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Stadttheater eröffnet mit »Die Orestie« von Aischylos neue Spielzeit

Artikel vom 31.08.2010 - 19.00 Uhr

Stadttheater eröffnet mit »Die Orestie« von Aischylos neue Spielzeit

»Die Antike hat auf dem Spielplan gefehlt«, betonte Schauspieldirektor Matthias Schubert, als er nun mit Regisseur Titus Georgi und Bühnenbildnerin Katja Wetzel Appetit machte auf die Premiere der »Orestie«. Die antike Trilogie von Aischylos wird am Samstag, 4. September, die Spielzeit im Stadttheater eröffnen – eine Spielzeit, in der immer wieder die Frage nach dem inneren und äußeren Zustand unserer Gesellschaft aufgeworfen werden wird.
Gastregisseur Titus Georgi (Mitte) und Katja Wetzel, die für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnet, im Gespräch mit Sch
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Gastregisseur Titus Georgi (Mitte) und Katja Wetzel, die für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnet, im Gespräch mit Schauspieldirektor Matthias Schubert (l.). (Foto: Schepp)
Mit der »Orestie« gehen die Theaterleute zurück zu den Anfängen der Demokratie und der Geburtsstunde der modernen Gesellschaft, denn die einzige erhaltene Trilogie der griechischen Antike beschreibt den bahnbrechenden Prozess, in dem Rache durch Rechtsprechung, Fremdbestimmung durch Selbstbehauptung abgelöst wurde.

Aischylos hat in seiner dreiteiligen Tragödie die Geschichte des Geschlechts der Atriden zur Grundlage genommen. Der Trojanische Krieg ist beendet, doch während auf den Schlachtfeldern die Waffen ruhen, werden im Palast Agamemnons die Messer gewetzt. Mit der Seherin Kassandra als Kriegsbeute ist er zurückgekehrt und findet Gattin Klytaimnestra nicht nur in den Armen ihres Geliebten Aigisthos wieder, sondern auch den Rivalen an seiner statt auf dem Thron. Zwei Herrscher in einem Land und die Eheleute heillos zerstritten – das kann nicht gut gehen und folglich nimmt das Schicksal seinen Lauf. Klytaimnästra, die untreue Königin, erschlägt ihren Mann Agamemnon. Sie hat ihm nicht verziehen, dass er die gemeinsame Tochter Iphigenie aus Kriegsstrategie geopfert hat. Aber es geht ihr auch darum, die neue Liebe und ihren Anteil an der Macht zu sichern.

Da tritt im zweiten Teil der Trilogie Königssohn Orestes auf den Plan, der von dem Gott Apollon den Auftrag erhalten hat, den Tod des Vaters zu rächen. Orestes tötet Klytaimnästra und ihren neuen Gefährten. Doch fortan gilt ihm, dem Muttermörder, die ganze Verachtung. Erst Göttin Athene kann der Spirale der Gewalt, dem schier endlosen Kreislauf der Rache, ein Ende setzen. Sie bezähmt die Rachegöttinnen und lässt Gericht halten. Das Prinzip der Blutrache wird durch eine ordentliche Rechtsprechung ersetzt und das Gericht der Götter spricht Orestes frei.

Regisseur Titus Georgi – in Gießen von früheren Inszenierungen wie »Verbrennungen« oder »Dantons Tod« noch in guter Erinnerung – verwendet in seiner »Orestie« die legendäre Übersetzung Peter Steins für die Berliner Schaubühne. Allerdings mit kräftigen Streichungen, die das neunstündige Opus auf ein passables Maß stutzen. »Sie werden vor Mitternacht das Haus verlassen haben«, scherzt Dramaturg Matthias Schubert.

Reduktion auf das Wesentliche ist auch beim Bühnenbild angesagt, das Katja Wetzel entworfen hat. Alle drei Teile der »Orestie« werden in einem Einheitsraum gespielt. Eine vom Orchestergraben in den Bühnenhimmel reichende Treppe wird nicht nur die Verbindung der Menschen zu den Göttern symbolisieren, sondern auch den Figuren Raum geben. »Mir war schnell klar, dass ich mich auf die einzelnen Figuren konzentrieren muss«, berichtet Titus Georgi, der seit Anfang Juli – unterbrochen nur von der Sommerpause – mit dem gesamten Ensemble in intensiven Proben steckt. Die Schauspieler haben ein spezielles Körpertraining absolviert und der Chor, der das Spiel wie im antiken Drama üblich kommentiert und reflektiert, muss seitenlange Texte auf rhythmische Linie bringen. Hier hat besonders Corbinian Deller, der sein erstes festes Engagement am Stadttheater antritt, eine »wahnwitzige Aufgabe« übernommen. Er wird nicht nur im Chor eingesetzt, sondern spielt auch den Orestes.

In weiteren Hauptrollen zu sehen sein werden Kai Hufnagel als Agamemnon, Kyra Lippler als Kassandra, Roman Kurtz als Aigisthos, Carolin Weber als Klytaimnestra und Irina Ries als Elektra. gl

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Artikel vom 31.08.2010 - 19.00 Uhr
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