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Patientenfürsprecher hört frustriert auf

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Artikel vom 28.10.2011 - 11.06 Uhr

Patientenfürsprecher hört frustriert auf

Gießen (mlu). Unterm Strich fiel das Fazit der Patientenfürsprecher des Landkreises Gießen positiv aus, als sie am Mittwochabend dem Kreisausschuss für Soziales, Jugend, Frauen, Integration, Gesundheit und Ehrenamt von ihrer Tätigkeit berichteten. Punktuell kamen allerdings eklatante Mängel zur Sprache.

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Die Patientenfürsprecher (von links): Dr. Klaus Becker, Brigitte Block, Edith Nürnberger und Hans Fink. (Foto: mlu)
Schwerwiegendster Punkt: die Verweigerung der Einsicht in die Patientenakte (nach Vorlage der entsprechenden Entbindung von der Schweigepflicht), so geschehen in der Vitosklinik für forensische Psychiatrie Haina (Außenstelle Gießen). Gewiss ein sensibler Bereich, doch für Hans Fink Grund genug, seine ehrenamtliche Tätigkeit als Patientenfürsprecher niederzulegen. Dr. Klaus Becker tritt Ende des Jahres an seine Stelle.

»Mehr Druck auf Kliniken«

Fink betonte, dass seine Kritik ausschließlich der Forensischen Psychiatrie Haina gelte. Akteneinsicht fordere er dann, wenn Aussagen von Patienten und Klinikpersonal stark divergieren, um den problematisierten Sachverhalt besser einschätzen zu können. Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Januar 2006 sei dies auch sein gutes Recht. Leider waren im Ausschuss – trotz Einladung – keine Vertreter der einschlägigen Kliniken erschienen, um zu etwaigen Vorwürfen Stellung zu beziehen. Finks Kritik sorgte für Empörung im Gremium. Günther Semmler (FW): »Es ist unakzeptabel, dass Vertreter des Kreises und somit der Öffentlichkeit so abgespeist werden.« Der Ausschuss will nun die Kritik auf ihre rechtliche Grundlage prüfen und sämtliche Kliniken mit den vorgebrachten Vorwürfen konfrontieren.

Edith Nürnberger (zuständig unter anderem für Teile der Uniklinik und Balserische Stiftung) beklagte mangelnde Kommunikationsbereitschaft seitens der Klinikleitung, es habe überhaupt kein Treffen stattgefunden. Da ihr die Ansprechpartner fehlten, belaste sie auch viel Recherchearbeit. Stark moniert wurden von ihr die langen Wartezeiten – wohlbemerkt für Kassenpatienten – in den Ambulanzen, besonders in Augen- und Hautklinik, ferner auch in der Kinderklinik, teilweise hätten sie bis zu acht Stunden gedauert. Mitunter fühlten sich die Patienten über ihre Versorgung unzureichend aufgeklärt. Da sie nach ihrer Vermittlung der ihr zugetragenen Probleme keine Rückmeldung erhalte, könne sie den Erfolg ihrer Arbeit nur mit Abstrichen einschätzen.

Hans Fink (Vitos-Klinik) gab in seinem Bericht zu bedenken, dass manche Beschwerden (etwa über das Essen oder den räumlichen Zustand) auf das »sensible Empfinden einzelner Personen« zurückzuführen sei. In der Regel hätten die angesprochenen Missstände mit den Stationsleitern oder der Klinikleitung schnell und unbürokratisch behoben werden können. Insgesamt erfolgten Patientenanfragen seit der Zertifizierung der Klinik (2008) »eher sporadisch.« Eine ähnliche Einschätzung gab Brigitte Block für die Asklepios-Klinik in Lich, nach deren Erfahrung die Anfragen an Patientenfürsprecher seit der Zertifizierung im Jahr 2004 abgenommen haben.

Da im Ausschuss lediglich die Problemfälle diskutiert wurden, traten die positiven Rückmeldungen der Fürsprecher, die ihre vorgelegten Berichte nicht extra referierten, in den Hintergrund. Gesundheitsdezernent Dirk Oßwald kündigte an, mehr Druck auf die Kliniken ausüben zu wollen, damit sie beim nächsten Bericht der Patientenfürsprecher im Sozialausschuss vertreten sind, sodass künftig eine umfassende und verbindliche Aussprache erfolgen kann.

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Artikel vom 28.10.2011 - 11.06 Uhr
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