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Trojamythos wird sehr eindrucksvoll lebendig im Wallenfels'schen Haus

Artikel vom 15.07.2010 - 18.37 Uhr

Trojamythos wird sehr eindrucksvoll lebendig im Wallenfels'schen Haus

Klassische Philologen zeigen ihre Schau »Troja, Texte, Traditionen« im Wallenfels'schen Haus
Gemeinsam mit Homer: Vanessa Gaedtke und Tobias Einfalt, die die Ausstellung eröffneten.
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Gemeinsam mit Homer: Vanessa Gaedtke und Tobias Einfalt, die die Ausstellung eröffneten.
Um griffige Formulierungen sind die Altertumswissenschaftler ja nie verlegen, schon gar nicht, wenn es um die Titel von Ausstellungen geht. Das hat der Archäologe Dr. Matthias Recke schon hinlänglich bewiesen, und jetzt tun es ihm die klassischen Philologen der Justus-Liebig-Universität gleich bei ihrer Schau, die bis 29. August im Wallenfels’schen Haus zu sehen ist: »Troja, Texte, Traditionen« gemahnt schon sehr an »Titel, Thesen, Temperamente« aus dem Fernsehen.

Studierende der alten Sprachen taten sich unter Anleitung von Prof. Helmut Krasser und Dr. des. Mario Baumann im jetzt zu Ende gehenden Sommersemester zusammen, um sich mit dem Trojamythos zu beschäftigen. Rasch entschied man sich, zu dessen Aufbereitung den Weg der Gruppenarbeit zu gehen, und so entstanden fünf Zirkel, die sich des Stoffes auf spezielle Art näherten; da waren zum einen diejenigen, die sich mit Homer beschäftigten, nicht nur mit der Ilias, sondern auch mit der Odyssee, andere nahmen Vegils Aeneis ins Visier und damit die römische Variante. Es folgten sogenannte literarische Momentaufnahmen und didaktische Kurzformen als Studienobjekte sowie die Befassung mit den Autoren Dares und Dictys, die als fiktive»Augenzeugen« Geschichte fälschen, wenn sie Achill oder die letzten Stunden Trojas als Thema behandeln. Und dann galt der wissenschaftliche Blick der mittelalterlichen Rezeption, zu der auch das jetzt von der Universitätsbibliothek wohlwollend ausgeliehene und jetzt im Rahmen der Antikensammlung im Oberhessischen Museum präsentierte Gießener Trojabuch, das Anfang des 15. Jahrhunderts in Straßburg entstand und im 18. Jahrhundert in Gießener Besitz gelangte. Es ist reich bebildert, wovon die aufgeschlagene Seite eindrucksvoll Zeugnis gibt.

Zu all dem Erarbeiteten informiert ausführlich ein Begleitheft, das für 5 Euro erhältlich ist; es vollzieht die getane Arbeit mustergültig nach, wie schon ein Blick auf das differenzierte Inhaltsverzeichnis beweist. Da scheut man sich auch nicht davor, die homerische Frage, also jene nach einem oder mehreren Dichtern, nicht aus und ist damit ehrlicher als manche Ausstellung, die dem Mythos des einen blinden Dichters frönt und gar keine Zweifel aufkommen lassen will.

Zweispachige Textauszüge gehören jeweils wie selbstverständlich dazu, auch die Vorstellung des Epen-Personals, und es werden Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben. Mag Vergil in diesem Zusammenhang durchaus bekannt sein, so bieten die weiteren Kapitel wohl eher Unbekanntes, Spannendes aus dem lateinischen Sprachraum, wie wohl auch die Acta diurna belli eines Dares Phrygius oder die Ephemeris belli Troiani eines Dictys Cretensis nicht gerade zum Allgemeingut gehören, jetzt aber systematisch dargestellt werden; auch die mittelalterliche Befassung sellt über weite Strecken Neuland dar. Ehrlich gesagt: Wer wusste dass die hiesige Universitätsbibliothekt ein Trojabuch des frühgen 15. Jahrhunderts zu ihren Beständen zählt?

Die Archäologin Prof. Anja Klöckner hatte den Part der Begrüßung in »ihrer« Sammlung übernommen und betonte, dass das Ausstellungswesen im Hinblick auf eine spätere Berufswahl fester Bestandteil der Ausbildung sein müsse. Aus dem Kreis der zahlreich erschienenen Studierenden - die etwas älteren Herrschaften hatten sich teils mit kühlenden Fächern ausgestattet - übernahmen Vanessa Gaedtke und Tobias Einfalt die einführenden Worte, und dies taten sie stimmkräftig, durch die stete Abwechslung unterhaltsam und dem Stoff durchaus angemessen.



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Artikel vom 15.07.2010 - 18.37 Uhr
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