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Mehr Verkehrstote in Stadt und Kreis Gießen als im Vorjahr

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Artikel vom 11.02.2016 - 17.15 Uhr

Mehr Verkehrstote in Stadt und Kreis Gießen als im Vorjahr

Gießen (sha). Das vergangene Jahr war ein rabenschwarzes: 25 Personen starben bei Unfällen in Stadt und Landkreis Gießen. Zählt man die tragische Kollision vom 5. Januar mit, bei der ein 41-jähriger Autofahrer aus Gießen wenige Hundert Meter hinter der Kreisgrenze bei Langgöns verstarb, sind es sogar 26. So viele wie nie innerhalb der letzten zehn Jahre. In einer Karte gibt's die Übersicht.

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Stumme Mahner am Straßenrand: Kreuze erinnern an die Unfalltoten.
© Norbert Schmidt
Und mehr als doppelt so viele wie 2014. Woran liegt das? Was sind die Ursachen für diesen furchtbaren Rekord?

Schwierige Suche nach Ursachen

Beim Polizeipräsidium Mittelhessen gibt es keine schnellen Antworten. Nur Ernüchterung. Denn: Die Erfahrung der vergangenen Jahre ließ eine deutlich geringere Zahl realistisch erscheinen. Seit 2006 hatte sich die Statistik bei jährlich etwa 15 Verkehrstoten eingependelt. Zwar gab es auch Ausreißer nach oben – 2006 und 2007 starben 16 bzw. 17 Menschen auf den heimischen Straßen. Allerdings waren es 2008 »nur« neun, 2013 acht und 2014 elf. Doch statt der »zu erwartenden« Anzahl gab es 2015 einen dramatischen Anstieg. Polizeihauptkommissar Gerold Bunge kann jedoch nicht »den einen Grund« benennen, der eine Erklärung dafür liefert. Die tödlichen Unfälle 2015 ereigneten sich innerhalb geschlossener Ortschaften genauso wie auf Autobahnen, auf den Bundesstraßen vor den Toren Gießens wie auf abgelegenen Landstraßen. Unter den Unfallverursachern gab es Heranwachsende, Senioren und Verkehrsteilnehmer mittleren Alters. »Man muss jeden Einzelfall prüfen«, erläutert Bunge im Gespräch mit dieser Zeitung.



Der Beamte ist im Präsidium für Angelegenheiten der Verkehrssicherheit zuständig. Zusammen mit Kollegen analysiert er mögliche Ursachen, die zu den tödlichen Unfällen geführt haben könnten. Das sei manchmal »ganz schön schwierig«. Oft könne niemand mehr befragt werden – etwa, wenn bei einem sogenannten »Alleinunfall« der Fahrer stirbt oder bei einem frontalen Zusammenprall beide Fahrzeugführer ums Leben kommen. Trotz der Gutachten diverser Sachverständiger lasse sich die Ursache nicht immer zweifelsfrei feststellen. Die Ergebnisse, die Bunge und seine Kollegen zusammentragen, sind Teil der jährlichen Unfallstatistik, die im Frühjahr veröffentlicht wird.

Allerdings gebe es eine Tendenz: »Die nicht angepasste Geschwindigkeit ist ein Dauerbrenner.« Auch 2015. Das heiße jedoch nicht, dass die Unfallfahrer schneller als erlaubt unterwegs gewesen seien. Vielmehr seien sie »in der jeweiligen Situation zu flott gefahren«. Bei nasser Fahrbahn oder schlechter Sicht dürfe man nicht mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit unterwegs sein. Eine weitere Ursache der tödlichen Unfälle 2015 scheinen Fahrfehler durch Unaufmerksamkeit zu sein. Das liege daran, dass die Personen am Steuer abgelenkt waren, erklärt Bunge. Gründe können beispielsweise das Bedienen von Handys oder Radios sein.

Insgesamt mahnt der Polizist zu vorausschauendem Fahren und mehr Geduld. Ein ausreichender Sicherheitsabstand gewährleiste die nötige Zeit, um reagieren zu können. Die Verkehrsteilnehmer sollten versuchen, lieber früher zu einem Termin aufzubrechen und dafür weniger hektisch zu fahren, appelliert Bunge. Denn: »Nach einem tödlichen Unfall bleibt gar keine Zeit mehr.«

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Artikel vom 11.02.2016 - 17.15 Uhr
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Leserkommentare
(12.02.2016 10:16)
Leser
Karte ist ein Witz
Eine Karte, auf der die Marker irgendwo auf einer langen Straße gesetzt sind, aber nicht dort, wo der Unfall passiert ist, ist völlig unbrauchbar und hilft in keiner Weise, sich selber ein Bild zu machen. Das eigene Zeitungsarchiv hätte sicherlich geholfen, den Ort in fast allen Fällen richtig zu lokalisieren und die Ursachen und die Rahmenbedingungen genauer zu beschreiben. So werden Gefahren an Stellen gesehen, wo nichts passiert ist.
(12.02.2016 08:08)
k.w.
Erstaunlich
Obwohl die vielen Blitzer/ Geschwindigkeitsmessungen, ob Mobil oder fest, nach Aussage der Verkehrsbehörde zur Steigerung der Verkehrssicherheit dienen soll. Sagen wir es mal so, dass es sich um eine erzieherische Maßnahme handelt, steigt die Zahl der tödlichen Unfälle. Mit Verlaub, ich will nicht boshaft klingen, aber das einzige was hier erreicht wird ist die eine zusätzliche Einnahmequelle für die öffentliche Hand geschaffen. Ich kann mich zwar irren, aber ich werde dieses Gefühl nicht los. Ähnlich sehe ich dies mit den immer weniger werden Parkflächen und den bis spätabends knöllchenschreibenden Hipos. Hat dann natürlich zur Folge, dass nun schneller, auch in Tempo 30-Zonen, gefahren wird.
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