Berlin (dpa) - In der Reisebranche herrschen nach dem Krisenjahr 2009 ebenso Skepsis wie Zuversicht, dass die Folgen der weltweiten Rezession bald überwunden sein werden. Die Vereinten Nationen rechnen vor allem dank der starken Nachfrage in Asien mit einer raschen Erholung des weltweiten Tourismus.
Folkloretänzer aus der Dominikanischen Republik begrüßen auf der ITB in Berlin die Gäste. Am Wochenende ist die Touristik-Messe für Privatbesucher geöffnet.
Die deutschen Touristikunternehmen sind eher zurückhaltend bei ihren Hoffnungen auf eine Trendwende. Der Generalsekretär der UN-Tourismusorganisation UNWTO, Taleb Rifai, sagte am Donnerstag auf der Reisemesse ITB in Berlin: «Die Ergebnisse der vergangenen Monate deuten auf eine Wiederbelebung hin, die etwas früher kommen und stärker ausfallen wird, als ursprünglich erwartet.» Dieses Jahr sei mit einem Anstieg der internationalen Gästeankünfte um drei bis vier Prozent zu rechnen. 2009 war laut UNWTO mit einem Rückgang der grenzüberschreitenden Ankünfte um vier Prozent auf 880 Millionen eines der schlechtesten Tourismusjahre.
Deutsche Reiseveranstalter und -verbände hatten sich zuletzt zwar vorsichtig optimistisch bei ihren Erwartungen an das Geschäft 2010 gezeigt. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau sei aber voraussichtlich in diesem Jahr noch nicht zu erreichen. Die Reisepreise sind im Keller, Umsätze schwinden, auch wenn die Urlauberzahlen zum Teil gleich hoch sind wie früher.
Zu den weiterhin wachsenden Sektoren gehören Kreuzfahrten. Die Branche hat 2009 in Deutschland erneut ein Rekordergebnis erzielt. Zum ersten Mal unternahmen mehr als eine Million Deutsche eine Hochseereise, berichtete der Deutsche Reiseverband (DRV). Damit lagen die 34 Anbieter auf dem deutschen Hochseemarkt um 13,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Binnen zehn Jahren hat sich die Zahl der Hochseeurlauber verdreifacht und für 2010 werden erneut zweistellige Zuwächse erwartet.
Die Flussschiff-Anbieter zählten gut 396 000 Urlauber, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Dort ging jedoch der Umsatz wegen Pleiten in zwei Reedereien zurück. Auch die teuren Luxusliner der TUI-Tochter Hapag-Lloyd waren 2009 nach Angaben der Reederei weiter gut besetzt.
Einen Anstieg der Gästezahl um fünf Prozent konnte anders als viele Konkurrenten der drittgrößte deutsche Reiseveranstalter Rewe für seine Pauschalreisetöchter ITS, Tjaereborg und Jahn Reisen melden. Der Umsatz sei allerdings in etwa auf Vorjahresniveau, da die Preise um vier bis fünf Prozent gesenkt worden waren. Der Veranstalter hofft, das Plus über das Jahr halten zu können. Insgesamt gelte jedoch: «Der Markt wird sicher noch eine Weile brauchen, um sich zu erholen», sagte Geschäftsführer Ralph Schiller. 2010 werde angesichts der Wirtschaftskrise und ihrer Folgen eher ein noch schwierigeres Jahr als 2009.