Die Autorenlesung am Donnerstagabend mit Sven Görtz in der Thalia-Buchhandlung war märchenhaft. »Liebe... ist eine besondere Form von Geisteskrankheit« hat Görtz
sein erstes Buch genannt, und er kommt zu dem Schluss, dass es gerade diese Form
von positiver Verrücktheit ist, die die Welt so dringend braucht.
Er begeisterte sein Publikum: Sven Görtz.
(Foto: hau)
Eben noch ist man durchs nasskalte Dunkel der Stadt geirrt, um einen schnöden Parkplatz zu finden. Wenige Schritte später wird man umfangen von Wärme und Licht, von Menschen, denen die Erwartungsfreude ins Gesicht geschrieben steht - und von mannshohen Bücherreihen. Das ist das Schlaraffenland, denkt man. Aber es kommt noch besser. Auf einem Lesepult lenken zwei kleine Zwerge die Aufmerksamkeit auf sich. Von hinten kannte man sie schon. Ihnen aber von Angesicht zu Angesicht gegenüberzusitzen, hat auf den ersten Blick etwas geradezu indiskret Enttarnendes. Nun, und dann schlüpft man in eben jenes Buch, dessen Titelseite der Wichtel neckische Rückansicht schmückt.
Tatsächlich begann die etwas andere Autorenlesung am Donnerstagabend in der Thalia-Buchhandlung märchenhaft. Etagenleiter Dr. Andreas Schmidt freute sich, im geräumigen Obergeschoss 160 Zuhörer und einen in Gießen beheimateten Autor begrüßen zu können, dessen magische Stimme zwar fast jeder von zahllosen erstklassigen Hörbüchern kennt und der schon so manchen Abend mit seinem feinsinnigen literarischen Kabarett verschönert hat. An diesem Abend aber stellte Sven Görtz sein erstes eigenes Buch vor - oder besser: er erweckte es zu pulsierendem Leben und nahm mit auf seine amüsante Spurensuche rund um das charmanteste Thema der Welt: die Liebe. »Es gibt nichts Vergleichbares in unserem Leben. Die erste Begegnung, der erste Blick; ein Moment von der Dauer eines Jahrhunderts; ein Blitzschlag erfüllt von Zauberkraft und Ungeschicklichkeit. Jeden von uns kann und wird dieser Schlag treffen; keiner kommt davon.« Diese Essenz seiner Spurensuche in Geschichte, Philosophie, Literatur und tagtäglichem Erleben schickt Görtz einem Abend voran, der bebt vor Lust an Sprache, Klang und Rhythmus - und dem augenzwinkernden Blick in Herz und Verstand.
»Liebe ... ist eine besondere Form von Geisteskrankheit«, hat Görtz sein Buch genannt und kommt zu dem Schluss, dass es gerade diese Form von positiver Verrücktheit ist, die die Welt so dringend braucht. Dass das von Ambrose Bierce für den Buchtitel geborgte Zitat mit dem Nachsatz endet »...die jedoch durch Heirat vollkommen geheilt werden kann«, beschreibt Görtz zwar als Tenor seines Buches, als von Zartrosa bis Purpur leuchtenden roten Faden, und doch sind seine federleicht zu Papier gebrachten Beobachtungen alles andere als desillusionierend.
Zur Erklärung des flatterhaften Phänomens Liebe, einer eigentlich unerklärlichen Sehnsucht, geht Görtz zurück bis zu den Neandertalern, er versenkt sich in die Gefühlswelten der berühmtesten Liebespaare der Literaturgeschichte und entdeckt die Spielarten zeitgenössischer Liebe auf charmante, amüsante Art und Weise. Er macht sie fest an acht, je nach Temperament unterschiedlich idealen Orten fürs erste Rendevouz und fügt tradierte mit moderner Erzählweise herzerfrischend locker zusammen. So auch bei seinen eigens eingeladenen »Interviewgästen« und Fachleuten in Liebesdingen: dem in breitestem frankforderisch babbelnden Geheimrat von Goethe und dem Vollblutitaliener Ovid. Zu Klang gewordene Gefühle verpackt der Mann mit dem gewissen Etwas in der Stimme überdies in Heine-Gedichte,
So verstreicht die Zeit wie im Flug, und man begreift buchstäblich, dass wohl kein anderes Ereignis als die Liebe Raum und Zeit derart vergessen lässt. Selbst »nach dem Happy End« müssen es Görtz’ Beobachtungen zufolge nicht nur alte Fregatten und Schaluppen sein, die im Hafen der Ehe vor Anker liegen. »Liegt das Geheimnis einer jeden Liebe nicht darin, denselben Rhythmus zu teilen und über die Jahre nicht aus dem Takt zu geraten?«, wirft Görtz in den Raum; und dass laut Lichtenberg eine Liebe ohne Misstöne sei wie ein Gedicht ohne »r«. Die abschließende Probe aufs Exempel überzeugt - mit einem Gedicht von Rainer Maria Rilke und dem lang anhaltendem Applaus eines begeisterten Auditoriums. Selbst die beiden kleinen Zwerge grinsen.
Gießen (cw). Zunächst mit 15 Punkten im Rückstand konnten die LTi Gießen 46ers sich nach einer kämpferischen Aufholjagd am Ende mit 84:67 gegen die TBB Trier durchsetzen. Dieser erste Heimsieg nach drei Monaten war für die Schützlinge von Chefcoach Vladimir Bogojevic ein Befreiungsschlag aus der Abstiegszone der laufenden Bundesligasaison.
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