Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Übersicht »

Kalaidjiev bringt das Hilfsprojekt »Musik statt Straße« auf den Weg

Artikel vom 17.02.2010 - 19.58 Uhr

Kalaidjiev bringt das Hilfsprojekt »Musik statt Straße« auf den Weg

Geiger Georgi Kalaidjiev hat in Bulgarien das Hilfsprojekt »Musik statt Straße« auf den Weg gebracht. Das Kammermusikensemble Studio Konzertante half mit einer Spendenaktion.
»Musik statt Straße«: Georgi Kalaidjiev mit einigen der talentierten Kinder aus dem bulgarischen Sliven.	(Foto: hau)
Lupe - Artikelbild vergrössern
»Musik statt Straße«: Georgi Kalaidjiev mit einigen der talentierten Kinder aus dem bulgarischen Sliven. (Foto: hau)
Wenn Georgi Kalaidjiev von seiner Heimatstadt Sliven erzählt, glänzen seine Augen. Auch nach siebzehn Jahren in Gießen schlägt das Herz des Violinvirtuosen für die uralte Stadt mitten in Bulgarien. Und für die Menschen, die dort leben, insbesondere für die Kinder. Wann immer er durch die Straßen der Metropole zu Füßen der »Blauen Steine« schlendert, grüßen ihn die Menschen. Sie schätzen ihn, den ehemaligen Konzertmeister der weltberühmten Sofioter Solisten, mit denen er 18 Jahre lang als Botschafter bulgarischer Kultur auf umjubelter Tournee rund um den Globus war.

Auch in Gießen sind sein Name und sein Gesicht fast jedem vertraut. Seit 1993 ist Georgi Kalaidjiev Geiger bei der Städtischen Philharmonie, außerdem Gründer, musikalischer Leiter und Spiritus Rector des Kammermusikensembles Studio Konzertante. Er ist Mitglied in der Formation Escarmouche, musikalischer Leiter des Collegium musicum Stadtallendorf, und er unterrichtet Geige bei schulischen und interkulturellen Einrichtungen. Kalaidjiev ist nicht nur Künstler und Lehrer: Bescheiden und umsichtig macht er sich auch stark für humanitäre, kulturelle und pädagogische Ziele.

Seit Kalaidjiev sich in der schweren Zeit nach der Wende gezwungen sah, seine Heimat zu verlassen, hat er kulturelle Kontakte zwischen Deutschland und Bulgarien geknüpft. Mit seiner Hilfe konnten bulgarische Künstler ihr Können in Deutschland zeigen. Kindertanzgruppen kamen, begeisterten die Hessentagsbesucher und lernten bei ihren Auftritten an Gießener Schulen deutsche Kinder kennen. So manche Benefiz- und Spendenaktion sowohl zugunsten von armen Familien in Sliven als auch für UNICEF, Hochwasserhilfe für das Stadttheater in Döbeln und Kinderhilfe in Uganda (GAIN) hat Ka- laidjiev schon initiiert und in Bulgarien musikalische Sommerakademien und Konzerte mit seinem Kammerorchester Collegium musicum veranstaltet. »Die Kinder sind die eigentlichen Verlierer unserer Zeit«, hadert Kalaidjiev mit dem Schicksal zahlloser Familien in seiner Heimat, wo seiner Erfahrung nach die Schere zwischen Arm und Reich immer stärker auseinander-klafft.

Als Kalaidjiev vor zwei Jahren mit seiner Frau Maria wieder einmal Sliven besuchte, waren die beiden von der Armut derart erschüttert, dass sie Essen kauften, um es an die Hungernden in den Straßen zu verteilen. Sie überlegten, wie sie nachhaltig helfen könnten. Das war die Geburtsstunde des Kinderhilfsprojekts »Musik statt Straße«. Kalaidjiev erläutert die Idee: »Musik erzieht die Kinder, sie bildet und beschenkt umfassend.« Überdies biete aktives Musizieren soziale Kontakte, gebe Halt und eröffne eine neue Welt. »Das Beste der Musik steht nicht in den Noten«, zitiert Kalaidjiev Gustav Mahler, und er weiß, wovon er spricht.

Georgi Kalaidjiev denkt an sein eigenes Schicksal: an den fünfjährigen Jungen, dem sein Vater die ersten Lieder auf der Geige beibrachte, dessen besondere Liebe zu diesem Instrument und ein außergewöhnliches Talent entdeckt wurden - nach ungezählten Stunden fleißigen Übens unter der Obhut von guten Lehrern. »Nach der Aufnahmeprüfung lernte ich fünf Jahre an der Musikschule. Es war eine schöne, aber auch schwere Zeit. Das Geld reichte nicht und ich musste es mir mit Arbeit verdienen«. Auch das Musikstudium in Sofia hätten sich die Eltern nicht leisten können, erinnert sich Kalaidjiev. Ohne das Dobri-Tschintolov-Stipendium der Stadt Sliven hätte er es nicht geschafft. »Heute gibt es diese nach dem berühmten Sohn der Stadt benannte Unterstützung für arme, talentierte Kinder nicht mehr«, bedauert Kalaidjiev.



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 17.02.2010 - 19.58 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang