne Regenwürmer ist der Boden lahm», erklärte Wilhelm. «Um trotzdem noch gute Erträge vom Acker zu bekommen, wird mit viel Dünger und Pestiziden von außen nachgeholfen, was wiederum oft den Würmern schadet. Es ist ein Teufelskreis.»



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