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»alter ford escort dunkelblau« im Löbershof

Artikel vom 25.04.2010 - 18.19 Uhr

»alter ford escort dunkelblau« im Löbershof

Die Wandlungsfähigkeit der Studiobühne im Löbershof haben Regisseur Dirk Schulz und Ausstatter Bernhard Niechotz für die neue Produktion des Stadttheaters gut ausgenutzt. Am Freitag hatte Dirk Lauckes »alter ford escort dunkelblau« Premiere.
Auf dem Weg ins Legoland: Paul (Milan Pesl), Karin (Carolin Weber), Schorse (Frerk Brockmeyer) und Boxer (Dominik Breuer); v. l.
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Auf dem Weg ins Legoland: Paul (Milan Pesl), Karin (Carolin Weber), Schorse (Frerk Brockmeyer) und Boxer (Dominik Breuer); v. l. (Foto: Engelke)
Mit dem Stück wurde der 27-jährige, aus Halle/Saale stammende Laucke 2006 zum Dramatiker-Workshop beim Stückemarkt im Rahmen des Berliner Theatertreffens eingeladen; im selben Jahr erhielt er den Kleist-Förderpreis für »alter ford escort dunkelblau«.

2007 wurde das Stück in Osnabrück uraufgeführt und sein Autor für den Dramatikerpreis der 32. Mülheimer Theatertage nominiert (auch 2010 ist er wieder unter den Nominierten). Die Zeitschrift »Theater heute« wählte ihn zum »Nachwuchsautor 2007«. Heute gehört Dirk Laucke zu den angesagtesten Nachwuchsdramatikern auf deutschen Bühnen. Eine relativ kleine Spielfläche im Zentrum einer »Arena« von Plastiksesseln mit schmalen Gängen dazwischen diente den Schauspielern zur Aktion mitten im TiL-Publikum. Jeder hatte seinen portablen Design-Barstuhl in Gebrauch - nicht nur zum Draufsitzen, sondern gelegentlich als Drohinstrument. Denn in »alter ford escort dunkelblau« geht es auch mit emotionalen Ausbrüchen zur Sache.

Schorse, Paul und Boxer sind drei Typen, die in einem Getränke-Lager arbeiten und mit ihrem Leben unzufrieden sind. Schorse will das Ende seiner Ehe nicht begreifen, schwärmt von seiner Lieblingsband AC/DC und sehnt sich nach seinem kleinen Sohn, der bei seiner Mutter lebt. Boxer hat ein paar Ersparnisse und hadert mit der Leere seines Lebens. Paul will nicht Nachfolger seines Vaters, des Getränkehändlers, werden. Sie gehen mit einem alten Ford Escort auf die Fahrt in die Freiheit. Schorse entführt seinen Sohn im Kofferraum mit Ziel Legoland. Doch die Freiheit-und-Abenteuer-Reise hat ihre Tücken. Laucke baut ganz auf die Alltagssprache - zuweilen deftig - und wechselt die Ebenen. Er gibt Stichworte zum Reiseverlauf (»Tankstopp«, »Seitenstreifen«), lässt die drei Protagonisten Rückblicke halten und eins zu eins Gegenwart spielen, dabei Sprüche ablassen, die ihre Befindlichkeit spiegeln (Schorse: »Wir müssens ganz anders machen - ich weiß nur noch nicht wie«, oder Boxer: »Heute ändert sich alles, heute geht alles neu los, mal sehn, in was für ne Zukunft wir schliddern« ... »Das hier iss'n Scheißhaufen von Welt, solange es hier weitergeht.«). Es gibt eigentlich keine dramatische Klimax, sondern mehrere kleine Höhepunkte, darunter die klischeehaften Ehestreit-Szenen zwischen Karin und Schorse (der Sohn bleibt unsichtbar). Alle drehen sich letztlich im Kreis. Ihre Gefühlsstruktur ist von den prekären Lebensverhältnissen geprägt. Mit komischen und tragischen Momente darin - nicht ohne Humor. Die Durchzeichnung der Charaktere wird besonders deutlich in der Figur des Schorse, dem Frerk Brockmeyer fast schon rührend infantile Züge gibt. Dominik Breuer spielt den desillusionierten Boxer, und Milan Pesl gibt Paul, den Sensibelsten des Trios. Die resolute Karin mimt mit bezwingend präsentem Spiel Carolin Weber.

Die den Männern übergestülpten weißen Kopfmasken zeigen uns im wahrsten Sinn des Wortes geistig erstarrte Gipsköpfe. Lediglich Karin agiert offenen Auges. Die Reise als Metapher für (erhoffte) Veränderung, für Sehnsüchte und Träume - das ist kein neues Thema. Doch diese imaginäre Fahrt auf der Route 66 mit Ziel Legoland, dieser kollektive Traum dreier Stehengebliebener spricht jeden an, stellt Fragen, wie weit unsere Vorstellungen vom realen Sein gehen können und dürfen. Der geschlossene, teils mit Spiegelfolien ausgekleidete enge Raum des TiL wird im Laufe des Abends mehrfach gesprengt, wenn das rückwärtige Portal aufgeht und die urbane Realität eine erweiterte Perspektive freigibt. Olga Lappo-Danilewski

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Artikel vom 25.04.2010 - 18.19 Uhr
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