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TanzArt ostwest zwischen Lautmalerei, Jodeln und Opernarie

Artikel vom 25.05.2010 - 16.42 Uhr

TanzArt ostwest zwischen Lautmalerei, Jodeln und Opernarie

Der Tanzsonntag war lang, vor allem für diejenigen, die nach dem TiL noch die zweite und letzte Aufführung von »Stop the press!« in den Hallen der Gießener Allgemeine sehen wollten. Aber das tanzbegeisterte Publikum bewies Ausdauer. Bei fünf von sieben Aufführungen dieses Abends spielte der gesprochene Text eine wichtige Rolle, auch war es der Abend der Choreografien von Gießener Ensemblemitgliedern.
Romain Thibaud Rose erzählt eine Geschichte aus seiner Kindheit.
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Romain Thibaud Rose erzählt eine Geschichte aus seiner Kindheit.
Keith Chin erstellte mit vier seiner Kollegen eine temperamentvolle »Erkundung des Konzepts Familie«, die sich auf der Ebene geschwisterlicher Kabbeleien bewegte. Antonia Heß setzte mit dem Schauspielkollegen Christian Fries eine Reise zwischen Tag und Traum um - ambitioniert, aber zu lang. Svende Obrocki machte es kurz und heftig, so wie sie tanzt: In einem kraftvoll-witzigen Solo lotete sie das Thema Boden zwischen Bodenhaftung verlieren und am Boden festkleben aus. Sven Gettkant, einstiger Tänzer in Gießen, brachte aus Eisenach eine Choreografie für drei Kollegen mit, die sich dem für unsere Breitengrade etwas überraschenden Thema Jodeln widmete. Zwischen alpenländischem Liedgut, Schuhplattler und Pygmäen-Rhythmik war dies ein fröhlich unbeschwerter Beitrag.

Ihren eigenen Körper quasi neu erfunden hat die Spanierin Roser Lopez Espinosa. In ihrem preisgekrönten Stück zeigte sie maschinenhafte Bewegungen und Verdrehungen einzelner Körperglieder, die allein beim Zusehen Schmerzen verursachen konnten. Das Ende des sonntäglichen TiL-Tanzabends gestalteten Paradeiser (Münster) mit einem Stück, das in eine kafkaeske Fantasiewelt führte. Der Bochumer Schauspieler Pascal Riedel war mit seinem umfänglichen Textpart aus dem Roman »Amerika gibt es nicht« von Daniele Benati in die Tanzaktionen integriert. Die Atmosphäre des Unheimlichen wurde wesentlich von technischen Projektionen geschaffen: Auf Bildschirm-Paravents hatten die Silhouetten der drei Tanzenden ein Eigenleben, sie gaben den realen Personen ihre Aktionen vor. Ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Literatur und Tanz und eine inhaltlich wie ästhetisch überzeugende Einbindung moderner Technik.

Ein ausgesprochen sympathisches Duo kam aus London: die Israelin Hagit Yakira und der Japaner Takeshi Matsumoto zeigten das Miteinander eines Paares zwischen zärtlicher Behutsamkeit, gegenseitiger Überforderung durch hohe Ansprüche und selbstironischer Brechung. Beim Erklingen von swingender Jazz-Musik fanden sie immer wieder zueinander. Die natürliche Ausstrahlung der beiden war geradezu erholsam. Am Montag zeigten Yakira/Matsumoto noch ihr neuestes Stück »Oh Baby«, das eine ähnliche Thematik hat und immer zu signalisieren scheint: Leute, nehmt euch nicht so wichtig, genießt das Leben.

Romain Thibaud Rose (Frankfurt) erzählte eine Geschichte aus der Kindheit, bei der das (Französisch) Sprechen nur eingangs eine Rolle spielt, dann von weich fließenden Körperbewegungen und erstaunlichen, lautmalerischen Geräuschen übernommen wurde. Ansonsten waren am Montag vor allem langjährige Gäste mit ihren neuen Produktionen vertreten: Guido Markowitz (Köln) hatte ein junges »Duo« geschickt; die Compagnie Irene K. (Eupen/Belgien) war mit drei Tänzern und einer Opernsängerin (Marie-Laure Fiaux) gekommen, deren schön klingender Mezzosopran auf die in Geschlechterkampf und Alltagshektik verstrickten Tänzer beruhigend zu wirken schien; die Alpha Group Graz bot mit »Last Fragments« eine echte Premiere, Choreograf Darrel Toulon war eigens mit angereist. Allerdings geriet der Abschluss der TanzArt 2010 durch dieses Stück um Abhängigkeiten etwas schwermütig.

Das hielt die Beteiligten nicht davon ab, im Anschluss ein entspanntes Beieinander zu genießen und Diskussionen um das vielfältig Gesehene zu führen. So mancher Besucher bedankte sich bei Tanzdirektor Tarek Assam, dass er dieses Tanzfestival in Gießen organisiert und das lokale Kulturleben um internationale Kunst bereichert hat.

Dagmar Klein

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Artikel vom 25.05.2010 - 16.42 Uhr
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