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Stefan Mikisch erläutert am Stadttheater Gießen »Hoffmanns Erzählungen«

Artikel vom 09.03.2010 - 13.31 Uhr

Stefan Mikisch erläutert am Stadttheater Gießen »Hoffmanns Erzählungen«

Am Sonntagabend spielte und erklärte der Musiker Stefan Mikisch Jacques Offenbachs letzte Oper »Hoffmanns Erzählungen« im Musentempel am Berliner Platz.
Stefan Mikisch am Flügel bei einem Konzert.
(Theaterfoto: Harbach)
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Stefan Mikisch am Flügel bei einem Konzert. (Theaterfoto: Harbach)
Unvergessen ist die »eingedampfte« Fassung von Wagners »Ring des Nibelungen«, mit der Stefan Mikisch vor wenigen Jahren am Stadttheater für Begeisterung bei den Musikfans gesorgt hat (und gewiss auch Nicht-Wagnerianer beeindruckte). Seine Bayreuther Einführungsvorträge (seit 1998) haben inzwischen Kultstatus, doch Mikisch beschäftigt sich beileibe nicht nur mit diesem Komponisten. Vor allem hat er eine hochkarätige Ausbildung als Pianist genossen und mehrfach internationale Preise gewonnen. Am Sonntagabend spielte und erklärte der Musiker Jacques Offenbachs letzte Oper »Hoffmanns Erzählungen« im Musentempel am Berliner Platz.

Umfassendes musikalisches und fachübergreifendes Wissen, kombiniert mit exzellentem pianistischem Können und einer besonderen Prise unterhaltenden Humors - das präsentierte Mikisch auch an seinem neuen Abend in der erwarteten atemberaubenden Mixtur.

Der Meister des Gesprächskonzerts faszinierte ebenso gekonnt breitenwirksam wie musikspezifisch. Da gab es im gewandten Wechsel von Text und Tastenkunst Überraschendes über Zusammenhänge, Interpretationen und Tonarten zu erfahren. Mikisch schnitt auch Fragen an, die über das Thema Offenbach hinauswiesen. Auf der Hand lag dies, da das Opus ultimum des Wahl-Parisers, uraufgeführt posthum 1881, sich von seinen unterhaltsamen Erfolgsopern unterscheidet: »Hoffmanns Erzählungen« ist ein tragischer, romantischer Stoff, der mit seinen Bedeutsamkeiten und Verrätselungen recht tief in die Psycho-Kiste blicken lässt. Mikisch: »Eine ernste Oper, die wirklich gut ist.« Seine Meinung untermauerte er in den folgenden beiden Stunden auf vielfältige Weise.

Nach einem kurzen, informativen Blick in Vita und Werk des Komponisten (1819-1880), der aus einer jüdischen Musikerfamilie kam und Jacob Eberst hieß, bevor er sich nach seiner Geburtsstadt nannte und zu Jacques Offenbach wurde, stieg der Gast mit charmant südlichem Deutsch in seine Erläuterungen und mit herzhaftem pianistischem Zugriff in die Musik ein.

Die Titelfigur erzählt von drei Liebesbeziehungen - in drei zentralen Akten werden drei Frauentypen lebendig; Textgrundlage sind drei phantastische Geschichten von E. T. A. Hoffmann (die Doppelgestalt der Muse kommt aus A. de Mussets romantischem Gedichtzyklus »Les nuits«). Der Knüller des Giulietta-Akts, die berühmte Barkarole, stammt allerdings aus einer anderen Offenbach-Oper, »Die Rheinnixen«. Hier sei stellvertretend für zahlreiche virtuose Exkurse die verblüffende Collage von Offenbach und Maurice Ravel genannt, mit der Nikisch musikalische Gemeinsamkeiten am Flügel hörbar machte. Er zog zu Vergleichen in Rhythmik und Tonarten etwa auch Rachmaninow, Johann Strauß, Richard Strauss, Erich Korngold und natürlich Richard Wagner hinzu und bot dazu am Klavier überraschende Hörerlebnisse, die ihn auch als Arrangeur und Komponisten auswiesen.



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