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Wettlauf mit Käfern beim »Aufräumen« im Wald

Artikel vom 30.06.2010 - 12.00 Uhr

Wettlauf mit Käfern beim »Aufräumen« im Wald

Vogelsbergkreis (jol). Seit drei Jahren arbeiten die hiesigen Forstämter eigentlich nur Schäden auf, die Stürme in die einst herrlichen Wälder gerissen haben.
Das ging aus dem Bericht von Hans-Jürgen Rupp, Leiter des Forstamts Romrod, im Landwirtschaftsausschuss des Kreistags hervor. Hintergrund war eine Anfrage der Grünen, die wissen wollten, wie sich Stürme, Käferschäden und die Ansiedlung des Holzindustriebetriebs Heggenstaller bei Reuters auswirken. Ergebnis: Kaum. Die großen Holzmengen aus drei Sturm-»Kalamitäten« werden vom Markt, unter anderem vom »Holz-Staubsauger« Heggenstaller aufgenommen, die Käfer haben es zu kalt und der Holzpreis ist zufrieden stellend.

Nur bei der Frage nach dem aktuellen Stand des »Waldsterbens« musste Rupp etwas schwammiger werden, weil es keinen Waldzustandsbericht für den Vogelsberg gibt. Nur für ganz Hessen ist belegt, dass 25 bis 30 % der älteren Bäume starke Schädigungen zeigen. Grund sind Umweltschädigungen in Kombination mit den speziellen Bedingungen vor Ort, zum Beispiel Wassermangel, wie Rupp erläuterte.

In der Ausschusssitzung unter Leitung von Hans-Ulrich Schmidt gab Rupp den Waldbericht auch für seine Amtsleiterkollegen der Forstämter Schotten und Burghaun (für den Bereich schlitz). Etwa 40% der Kreisfläche sind Wald, die Forstämter betreuen rund 40000 Hektar Staats- und Betreuungswald.

Normalerweise werden jährlich rund 350 000 Festmeter Holz eingeschlagen. Allein der Sturm Kyrill (2007) hat für eine Million Festmeter Holz gesorgt. Und 2008 kamen Emma (50 000 fm), im März Xynthia und erst vor zwei Wochen ein Unwetter mit zusätzlichen 15 000 fm. Ergebnis für die Forstämter: Sie räumen nur noch den Sturmschäden hinterher, meist mit Maschinen, oft mit privaten Lohnunternehmern.

Immerhin waren das Frühjahr im vergangenen und in diesem Jahr kühl, »und der Borkenkäfer mag es gern warm«. Deshalb konnten die Stämme nach und nach aus dem Wald geschafft werden, noch bevor das große Käfer-Fressen begonnen hat. Ein Borkenkäfer-Paar kann übrigens in einem Jahr über 100 000 Nachkommen erzeugen. Folge der Stürme ist nicht nur, dass die langfristige Waldplanung der Forstämter durchkreuzt wird, auch muss man viel Geld für Aufforstungen einplanen. Wie Ausschussmitglied und Forstamts-Mitarbeiter Jürgen Fornof erläuterte, wachsen von Natur aus auf Freiflächen schnell Pioniergewächse wie Birken und Sträucher hoch. Damit verdient das Forstamt aber später kein Geld, da muss man halt junge Buchen, Eichen und Douglasien setzen. Im Bereich des Forstamts Romrod sind 3 bis 4 Millionen Euro für Pflanzungen nötig, ergänzte Rupp.



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Artikel vom 30.06.2010 - 12.00 Uhr
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