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Jan Delay & Disko No. 1 begeistern in der Hessenhalle

Artikel vom 17.03.2010 - 17.43 Uhr

Jan Delay & Disko No. 1 begeistern in der Hessenhalle

Die Temperatur durch mitreißenden Soul auf der Bühne und ausgelassenes Feiern davor auf 100° C zu treiben, war der rote Faden und das erklärte Ziel Jan Delays und seiner elfköpfigen Band Disko No. 1 bei ihrem beeindruckenden Auftritt am Dienstagabend in der Hessenhalle.
Jan Delay bestens gelaunt.	(Foto: axc)
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Jan Delay bestens gelaunt. (Foto: axc)
Zwar vergaß der Soulmeister aus Hamburg irgendwann während der Zugaben das weitere Ansagen der aktuell gefühlten Partytemperatur, aber die Gesichter des altersmäßig erfreulich gemischten Publikums (Eltern begleiteten ihre pubertierenden Kinder nicht nur aus Aufsichtsgründen) und der Anblick des hanseatischen Hänflings sprachen Bände: Als Delay in der Mitte des fast zweistündigen Auftritts von Leuten sang, »die schwitzen am Hintern«, hatte die Oberbekleidung des Sängers seine Farbe schon gewechselt.

Was einmal ein rosafarbenes Hemd gewesen war (zu zartblauem Beinkleid samt Jackett, das allerdings schon den dritten Song nicht mehr erlebte), klebte nun in tiefem Purpur schweißnass an des Sängers Oberkörper. Später wrang er seinen Schweiß sogar aus dem weißen Schlips. Der Mann ist halt eine »Rampensau« (keine Beleidigung, sondern Branchenjargon). Ständig in Bewegung, tanzend, singend, rappend kitzelte er aus seiner hervorragend eingespielten Band mit drei Bläsern und drei Chorsängerinnen das Letzte heraus und verschaffte sich nur mit bestens gelaunten Moderationen kleine Verschnaufpausen.

Welch ein Unterschied zu dem eher öden Auftritt des Hamburger Rappers »Das Bo«, der gemeinsam mit DJ Mad eine halbe Stunde lang versucht hatte, das Publikum mit »Aufwärmübungen« aufzulockern. Das gelang zwar leidlich, aber die monotonen Fragen »Was geht ab, Gießen?« wirkten doch eher peinlich als anheizend.

Ganz anders Delay & Co.: Schon kurz nach dem direkt in die Beine gehenden Opener »Rave Against the Machine« (der auch textlich das Konzertspektrum zwischen Disko und Funk absteckt) und »Showgeschäft« (präzise Bläserspitzen, klasse Uhs und Ahs von Esther, Ngone und Maud, den Backgroundsängerinnen) geht Delay auf das Publikum ein, tut so, als müsse er überlegen, dass er in Hessen ist, und kündigt ein Roland-Koch-Medley an, das zwar nichts mit dem Ministerpräsidenten zu tun hat, dem Sänger aber als Plattform für allerlei platte Tiraden auf Stammtischniveau dient.

Schade, dass von Delays früherer politisch-kritischen Haltung nicht mehr übrig geblieben ist. Aber natürlich bekommt die Menge die volle Show-Packung. Mal probt er mit ihr den »Arschdreher«, leiert die üblichen Mitsingspielchen an oder lässt die Band mitten im Song erstarren (»Freeze«), um das Ganze dann mit den Fans zu spielen: »Böse Zungen nennen es auch Stopptanzen.«



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Artikel vom 17.03.2010 - 17.43 Uhr
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