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Freude für Schüler - Geduldsprobe für Autofahrer

Artikel vom 03.02.2010 - 20.34 Uhr

Freude für Schüler - Geduldsprobe für Autofahrer

Vogelsbergkreis (rs/aaz). In der Nacht zum Mittwoch hatte der Winter das Kreisgebiet fest im Griff: Stellenweise starker Schneefall und vor allem immer wieder Schneeverwehungen über Straßen brachten den Verkehr in einigen Ortschaften zum Erliegen, in einigen Fällen sorgten auch festgefahrene Fahrzeuge dafür, dass andere nicht mehr weiter kamen.
Einige Flachdächer mussten von schweren Schnee befreit werden, wie hier bei einer Tankstelle in Ulrichstein.
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Einige Flachdächer mussten von schweren Schnee befreit werden, wie hier bei einer Tankstelle in Ulrichstein.
Von Ausfällen betroffen waren auch alle Anruf-Linien- und Anruf-Sammeltaxi-Angebote. Ausnahmen waren die südlich in den Vogelsbergkreis hineinfahrenden Buslinien 362 (Schotten - Nidda - Echzell - Reichelsheim - Friedberg) und Linie 372 (Gießen - Pohlheim - Lich - Laubach - Schotten), die den Betrieb aufrechterhielten, sofern es die Straßenverhältnisse zuließen. (so)

Bereits am Dienstag war wohlweislich für sämtliche Schulen der Unterricht abgesagt worden, hatte die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) rechtzeitig informiert, dass bis auf zwei Buslinien im Südkreis der Öffentliche Personennahverkehr am Mittwoch ruhen würde. In der Nacht hatten die Räum- und Streudienste dann alle Hände voll zu tun.

Wie in den Weihnachtsferien: Mittwochmorgen, kurz vor 8 Uhr, der Vorplatz der Albert-Schweitzer-Schule in Alsfeld war wie leer gefegt. Auch der Schülerparkplatz am Schulzentrum in der Krebsbach, auf dem sonst ein »erbitterter Krieg« um die letzten Parkplätze stattfindet, lag verwaist da. Der Grund: Das Wetter. Dienstag Nachmittag war der Unterricht an allen Schulen des Kreises auf Grund der schwierigen Straßenverhältnisse und der angekündigten weiteren Schneefälle in der Nacht zum Mittwoch abgesagt worden. Doch nicht nur die Schulen kapitulierten vor dem kältesten und längsten Winter seit Jahren: Auch die Sitzung des Kinder- und Jugendparlaments im Vogelsbergkreis, die für Dienstag Nachmittag im Alsfelder Rathaus geplant war, musste »witterungsbedingt« entfallen. Fast der gesamte lokale und regionale Busverkehr im Vogelsberg wurde am Mittwoch eingestellt. Und an den Alsfelder Schulen? Ganz so leer, wie auf den ersten Blick schien, waren sie doch nicht. Verwaltung und das Reinigungspersonal profitieren nicht vom »schneefrei«, sie müssen trotzdem arbeiten. Bernhard Grün, Hausverwalter der Max-Eyth-Schule (MES) Alsfeld berichtete, er und seine Leute hätten sogar mehr Arbeit als sonst. »Wenn die Schule endlich mal leer ist, kann man alles das erledigen, was sonst liegenbleibt.« So konnte Grün am Mittwoch ganz in Ruhe kaputte Lampen austauschen. Im Winter ist ohnehin mehr zu tun. »Der Winterdienst kommt ja zusätzlich dazu.«

Doch auch einige Schüler hatten sich an die Schule verirrt. Zum Beispiel die 23-jährige Christina Vitez, die an der MES eine Ausbildung zur Chemisch-Technischen Assistentin macht. Sie wusste nichts vom Schulausfall und ist den ganzen Weg von Bad Nauheim bis nach Alsfeld gefahren, um dann vor verschlossenen Türen zu stehen. Begeistert ist sie nicht, aber »es ist halt, wie’s ist.« Ein anderer Berufsschüler hat sich von Grebenau über die winterlichen Straßen nach Alsfeld durchgekämpft. Nun hat er keinen Unterricht und muss stattdessen in den Betrieb, um zu arbeiten. Der ist jedoch in Grebenau. Dass er umsonst nach Alsfeld gefahren ist, findet er »nicht so prickelnd.« Als Schüler hat man ja auch nicht so viel Geld für Sprit, erklärt er. Auch seine Mitschüler freuten sich nicht unbedingt über den Schulausfall. »Normalerweise rufen sie bei uns im Betrieb an und sagen Bescheid. Aber gestern ist nichts passiert«, erklärte einer von ihnen. Frau Horn vom Sekretariat der MES ist an diesem Morgen jedoch noch keinem Schüler begegnet. »Bis zu uns verirren die sich heute gar nicht.« Dafür erzählt sie, dass seit Dienstag Nachmittag ständig das Telefon klingelt. Die Schüler fragen, ob der Unterricht tatsächlich ausfällt. Und doch bleiben nicht alle Klassenräume der MES verschlossen: Die Techniker der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) sind da. Sie schreiben Prüfungen. »Wir haben nicht frei. Wir bezahlen sogar dafür, hier zu sein.«

Elisabeth Hillebrand, Leiterin der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) in Alsfeld berichtet von einem einzigen Schüler, der nichts ahnend zum Unterricht erschienen ist und dann erfreut wieder nach Hause gehen konnte. »Bei uns ist es ganz ruhig.« Die ASS, so erklärt Hillebrand, habe schon am Dienstag nach Rücksprache mit der Polizei beschlossen, den Nachmittagsunterricht ausfallen zu lassen, weil die Wetterverhältnisse um Alsfeld herum doch kritischer waren, als man das »so aus dem Fenster sieht.«



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Artikel vom 03.02.2010 - 20.34 Uhr
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