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Meinhard Miegel las in der Thalia-Buchhandlung

Artikel vom 21.04.2010 - 14.47 Uhr

Meinhard Miegel las in der Thalia-Buchhandlung

Die Gedanken, die der Sozialwissenschaftler und Publizist Meinhard Miegel in seinem neuen Buch »Exit. Wohlstand ohne Wachstum« entwickelt, das er am Dienstag in der Thalia-Buchhandlung vorstellte, leuchten unmittelbar ein.
Meinhard Miegel liest bei Thalia.	(Foto: jou)
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Meinhard Miegel liest bei Thalia. (Foto: jou)
Eigentlich leuchten die Gedanken, die der Sozialwissenschaftler und Publizist Meinhard Miegel in seinem neuen Buch »Exit. Wohlstand ohne Wachstum« entwickelt, das er am Dienstag in der Thalia-Buchhandlung vorstellte, unmittelbar ein, gleichwohl scheint die vorherrschende, von vielen Ökonomen vertretene Position eine andere zu sein, ist doch nach wie vor oft in den Medien zu hören, dass unsere Wirtschaft weiter wachsen müsse. Die Gesellschaft gerate geradezu in Panik, wenn das Wachstum aus irgendwelchen Gründen stockt, äußerte Miegel. Dabei beschränke sich die wirtschaftliche Expansion auf einen relativ kurzen Abschnitt der Geschichte; richtige Bewegung sei in den industrialisierten Ländern erst Mitte des 20. Jahrhunderts aufgekommen.

Die Notwendigkeit von Wachstum wird unter anderem mit der Befriedigung materieller Bedürfnisse und der Sicherung von Arbeitsplätzen begründet, doch reiche dies nicht aus, dieses Phänomen hinreichend zu erklären; so werde über die Segnungen, nicht aber über die Schattenseiten geredet. Aus Miegels Sicht ist das Wachstum eine Ideologie, die metaphysisch-religiöse Züge angenommen habe. Der Haken daran: Materieller Wohlstand könne nicht immer weiter gemehrt werden. Die Bevölkerung spüre, dass die Entwicklung den Höhepunkt erreicht habe und dem Ende zulaufe.

Demzufolge erfordere der Wohlstandsbegriff eine Neudefinition. Wichtig sei die Reaktivierung immaterieller Wohlstandsfaktoren, die für lange Zeit in den Hintergrund getreten seien. Miegels Appell ist nicht etwa Verzicht zu üben, vielmehr steht im Mittelpunkt seines Buches die Botschaft, dass ein materieller Rückgang unabwendbar kommen wird, ja bereits in vollem Gange sei. Seit einigen Jahren zeigten sich verstärkt die Schäden der wirtschaftlichen Entwicklung. Der zügige Verbrauch der Ressourcen sei nur akzeptabel, wenn geklärt werde, wie es weitergehe.

Ferner müssten die Arbeitsmärkte auch ohne Wachstum funktionieren können. Miegel bezieht sich auf die frühindustrialisierten Länder und ist sich dessen bewusst, dass es global gesehen weiter Wachstum geben wird, auch erkennt er die Problematik, die im Wunsch armer Länder liegt, am Wohlstand teilhaben zu wollen. Es gelte, die Bevölkerung in den frühindustrialisierten Ländernes auf die Änderungen vorzubereiten. Zu einem Bewusstseinswandel müsse das Bildungssystem beitragen. Vor allem Kindern sollte immaterieller Wohlstand vermittelt werden. Bildung sei immer stärker auf wirtschaftliche Erfordernisse hin fixiert worden; mehr denn je sei nun die Fähigkeit des Menschen gefragt, aus sich selbst zu schöpfen. jou

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Artikel vom 21.04.2010 - 14.47 Uhr
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