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Gemeinden sollen ihr eigenes Profil entwickeln

Artikel vom 03.03.2010 - 20.24 Uhr

Gemeinden sollen ihr eigenes Profil entwickeln

Vogelsbergkreis (pd). Er wurde in Ingelheim am Rhein geboren, ging in Lahnstein zur Schule und lebt seit vielen Jahren im Vogelsbergkreis. »Ich habe die ländliche Region sehr stark im Blick«, sagt Matthias Schmidt. Seit Montag ist der 45-Jährige Propst für Oberhessen. Am Sonntag wird er mit einem Festgottesdienst in der Gießener Petruskirche als Nachfolger des im September verabschiedeten Klaus Eibach in sein Amt eingeführt.
Warnt davor, Pfarrer zu stark mit Verwaltungsaufgaben zu belasten: Propst Matthias Schmidt.
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Warnt davor, Pfarrer zu stark mit Verwaltungsaufgaben zu belasten: Propst Matthias Schmidt.
Vogelsbergkreis/Gießen (pd). Er wurde in Ingelheim am Rhein geboren, ging in Lahnstein zur Schule und lebt seit vielen Jahren im Vogelsbergkreis. »Ich habe die ländliche Region sehr stark im Blick«, sagt Matthias Schmidt. Seit Montag ist der 45-Jährige Propst für Oberhessen. Am Sonntag wird er mit einem Festgottesdienst in der Gießener Petruskirche als Nachfolger des im September verabschiedeten Klaus Eibach in sein Amt eingeführt. Der Propstei Oberhessen gehören über 300 Kirchengemeinden in den Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau an.

Schmidt war im November von der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zum neuen Propst gewählt worden und hatte sich im dritten Wahlgang knapp gegen seinen Mitbewerber, den Gießener Dekan Frank-Tilo Becher, durchgesetzt. Als eine seiner vordringlichsten Aufgaben bezeichnete es der 45-Jährige, die Wichtigkeit der Gemeinden vor Ort hervorzuheben. Die Kirchengemeinden sollten die Möglichkeit erhalten, ihr eigenes Profil zu entwickeln. Dies könne je nach Ausrichtung der Gemeinde ganz unterschiedlich sein. Während im städtischen Bereich über den Gottesdienst hinaus oft ein vielfältiges Angebot mit Jugendarbeit und Musik gemacht werden könne, »sind die Kirchengemeinden im ländlichen Raum oft die letzten sozialen Institutionen, die geblieben sind«.

Der neue Propst, der als Seelsorger für die Pfarrer/innen seines Amtsbezirks zuständig ist, erinnerte daran, dass durch den Strukturwandel und die immer größer werdenen Gemeinden auch Probleme entstanden sind. Er bekräftigte einerseits den guten Ausbildungsstand und die hohe Motivation der Pfarrer, warnte aber davor, diese »mit Verwaltungsaufgaben zuzuschütten«. Es müsse mehr Freiräume für ihre eigentlichen Aufgaben geben. Dies könne auch durch eine verstärkte Zusammenarbeit in der Region erreicht werden. Bei zurückgehenden Konfirmandenzahlen etwa könnten mehrere Gemeinden gemeinsamen Konfirmandenunterricht organisieren und so Synergieeffekte erzielen.

Schmidt: »Wir sollten den Kirchturmblick ein wenig ausweiten.« Stärken möchte der neue Propst auch das Ehrenamt in der Kirche. Neben dem »klassischen« Modell mit Menschen, die über viele Jahre hinweg ehrenamtlich tätig sind, gebe es inzwischen auch Gemeindemitglieder, die sich für eine begrenzte Zeit engagieren wollen und die erworbenen Kompetenzen in ihrem Beruf einsetzen wollen. Darauf müsse sich die Kirche einstellen, forderte Schmidt.

Am Herzen liege ihm das Thema Ökumene, betonte der Propst. Er besitze ein »gesundes evangelisches Selbstbewusstsein«, könne sich aber auch an der »feierlichen Würde katholischer Messen« erfreuen. Anderen Religionen begegne er grundsätzlich mit »großer Neugier und großem Respekt«, sagte er. Ausdrücklich bedauerte der Theologe den Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden und Hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann. Schmidt bezeichnete sie als »hervorragende Predigerin und begnadete Buchautorin«. Diese Gaben, so hoffte er, werde sie auch künftig einbringen. Der Theologe, der in Mainz und Bonn evangelische und altkatholische Theologie studiert hat, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er war Pfarrer in Neuhäusel und Schlitz, stellvertretender Dekan im Dekanat Lauterbach und später Referent für Bildung, Erziehung und Arbeit mit Zielgruppen sowie Referent für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Vogelsberg. Zu seinen Hobbys gehören Radfahren und Lesen. Außerdem spielt er in der Schwälmer Mundartband »Bechelsberg Sunrise«.

An diesem Sonntag um 17 Uhr wird er von Kirchenpräsident Dr. Volker Jung in Gießen in sein Amt als Propst eingeführt. Die Kollekte dieses Gottesdienstes ist je zur Hälfte für die »Neue Arbeit Vogelsberg« sowie für ein Hostel-Projekt für Kinder in der südindischen Partnerdiözese East Kerala bestimmt. (Foto: Schepp)

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Artikel vom 03.03.2010 - 20.24 Uhr
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