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Vogelsberg Spitze bei extensiver Grünlandnutzung

Artikel vom 22.02.2010 - 21.04 Uhr

Vogelsberg Spitze bei extensiver Grünlandnutzung

Vogelsbergkreis (au). »Das abgelaufene Wirtschaftsjahr war für Hessen landwirtschaftliche Betriebe von starken Erlösrückgängen, vor allem bei Milch, aber auch im Ackerbau, geprägt.« Diese negative Bilanz zog Kreislandwirt Norbert Reinhardt bei der Ortslandwirteversammlung.
Eine Lanze brach RP Dr. Witteck auch für die regenerative Energie, denn er riet den Landwirten sich damit ein zweites Standbein
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Eine Lanze brach RP Dr. Witteck auch für die regenerative Energie, denn er riet den Landwirten sich damit ein zweites Standbein aufzubauen.
Die in der hessischen Regionalstatistik ausgewerteten 775 Haupterwerbsbetriebe erzielten im Wirtschaftsjahr 2008/2009 einen durchschnittlichen Unternehmensgewinn von nur noch 48 000 Euro. Gegenüber dem Vorjahresergebnis von etwas über 66 000 Euro sei dies ein Rückgang von 27 Prozent. Reinhardt gab zu bedenken, dass aus diesem Gewinn noch die privaten Entnahmen für die Familie und eine positive Eigenkapitalbildung für Tilgungen und Nettoinvestitionen finanziert werden müssten.

Unabhängig von der schlechten finanziellen Lage auf den Höfen sei der Verbrauch landwirtschaftlicher Nutzflächen ständiges Thema. Alleine der Bau der A 49 verschlucke rund 170 Hektar, für die EU-Wasserrahmenrichtlinien würden im Kreisgebiet 400 Hektar benötigt, und ein Gewerbegebiet sowie eine Freiflächenfotovoltaikanlage in Lauterbach verbrauchten weitere knapp 100 Hektar. Dank sagte er abschließend der Jägerschaft, denn in Gesprächen und Aktionen sei das Problem der großen Schwarzwildpopulation und die damit verbundenen Wildschäden angegangen worden.

Landrat Rudolf Marx dankte den Ortslandwirten und Gebietsagrarausschussmitgliedern für ihr ehrenamtliches Engagement. Besonders hob er die gute Zusammenarbeit zwischen dem Vogelsbergkreis, den Städten und Gemeinden sowie den Landwirten beim Winterdienst hervor. Bei den Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft liege der Vogelsbergkreis im Landesvergleich mit an der Spitze, und bei den Agrarumweltmaßnahmen wie der Ausgleichszulage (AGZ), der extensiven Grünlandbewirtschaftung und dem ökologischen Landbau stehe er sogar mit weitem Abstand an der Spitze aller hessischen Landkreise, betonte Regierungspräsident Dr. Lars Witteck. »Die Landwirtschaft im Vogelsberg hat die zur Verfügung stehenden Fördermittel hervorragend genutzt«, stellte er mit Stolz fest. Auch die Fördermöglichkeiten für die Dorf- und Regionalentwicklung sowie für die Unterstützung der lokalen Akteure würden im Vogelsberg intensiver genutzt als anderswo. Die Umsetzung der Vorgaben von EU, Bund und Land Hessen auf dem Gebiet der Agrarförderung liege zum größten Teil in den bewährten Händen des Amtes für den ländlichen Raum des Vogelsbergkreises als Bewilligungsbehörde. Dr. Witteck bedauerte, dass seine Behörde leider keinen Einfluss auf die Agrarpreise habe. Als Beispiel nannte er die »Faire Milch«. Dies sei ein Schritt in die richtige Richtung. Dem Verbraucher müsse klar gemacht werden, dass faire Milchpreise wesentlich zum Erhalt einer dauerhaften Grünlandwirtschaft und damit zum gepflegten Landschaftsbild in Mittelgebirgslagen wie dem Vogelsberg beitragen würden. Eine Lanze brach der RP auch für die regenerative Energie, denn er riet den Landwirten sich damit ein zweites Standbein aufzubauen. Hessen wolle bis 2020 mindestens 20 Prozent des Endverbrauches aus regenerativer Energie herstellen. Damit widersprach er klar den Ausführungen von Landrat Marx, der zuvor gefordert hatte, dass die Vogelsberger Landwirte auch Landwirte bleiben und sich nicht zu Energiewirten umwandeln sollten. Denn der Vogelsberg könne nicht alleine die Rettung des Weltklimas übernehmen. Abschließend ging Witteck noch auf verschiedene Sparmaßnahmen ein und stellte die Frage in den Raum, ob denn jede Kommune ein eigenes Standesamt oder eine eigene Kasse haben müsste. Zukünftig sollte überlegt werden, ob in jedem Stadt- oder Ortsteil ein Gemeinschaftshaus oder ein Feuerwehr-Gerätehaus unterhalten werden müsse. Prompt kam dann die Frage eines Ortslandwirts, ob man das Regierungspräsidium überhaupt brauche. Dr. Witteck gab dazu zu bedenken, dass bei der Auflösung desselben die geforderten gesetzlichen Vorgaben von anderen Stellen mit dem entsprechenden Personal erledigt werden müssten. Man spare also kein Geld.

Ausführlich informierte im Anschluss Dr. Maria Dolderer-Litmeyer über Aktuelles vom Amt für Veteri- närwesen Vogelsberg. Im Mittelpunkt stand dabei erneut das Thema »Blauzungenkrankheit«. So sei die BT-Impfung für Rinder, Schafe und Ziegen ab diesem Jahr freiwillig. Damit habe der Tierhalter mehr Eigenverantwortung zu tragen. Sie wies daraufhin, dass die Impfung der einzig wirksame Schutz gegen den BTV 8 Serotyp sei. Die freiwillige Impfung bei Schafen und Ziegen werde von der Tierseuchenkasse und dem Land unterstützt, bei den Rinder habe jedoch der Tierhalter die Kosten von 1,67 Euro pro Tier und einer Bestandgebühr von 19,67 Euro plus Steuer zu tragen, außerdem die Kosten des Tierarztes.

Karl-Peter Mütze, Leiter des Amt für den ländlichen Raum Vogelsberg und dessen Mitarbeiter informierten abschließend über Neues zur Agrarförderung 2010. Kreislandwirt Reinhardt dankte den Mitarbeitern des Amtes für den ländlichen Raum für die sehr gute Zusammenarbeit mit den Landwirten bei der Antragsannahme zur Agrarförderung. Von insgesamt 163 Ortslandwirten, davon fünf Frauen, waren knapp 150 anwesend. Ihnen wurden im Laufe der Versammlung wieder umfangreiche Informationsmaterialien ausgehändigt. (Fotos: au)

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Artikel vom 22.02.2010 - 21.04 Uhr
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