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»Das ist ein Fund von europäischer Bedeutung«

Artikel vom 27.08.2009 - 22.30 Uhr

»Das ist ein Fund von europäischer Bedeutung«

Lahnau/Frankfurt (rüg). Es ist »ein Fund von europäischer Bedeutung«, beschrieb Prof. Friedrich Lüth (Erster Direktor der Römisch-Germanischen Kommission Frankfurt) die ärchäologische Sensation. Es gehört »qualitativ zu den besten Stücken, die jemals auf dem Gebiet des ehemaligen Römischen Reichs gefunden wurden«, erklärte Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Gemeint ist der lebensgroße Pferdekopf einer vergoldeten Reiterstatue des Kaisers Augustus, der am 12. August bei Ausgrabungen auf dem Gelände der ehemaligen römischen Stadtgründung bei Waldgirmes in etwa zehn Metern Tiefe in einem Brunnen gefunden worden war.
In Frankfurt war gestern der bronzene Pferdekopf des Augustus-Standbildes ein begehrtes Fotografenobjekt.

(Fotos: rüg 2, dpa)
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In Frankfurt war gestern der bronzene Pferdekopf des Augustus-Standbildes ein begehrtes Fotografenobjekt. (Fotos: rüg 2, dpa)
Am Donnerstagvormittag wurde das in wissenschaftlichen Fachkreisen als einmalig angesehene Fundstück - nebst einigen anderen von der Grabungsstätte - im Deutschen Archäologischen Institut in Frankfurt im Rahmen einer Pressekonferenz erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

»Der Fund hat wegen seiner künstlerischen Qualität und seiner Provenienz eine weit über Hessen und auch über den nordalpinen Raum hinausgehende Bedeutung«, hob die Ministerin hervor. »Wir haben die Reste früherer europäischer Geschichte wiederentdeckt. Der einzigartige Pferdekopf zeugt vom geplatzten Traum der Römer, ein unter Ihrer Herrschaft geeintes Europa im modernen Sinne zu schaffen. Waldgirmes ist also durchaus ein Fundort von europäischer Bedeutung«, sagte Kühne-Hörmann.

Landesarchäologe Prof. Egon Schallmayer und Prof. Lüth stellten den Pferdekopf in seinem Rang als archäologische Entdeckung an die Seite des Keltenfürsten vom Glauberg oder der Himmelsscheibe von Nebra.

Die Ausgrabungen in Waldgirmes hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Bruchstücke eines lebensgroßen Reiterstandbilds zutage gefördert, das wohl Kaiser Augustus (23 v. Chr. bis 14 n. Chr.) darstellt. So wurden etwa ein Pferdefuß und ein schön verzierter Brustgurt des Pferdes gefunden.

Am 12. August entdeckten die Archäologen bei der Freilegung eines der beiden bisher nachgewiesenen Holzbrunnen nun den fast vollständigen Pferdekopf des Standbilds, der auf der Brunnensohle lag. Das Zaumzeug des Pferdes ist mit sechs Zierscheiben reich geschmückt. Auf der Stirn befindet sich eine Platte mit der Darstellung des Kriegsgottes Mars, an den Seiten sind sogenannte Viktorien (Siegesgöttinen) angebracht.

»Hervorragende künstlerische Qualität«

Weist der Fund allein schon auf Grund des genannten imperialen Hintergrunds auf reichspolitische Zusammenhänge hin, so werden diese durch die hervorragende künstlerische Qualität noch unterstrichen. Parallelen finden sich in Italien: Diese Figur wurde wohl von den bedeutendsten Künstlern im Römischen Reich geschaffen.



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