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Philharmonisches Orchester eröffnet neue Stadttheater-Spielzeit

Artikel vom 25.08.2010 - 17.19 Uhr

Philharmonisches Orchester eröffnet neue Stadttheater-Spielzeit

Das Philharmonische Orchester Gießen eröffnete am Dienstag die neue Spielzeit des Stadttheaters mit Werken von Chopin, Schubert, Mozart und Cherubini. Am Klavier saß Ragna Schirmer.
Bürgt für große Emotionalität: Pianistin Ragna Schirmer.	(Agenturfotos)
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Bürgt für große Emotionalität: Pianistin Ragna Schirmer. (Agenturfotos)
Nun sind Künstler, namentlich die Pianisten, auch nur Menschen. Und sie geraten in Ausnahmesituationen in Nervosität. Etwa wenn sie für einen erkrankten Kollegen einspringen müssen. Dann läuft nicht immer alles so glatt wie geplant. Dieses Schicksal ereilte am Dienstagabend zum Auftakt der neuen Spielzeit im Stadttheater die Pianistin Ragna Schirmer - sie war für Olga Sheps eingesprungen, die sich vor wenigen Tagen eine Lebensmittelvergiftung zugezogen hatte.

Im dritten Satz von Frédéric Chopins 1. Klavierkonzert, dem feurigen Rondo, patzte Schirmer im rhythmisch vertrackten Mittelteil, was nur bedingt auffiel, weil die Virtuosin, als sie merkte, den Faden zu verlieren, die Wendung einfach ausließ - am meisten ärgerte das Schirmer selbst, die am liebsten aufgesprungen wäre vor Zorn.

Wie zum Trotz und um zu zeigen, dass sie die schwierigsten und schnellsten chopinschen Fingerverrenkungen meisterlich zu spielen versteht, ließ sie nach stürmischem Applaus als Zugaben die Etüden 10/4 und 10/6 des großen Romantikers folgen - in einem Tempo, bei dem einem angst und bange werden konnte.

Schirmers Spiel zeichnete sich durch große Emotionalität aus. Mit handfestem Anschlag perlten die Kaskaden (bis auf jene im Finale), Oktavparallelen und Triolen. Der zweite Satz, das romantische Larghetto, verfügte über Ausdruck, Schirmer wedelte mit den Tönen wie mit einer Pankha - das hatte Tiefgang und Gefühl.

Mit variabler Intensität und etwas zu viel Pedaleinsatz jubilierte sie durch das Allegro, in dem sie feine Rubati zauberte und das begleitende Orchester zum Statisten degradierte. Generalmusikdirektor Carlos Spierer hatte mit dem Philharmonischen Orchester Gießen wie üblich keinerlei Probleme. Sicher führte er sein Ensemble durch den Abend. Bei Chopin war ohnehin klar: Das Orchester dient als schmückendes Beiwerk, der Solist ist der Star. Gleichwohl musizierte das Ensemble mit Sorgfalt, Spierer hielt die Tempi moderat.

Mit Verve gingen die Gießener Musiker Luigi Cherubinis Ouvertüre zur 1797 uraufgeführten Oper »Médée« an - das Stück gelang wie aus einem Guss. Die für jene Zeit ungewöhnlich farbige Instrumentation machte Lust auf mehr.



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Artikel vom 25.08.2010 - 17.19 Uhr
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