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»Harper Regan« von Simon Stephens im Stadttheater

Artikel vom 25.04.2010 - 18.19 Uhr

»Harper Regan« von Simon Stephens im Stadttheater

Der weibliche Vorname Harper mag uns etwas rau und spröde vorkommen. Aber dies ist es vielleicht, was den Geschehnissen ja entspricht. Die diversen Kontakte zu den Männern, die Auseinandersetzung mit dem familiären Umfeld bilden keinen Stoff wohlfeiler Unterhaltung, sondern fordern auf zum Nachdenken, zur Analyse und sicherlich auch zur Frage an jeden Einzelnen, welche Defizite sein Leben bestimmen, an denen zu rütteln er aus Feigheit, Verlogenheit und Konvention sich nicht traut.

Gegen Ende hätte die Inszenierung wohl eine Straffung verdient; wenn der Ehemann seiner Genugtuung darüber Ausdruck gibt, dass seine Frau zurückgekehrt ist, könnte Schluss sein. Aber Hemmerle will noch die tückische, von großen Schattenfiguren eingebtrübte Frühstücks-Idylle zeigen - mit Harper in knallgelbem Kleid und knallroten Schuhen, die die Schauspielerin bezeichnenderweise beim sehr herzlichen Schlussapplaus nicht trägt.

Diese Darstellerin ist Kyra Lippler, und mit ihr steht und fällt der Abend, und natürlich steht er und fällt nicht, weil Kyra Lippler die ganzen Facetten der Sorge, des Glücks mit einer ganz leisen Präzision nachvollzieht, die beeindruckt und das Schicksal glaubhaft werden lässt.

Da müssen alle anderen Figuren etwas Episodenhaftes bekommen, aber auch hier sind präzise Leistungen zu konstatieren: Petra Soltau als hysterische Mutter und Anne Berg als schwierige Tochter, Roman Kurtz als unsicherer Ehemann.

Christian Fries gleich in zwei Rollen und Rainer Hustedt liefern markante Verkörperungen wie auch Irina Ries als Krankenschwester. Gunnar Seidel hat zwei interessante, gut interpretierte Aufgaben, und Harald Pfeiffer ist der zweite Ehemann der Mutter. Nicht zu vergessen das technische Team, das gute Arbeit - gerade während der Umbauten - leistet.

Wie gesagt, der Applaus war sehr herzlich. Als er verklungen war, wird mancher mit einer gewissen Nachdenklichkeit den Heimweg angetreten haben. Hans-Peter Gumtz



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Artikel vom 25.04.2010 - 18.19 Uhr
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